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Über dem Limit
23.05.2007

Jugendliche trinken immer mehr

Jugendliche trinken immer mehr

Der Rausch wird Glas für Glas ins Hirn gespült. Schnell, exzessiv, bald unkontrollierbar, manchmal tödlich. Der Berliner Schüler Lucas W. trank angeblich 52 Gläser Tequila, fiel ins Koma und starb. Das ist einige Zeit her, aber die Debatte über das "Komasaufen" dauert an, denn der hemmungslose Alkoholkonsum bei Jugendlichen geht weiter.

Von Stefan Küpper

Berlin - Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Sabine Bätzing (SPD), warnte: "Riskanter Alkoholkonsum von Kindern und Jugendlichen ist ein wachsendes Problem." Die Zahl der Teenager, die mit Alkoholvergiftungen stationär behandelt wurden, ist in Deutschland in den vergangenen Jahren um 50 Prozent gestiegen: von gut 12.000 auf fast 18.000 Fälle.

Anlässlich der Veröffentlichung der wissenschaftlichen Ergebnisse des Modellprojektes "HaLT - Hart am LimiT" vergangenes Jahr sagte Bätzing: "Wir müssen nicht tatenlos zusehen. Mit dem HaLT-Konzept wurde ein wirksamer Ansatz entwickelt, um mit geringem finanziellem Aufwand betroffenen Jugendlichen zu helfen und die Präventionsarbeit auf kommunaler Ebene zu stärken." Das Projekt HaLT bietet Kindern und Jugendlichen Beratung, die bereits ihre Erfahrungen jenseits des Limits beim sogenannten "Ampelsaufen" (Trinken bei Grün), bei "Flatrate-Partys" oder beim "Trichtersaufen" gemacht haben. Seit 2003 gibt es "HaLT", mittlerweile an elf Standorten in neun Bundesländern.

Dabei geht es zunächst um Prävention, sagte Peter Eichin, Pädagoge an der Villa Schöpflin, einem Zentrum für Suchtprävention im baden-württembergischen Lörrach. Hier wurde "HaLT" entwickelt, bevor es bundesweit verbreitet wurde.

Findet etwa ein Weinfest in der Region statt, gehen die Mitarbeiter des Zentrums vorher auf die Veranstalter zu, leisten Aufklärungsarbeit und weisen auf die Bestimmungen des Jugendschutzes und des Gaststättenrechts hin. Dazu werden Aufkleber mit der Aufschrift "Wir machen mit" verteilt, die an den Ausschänken befestigt sind. Die Kellnerinnen erhalten Flyer. Wenn betrunkene Jugendliche bei ihnen uneinsichtig nachfragen, wird ihnen quasi der Gesetzestext serviert. Eichin: "Wenn alle Erwachsenen an einem Strang ziehen, klappt das."

Festveranstalter, Kneipenwirte, Supermärkte: Alle würden angesprochen oder kämen mittlerweile selbst auf die Projektmitarbeiter zu. Es gehe nicht um ein generelles Alkoholverbot, sondern um die richtige "Trinkkultur, um altersgemäßes Trinken: genussvoll, zu besonderen Anlässen, aus freiem Willen". Hat ein Jugendlicher zu viel getrunken, bietet "HaLT" Ansprechpartner: "Wir führen dann unmittelbar danach Gespräche. In dieser sensiblen Phase kann man da noch andocken." Sie zeigten auf, wo die Gefahrenzone beginne.

Theoretisch ist alles klar geregelt. Nach dem Gaststättenrecht darf an erkennbar Betrunkene nichts mehr ausgeschenkt werden. Drogenbeauftragte Bätzing unterstrich dennoch: "Das Miteinander ist der Erfolg des Projektes. Wo nach dem HaLT-Konzept gehandelt wird, wurden stetig weniger Jugendliche mit einer schweren Alkoholvergiftung in ein Krankenhaus eingeliefert."

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