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Umfrage
12.05.2016

Dann doch lieber Schwarz-Grün

Schwarz und Grün – passt das auch im Bund zusammen?
Foto: fotolia

Die Deutschen haben genug von der Großen Koalition. Jeder Zweite hätte gerne ein Bündnis von Union und Grünen – auch wenn kaum jemand glaubt, dass damit alles besser wird.

Nehmen wir mal an, die Deutschen könnten nicht nur eine Partei, sondern gleich eine ganze Koalition wählen. Dann stünde die nächste Regierung praktisch schon fest. In einer Forsa-Umfrage sprachen sich 48 Prozent der Teilnehmer für Schwarz-Grün aus – also quasi die absolute Mehrheit. Noch vor ein paar Jahren wäre ein solches Bündnis für CDU und CSU völlig undenkbar gewesen. Doch in Zeiten bröckelnder Umfragewerte kann es sich eben auch eine Volkspartei nicht mehr so einfach aussuchen, mit wem sie regieren will. Das zeigt ein Blick nach Baden-Württemberg: Dort bleibt der CDU gar nichts anderes übrig, als einem Grünen zur Macht zu verhelfen.

Die Anhänger beider Seiten könnten sich ein schwarz-grünes Bündnis vorstellen

Mit dem Segen der Union darf Winfried Kretschmann in Stuttgart weiterregieren. Der populäre Landesvater, der heute vom Landtag im Amt bestätigt wird, hat es der CDU allerdings auch leicht gemacht, das grün-schwarze Wagnis einzugehen. Kretschmann ist keiner der Öko-Fundamentalisten oder linken Sozialschwärmer, die vom politischen Gegner gerne in die unwählbare Kategorie „Gutmensch“ einsortiert werden. Der 67-Jährige gehört zu den pragmatischen „Realos“. Das mag zwar nicht allen Parteifreunden gefallen, angesichts seiner sensationellen Wahlerfolge muss er aber keinen Widerstand aus den eigenen Reihen befürchten. Und mit seinem christlich-konservativen Weltbild kommt der Mann auch bei den Anhängern der Union gut an.

Kretschmann ist ein Phänomen. Im ZDF-Politbarometer wählten ihn die Deutschen im April sogar zum beliebtesten Politiker der Republik. Fragt sich nur: Gibt es eine solche Figur, die beide Seiten verbindet, auch in Berlin? Kretschmann selbst erteilt jeglichen bundespolitischen Ambitionen Absagen. Nichtsdestotrotz wird schon lange über eine schwarz-grüne Vernunftehe nach der nächsten Bundestagswahl spekuliert. Die Anhänger beider Seiten könnten sich das auch gut vorstellen. 60 Prozent der Grünen-Wähler und sogar 67 Prozent der Sympathisanten der Union sprechen sich dafür aus.

Würde die AfD von einer Koalition der Union mit den Grünen profitieren?

Ein paar Haken hat die Sache allerdings noch: Obwohl fast die Hälfte der Deutschen das schwarz-grüne Experiment einer Fortsetzung von Schwarz-Rot vorzieht, gehen gerade mal 18 Prozent davon aus, dass ein solches neues Bündnis das Land besser managen würde, als es die aktuelle Bundesregierung tut. Auf gut Deutsch: Viele Leute sind zwar der Großen Koalition überdrüssig, haben allerdings wenig Hoffnung, dass andere Bündnisse größeren Erfolg versprechen. Und dann birgt Schwarz-Grün auch noch strategische Risiken – vor allem für CDU und CSU. Denn enttäuschte Konservative und Wähler am rechten Rand werden darin einen weiteren Beleg dafür sehen, dass die Union immer weiter nach links rutscht. Das dürfte vor allem der AfD in die Karten spielen.

Die Union wird sich also entscheiden müssen, ob sie diese Gefahr in Kauf nimmt. Dass Angela Merkel ganz gerne eine schwarz-grüne Regierung anführen würde, ist kein Geheimnis. Schon 2013 wäre sie wohl dazu bereit gewesen. Allerdings bleibt die Frage, ob die CDU-Chefin nach der Bundestagswahl im Herbst 2017 überhaupt noch Kanzlerin ist. Glaubt man einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Insa, sind momentan fast zwei Drittel der Deutschen gegen eine weitere Amtszeit von Angela Merkel.

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