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US-Wahl 2020

02.11.2020

Über eine Familie, die sich über Trump und Biden herzlich streiten kann

Donald Trump spricht bei einer Wahlkampfkundgebung in Pennsylvania.
Bild: Alex Brandon, dpa

Plus Eine Familie, zwei Meinungen: Lorne Blackman stimmt für Donald Trump, seine Schwester Susie Cocoran für Joe Biden. Ihrer Sache sicher aber sind sie sich beide nicht.

Lorne Blackman hat es getan. Er hat Donald Trump gewählt. Vor ein paar Tagen schon – und ohne größere Begeisterung. Das wenig staatsmännisches Auftreten des Präsidenten, seine Prahlereien, die vielen Affären: Ziemlich peinlich finde er das alles, sagt Blackmann.

Am Ende aber zähle für ihn etwas anderes: "Trump liebt das Amerika, so wie wir es kennen." Furchtlos trotze er den Chinesen, jeder Form von Sozialismus und der erdrückenden politischen Korrektheit. Seine Stimme für Trump will Blackman vor allem als Stimme gegen die anderen verstanden wissen: Gegen den Genderwahn der Demokraten, gegen ihre Intoleranz und die ständigen Rassismus-Debatten. "Meine größte Sorge", sagt der 58-jährige, "ist die vor dem Zusammenbruch der amerikanischen Identität."

Amerikaner müssen zwischen Trump und Biden wählen

Susie Cocoran wird für Joe Biden stimmen. Er sei weiß Gott nicht ihre erste Wahl, sagt sie, im Gegenteil, viel lieber hätte sie Michelle Obama als demokratische Kandidatin gesehen - am Ende aber komme es ja vor allem auf eines an: Trump müsse weg. "Er ist ein gefährlicher Mensch, ein Mensch ohne Werte, ohne Empathie und ohne Manieren." Einer, der kleine Kinder an der mexikanischen Grenze von ihren Eltern trenne, der keine Bundessteuern zahle und keinen Plan habe für den Kampf gegen die Pandemie. Und trotzdem, staunt die 56-jährige, "unterstützt ihn fast die Hälfte der Amerikaner noch."

Lorne Blackmann und Susie Cocoran, die beiden Amerikaner mit den so unterschiedlichen Ansichten, sind Geschwister: Der bedächtige, bibeltreue Lorne, der eine große Gärtnerei in Walla Walla im Bundesstaat Washington betreibt, und die temperamentvolle Susie, eine Hebamme mit eigener Praxis im 400 Kilometer entfernten Aurora im Bundesstaat Oregon. Dass sie und ihr Bruder in der wichtigsten politischen Frage des Landes so über Kreuz lägen, sagt sie, sei nichts Besonderes. Viele Familien führten im Moment ähnliche heftige Diskussionen. Ausgang ungewiss: "Ich bin mir nicht sicher, ob diese Brüche jemals wieder heilen werden."

Bei der US-Wahl 2020 geht es um Grundsatzfragen

Lorne, ihr Bruder, hat früher die Constitution Party gewählt, die noch ein gutes Stück rechts von Trumps Republikanern steht und sich nicht zuletzt als Stimme der Religiösen versteht. Schwester Susie hat viele Jahre überhaupt nicht gewählt – nun aber, da der Kampf ums Weiße Haus so erbittert geführt wird, stehen die Geschwister, deren Großmutter aus dem kleinen Dorf Lutzingen im Landkreis Dillingen stammt, stellvertretend für Millionen Amerikaner. Beiden geht es keineswegs nur um die Frage "Trump oder Biden", sondern um Grundsätzlicheres.

Wenn in staatlichen Schulen heute Transsexuelle Lesestunden für Kinder abhielten, sei das nicht mehr sein Amerika, sagt Lorne. "Wir degenerieren zu einem Land, in dem jeder seine eigene Agenda hat und wir allmählich das Verbindende verlieren." Auf der anderen Seite sagt auch seine Schwester: "Wir sind nicht mehr das Land, das wir einmal waren." Weitere vier Jahre mit Trump mag sie sich gar nicht erst vorstellen. "Das wäre wirklich ein Schock. Davon werden wir uns so schnell nicht mehr erholen."

Hinter Biden steht Kamela Harris als engagierte Linke

Sicher sind sie sich beide ihrer Sache trotzdem nicht. Obwohl Biden in den Umfragen führe, sagt Susie Cocoran, sei das Rennen für ihn noch nicht gelaufen. "Ich habe keine Ahnung, wie das ausgeht", gesteht auch ihr Bruder. Ein großer Trump-Fan sei er nie gewesen, sagt Lorne Blackman, eher schon ein besorgter Bürger, dem man keine andere Wahl lasse. Aber sein Kreuz deshalb bei Biden zu machen? "Undenkbar." Die Linken hätten bis heute nicht begriffen, dass sie für Trump verantwortlich seien. Mit einer anderen Kandidatin als Hillary Clinton vor vier Jahren, soll das heißen, wäre Donald Trump womöglich gar nicht erst Präsident geworden.

Schwester Susie sieht das, ausnahmsweise, ganz ähnlich - und denkt schon einen Schritt weiter. Ja, Biden sei nicht mehr der Jüngste und der Fitteste, das mache auch ihr Sorgen. Aber mit der designierten Vizepräsidentin Kamela Harris habe er eine Frau gefunden, die bisher einen großartigen Job gemacht habe und das Zeug dazu habe, die erste Präsidentin der Vereinigten Staaten zu werden, falls Biden keine volle Amtsperiode durchhalten sollte.

Genau das wiederum fürchtet Bruder Lorne: So schwach, wie Biden mit seinen 77 Jahren schon wirke, sei eine Stimme für ihn schon jetzt eine Stimme für die kalifornische Senatorin Harris, eine stramme Linke. Auch deshalb wählt Lorne Blackman diesmal Trump.

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