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Ungewohnte Selbstkritik: Merkel ist aufgewacht

Ungewohnte Selbstkritik: Merkel ist aufgewacht
Kommentar Von Bernhard Junginger
22.03.2018

Für Angela Merkel geht es in ihrer voraussichtlich letzten Amtszeit um die Frage: Wie werden sich die Menschen einmal an ihre Kanzlerschaft erinnern?

Mit ungewohnt selbstkritischen Tönen hat Angela Merkel ihre vierte und voraussichtlich letzte Amtszeit eingeleitet. Zu spät und zu halbherzig auf die massiven Fluchtbewegungen vor den Toren Europas reagiert, zu lange weggesehen habe die Politik – und damit meint die Bundeskanzlerin natürlich vor allem sich selbst. So übernimmt sie, in dieser Deutlichkeit reichlich spät, auch Verantwortung für die Spaltung und Polarisierung im Land. Die Kanzlerin, so ihre Botschaft, hat verstanden. Die Flüchtlingskrise, die eine humanitäre Ausnahmesituation gewesen sei, dürfe sich nicht wiederholen.

Was bleibt von Angela Merkel?

So weit Merkel sich auf ihre Kritiker zubewegt, so wenig lässt sie sich in grundsätzlichen Fragen verbiegen. Deutschland werde weiter seiner Verpflichtung nachkommen, Schutzbedürftige aufzunehmen – daran lässt sie keinen Zweifel. Und ebenso macht sie klar, dass für sie der Islam zu Deutschland gehört. Da kann ihr widerborstiger Innenminister Horst Seehofer von der CSU sagen, was er will.

Merkel bleibt Merkel. Und jetzt geht es für die Bundeskanzlerin um die Frage: Was bleibt von Merkel? Wie werden sich die Menschen einmal an ihr Regieren erinnern? In denkbar unsicheren Zeiten muss sie Deutschen den Glauben an die Zukunft zurückgeben. Allein die bereits jetzt klar erkennbaren Probleme sind gewaltig. Welche Herausforderungen die kommenden dreieinhalb Jahre tatsächlich mit sich bringen werden, weiß niemand. Als Merkel Anfang 2014 ihre dritte Regierungserklärung abgab, ahnte sie nicht, dass sie bei der vierten im Jahr 2018 vor allem über eine Flüchtlingskrise reden würde.

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Die Diskussion ist geschlossen.

23.03.2018

Merkel'sche Selbstkritik? Merkel aufgewacht?
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Es ist viel schlimmer: 12 Jahre vertane Kanzlerzeit, in der sie sich möglichst aus der 'Welt zu katapultieren suchte.
Das Beispiel ihres Satzes "wir packen das". Dem konnte und kann ich zustimmen.
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Wenn diese Aussage, vielfach bestaunt, in sich ruhend ihre Sprechblase auffüllt und da kommt dann fast nichts, politisch nichts. man lässt andere machen, dann wird erkennbar, dass sie, unsere Kanzlerin, nicht bereit war, mit Kraft und Macht staatlicher Organe und Regelungen anzupacken.
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Vergleichbar hat sie auf vielen politischen Feldern sich verweigert.
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Es ist aber Zeit zum Wechsel. Es ist das, was Bob Dylan in seinem Song mit Hilfe seines Textes klar gemacht hat und wogegen die Kanzlerin sich bis heute sträubt: Den normalen Gang ins weiter so gibt es nicht.
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Die Zeiten ändern sich. Sie, die Kanzlerin ist längst eine politische Figur von gestern und wird irgendwann entsorgt.
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Bob Dylan's Song interpretiert von Burl Ives.
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https://www.youtube.com/watch?v=bz1GttP4H2I

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22.03.2018

Deutschland war und ist weltanschaulich vielfältig geprägt.

Es stimmt zwar, dass Deutschland christlich geprägt ist – jedoch nur zum Teil, denn dies geschah und geschieht zusammen mit vielen anderen religiösen und nichtreligiösen Weltanschauungen. Vor allem vermochten Wissenschaftler und Humanisten, sich zunehmend gegen die oft unrealistische, egoistische christliche Sicht durchzusetzen, z.B. in der Astronomie und bei den Menschenrechten.
Für den gesellschaftlichen Zusammenhalt wäre es sehr hilfreich, endlich die von der katholischen Kirche nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs bei den Gründungsmüttern und -vätern des Grundgesetzes erpressten massiven religiösen Bevorzugungen im Grundgesetz (und vielen anderen Gesetzen) abzuschaffen – genau das würde dem obersten christlichen Gebot der Nächstenliebe entsprechen!
Natürlich ist der Islam ein Teil von Deutschland, jedoch sollte er – ebenso wie das Christentum! – menschenrechtskonform sein, also z.B. andere religiöse und nichtreligiöse Weltanschauungen als gleichberechtigte Anschauung anerkennen; genauso, wie er selbst anerkannt werden möchte.

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