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Großbritannien

05.06.2009

Um Gordon Brown wird es einsam

Brown will von Rücktritt nichts wissen
Bild: DPA

Auch nach dem Abgang des achten Ministers innerhalb von vier Tagen klammert sich der britische Premier Gordon Brown weiter an sein Amt. Von Jasmin Fischer

London Aus dem Bunker heraus versucht der halb tote Feldherr, die ausweglose Gefechtslage noch zu drehen: Premierminister Gordon Brown hat gestern inmitten meuternder und meuchelnder Minister und verheerenden Kommunalwahlergebnissen sein Kabinett umgebaut.

Wie lange ihm der Schachzug Luft verschafft, ist völlig offen. Der unbeliebteste britische Regierungschef aller Zeiten kämpft zäh an vielen Fronten. Donnerstagnacht hat ihm sein Arbeitsminister einen weiteren, schweren Schlag versetzt: James Purnell, aufstrebender Labour-Liebling, räumte seinen Posten - und zwar mit einem offenen Brief in den Medien: "Tritt ab, um der Partei den Hauch einer Siegeschance bei der nächsten Wahl zu geben", riet er seinem Chef. Die Art der Kündigung war ein Fußtritt für Brown, der seit Tagen ohnehin am Boden liegt.

Auch seine Innen- und Regionalministerinnen haben bereits das sinkende Schiff verlassen.Nach Purnells Abgang schmissen dann auch noch Verteidigungsminister John Hutton und schließlich als fünftes Kabinettsmitglied binnen einer Woche Verkehrsminister Geoff Hoon das Handtuch. Unterdessen versuchte Brown, Boden zurückzugewinnen in diesem martialischen Lehrstück der Westminster-Politik. Seinen Hauptrivalen, Gesundheitsminister Alan Johnson, neutralisierte er, indem er ihm die Leitung des Innenministeriums übertrug.

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Schatzkanzler Alastair Darling durfte sein Amt behalten, nachdem er bereits hatte durchsickern lassen, lieber zu gehen als sich versetzen zu lassen.
Darlings Abgang hätte das meuternde Kabinett weiter provoziert und wohl für die endgültige Kernschmelze in der Downing Street 10, Browns Regierungssitz, gesorgt.

Der 58-Jährige, der seit Wochen von alten Blair-Anhängern, der Opposition, dem Spesenskandal und illoyalen Parteirebellen bedrängt wird, musste schlechte Nachrichten aus der Kommunalwahl in Empfang nehmen: Rund 300 der bisher 445 Regionalmandate könnte Labour nach ersten Auszählungen verloren haben. Am Sonntagabend kommen wohl ähnlich vernichtende Zahlen bei der Veröffentlichung der Europawahl-Ergebnisse hinzu. Labour-Abgeordnete drängen auf Neuwahlen mit neuem Kandidaten. Insbesondere der Spesenskandal - in den allerdings auch die Konservativen verstrickt sind - hat die Labour-Partei für viele entzaubert. Immer mehr frustrierte Wähler fordern, dass Brown Neuwahlen ausrufen soll.

Das wollen mittlerweile auch die meisten Labour-Abgeordneten: Sie hoffen, ihren eigenen Sitz retten zu können, wenn sie Brown schnell aus dem Amt drängen und einen größeren Sympathieträger als Kandidaten aufstellen. Die 80 notwendigen Stimmen für ein Misstrauensvotum gegen Brown soll es bereits geben: Die Rebellen haben sich nach Medienberichten über anonyme E-Mail-Konten organisiert, um ihre Identität zu schützen. Allein der Bote, der Brown den Brief der Verschwörer überbringt, fehlt noch.

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