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Somalia

08.09.2014

Vergewaltigungs- und Missbrauchs-Vorwürfe gegen AU-Soldaten

Laetitia Bader, von der Menschenrechtsorganisation "Human Rights Watch" (HRW) verkündete in einem Bericht, dass AU-Soldaten seit 2013 Somalierinnen missbraucht haben sollen.
Bild: Tony Karumba (AFP)

Laut einem Bericht der "Human Rights Watch" sollen AU-Soldaten seit 2013 Somalierinnen vergewaltigt und missbraucht haben.

Laut Menschenrechtsaktivisten haben Soldaten der Mission der Afrikanischen Union in Somalia (Amison) in ihren Stützpunkten in Mogadischu somalische Mädchen und Frauen sexuell missbraucht und ausgebeutet. In einem am Montag veröffentlichten Bericht stellt die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) dar, wie AU-Soldaten seit 2013 Somalierinnen vergewaltigt und missbraucht haben sollen. In dem Bericht heißt es, dass dabei die Soldaten somalische Mittelsmänner eingesetzt hätten. Es wurden 21 Opfer sowie mehr als 30 Zeugen, ausländische Beobachter, Militärangehörige und Vertreter von Truppenstellern befragt.

Anzeige gegen Vergewaltiger - Frauen und Mädchen haben Angst

Nach eigenen Angaben wurden die Frauen und Mädchen, von denen das Jüngste zwölf Jahre alt war, von ugandischen und burundischen Angehörigen der AU-Streitkräfte vergewaltigt oder sexuell missbraucht. Die AU-Soldaten hätten "verschiedene Methoden einschließlich humanitärer Hilfe" eingesetzt. Ebenso seien Frauen, die in den zwei Amisom-Stützpunkten in Mogadischu um ärztliche Hilfe oder Wasser baten, sexuell genötigt worden. Die Soldaten gaben teilweise ihren Opfern nur geringe Geldbeträge.

Die Opfer erstatteten lediglich in zwei Fällen Anzeige. Die anderen fürchteten laut HRW eine "Stigmatisierung" oder Bestrafung durch ihre eigenen Familien, aber auch durch die Polizei und die islamistische Shebab-Miliz.

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Mehr Schutz vor sexueller Ausbeutung

Um sexuellen Missbrauch durch ihre Truppen zu verhindern, die Täter zu identifizieren und zu bestrafen, müsse die militärische und politische Führung der AU mehr unternehmen, forderte der Leiter der Afrika-Abteilung von Human Rights Watch, Daniel Bekele. Aufgrund einer wahrscheinlichen Hungersnot in den Flüchtlingslagern von Mogadischu seien Frauen und Mädchen erneut "verzweifelt auf der Suche nach Nahrung und Medikamenten". Beleke erklärte: "Sie sollten nicht ihren Körper verkaufen müssen, damit ihre Familien überleben können."

Gemeinsam mit der UNO und der somalischen Regierung müssten die AU-Truppen Maßnahmen zum Schutz vor sexueller Ausbeutung ergreifen. Gleichzeitig sollten sie Bedingungen schaffen, unter denen Frauen bereit seien, Missbrauch anzuzeigen, forderte HRW. Die truppenstellenden Länder sollten ferner ihre Kapazitäten zur Ermittlung und Strafverfolgung in Somalia ausbauen. Angemessene medizinische sowie psychosoziale Betreuung und Schutz müssten die Opfer zudem erhalten.

Der HRW-Bericht sei unausgewogen und nicht repräsentativ

Die Anschuldigungen würden "sehr ernst" genommen, erklärte ein Sprecher von Amisom, Eloi Yao. Er kündigte eine Untersuchung und "Maßnahmen" gemäß der "Null-Toleranz-Politik mit Blick auf Fehlverhalten" an. Da nur wenige Menschen befragt worden seien, kritisierte Yao den HRW-Bericht als "unausgewogen und unfair".

Laut der Menschenrechtsorganisation wurden zehntausend Frauen und Mädchen durch jahrelange Konflikte und Hungersnöte aus ihren Gemeinschaften, ihren Familien und Clans vertrieben. Um sich und ihre Kinder versorgen zu können, seien viele komplett auf Hilfe von außen angewiesen und würden in ausbeuterische Situationen getrieben werden.

Seit 2007 sind die Amisom-Friedenstruppen im Land, um die Regierung im Kampf gegen die Islamisten zu unterstützen. Überwiegend kommen die Soldaten aus Uganda, Burundi, Kenia, Äthiopien, Dschibuti und Sierra Leone. Finanziert wird die Mission vor allem durch die Vereinten Nationen, die Europäische Union, die USA und Großbritannien. (AFP/AZ)

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