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Syrien

06.01.2019

USA wollen syrische Kurden schützen – zum Ärger der Türkei

Donald Trump hatte die Entscheidung zum Truppenabzug im Dezember in einem Telefonat mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan gefällt.
Bild: Manuel Balce Ceneta, dpa (Archiv)

Präsident Trump deutet eine erneute Kehrtwende an. Nun sollen offensichtlich vorerst doch US-Soldaten in Syrien bleiben. Das sorgt für Unmut in Ankara.

Drei Wochen nach der Ankündigung von US-Präsident Donald Trump, die amerikanischen Soldaten aus Syrien abzuziehen, leitet Washington eine erneute Kehrtwende ein – zum Ärger der Türkei. Äußerungen aus dem US-Außenministerium laufen darauf hinaus, dass die US-Truppen trotz des verkündeten Rückzuges bis auf Weiteres in Syrien bleiben sollen. Washington will damit unter anderem die syrischen Kurden vor einem Angriff der Türkei schützen. Auch die neue Rolle, die der Türkei im Kampf gegen den Islamischen Staat (IS) zugedacht ist, steht in Zweifel. Auf eine Delegation von Trump-Beratern, die am Dienstag Ankara besuchen will, warten schwierige Gespräche.

US-Medien berichten, es gebe keinen Zeitplan für Rückzug aus Syrien

Trump hatte die Entscheidung zum Truppenabzug im Dezember in einem Telefonat mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan gefällt. In dem Gespräch sagte Erdogan laut Medienberichten zu, dass die türkische Armee nach dem Abzug der 2000 US-Soldaten aus Syrien die Bekämpfung des IS dort übernehmen werde.

Der in den USA selbst und auch in Europa heftig kritisierte Abzugsbefehl hatte insbesondere die syrische Kurdenmiliz YPG in eine schwierige Lage gebracht: Die YPG, der wichtigste Partner der USA im Kampf gegen den Islamischen Staat, wird von der Türkei als Terrororganisation betrachtet. Ohne den Schutz der US-Soldaten wären die Kurden einem Einmarsch der Türken ausgeliefert, die bereits Truppen an der Grenze zusammengezogen haben.

Nun sagte US-Außenminister Michael Pompeo jedoch, die USA wollten weiter verhindern, dass die Türkei die Kurden „abschlachtet“. In einem Hintergrundgespräch für Reporter in Washington fügte ein hochrangiger Mitarbeiter Pompeos laut Medienberichten hinzu, es gebe keinen Zeitplan für den Rückzug aus Syrien. „Wir gehen nirgendwo hin.“ Die USA wollten sicherstellen, dass in Syrien „kein Vakuum für Terroristen“ entstehe. Washington will zudem den iranischen Einfluss in Syrien bekämpfen.

Delegation von US-Vertretern will in Ankara gemeinsame Linie mit der Türkei finden

Mit der Rückendeckung für die YPG wollen die USA außerdem verhindern, dass die Kurdenmiliz rund 2000 gefangene IS-Kämpfer und Familienangehörige in ihrem Herrschaftsgebiet freilässt: Die YPG fordert schon seit langem, westliche Länder sollten ihre Staatsbürger unter den Häftlingen zurücknehmen – ein türkischer Angriff auf die YPG könnte die Kurden dazu veranlassen, die Insassen der Internierungscamps freizulassen. Heimkehrende IS-Mitglieder könnten dann in Europa und den USA Terroranschläge verüben. Für die Türkei ist die neue Wende der USA eine schlechte Nachricht. Ankara hatte nach Trumps Ankündigung darauf gesetzt, das YPG-Autonomiegebiet entlang der türkischen Grenze in Nordsyrien mit einer Militärintervention zerschlagen zu können. Eine dauerhafte Präsenz amerikanischer Soldaten in dem Gebiet würde eine Großoffensive aber unmöglich machen, weil die Türkei die militärische Konfrontation mit den US-Soldaten nicht riskieren will.

Laut türkischen Medienberichten besteht eine mögliche Lösung in der Errichtung einer von US-Soldaten überwachten Pufferzone auf der syrischen Seite der Grenze, aus der die YPG abziehen müsste. Dies würde einen erheblichen militärischen Mehraufwand der Amerikaner bedeuten - obwohl Trump die Truppen eigentlich abziehen will. Auch andere Pläne Erdogans geraten ins Wanken. US-Medien berichten, dass Washington die Zusage der Türkei zur Bekämpfung des IS in Syrien skeptisch sieht. Ankara verfügt demnach nicht über die nötigen militärischen Ressourcen, um die Dschihadisten in deren letztem Rückzugsgebiet rund 200 Kilometer südlich der türkischen Grenze anzugreifen. Allein in der zweiten Dezemberhälfte griffen USA und YPG laut US-Militärangaben fast 500 Mal die IS-Stellungen an – eine solche Größenordnung traut Amerika der Türkei und deren syrischen Verbündeten nicht zu. Türkische Bitten um Hilfe der USA bei künftigen Angriffen auf den IS werden in Washington bisher ignoriert.

Trumps Sicherheitsberater John Bolton, Generalstabschef Joseph Dunford und der Syrien-Beauftragte James Jeffrey wollen in Ankara versuchen, eine gemeinsame Linie mit der Türkei zu finden. Gleichzeitig bemüht sich Außenminister Pompeo bei einer eigenen Nahost-Reise um Schadensbegrenzung, denn Trumps Syrien-Politik verunsichert Partner in der ganzen Region. Pompeo werde bei seinen Gesprächen versichern, dass sich die USA nicht aus Nahost zurückziehe, hieß es im US-Außenamt.

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