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„Versagen in Brüssel“
15.05.2014

CSU-Urgestein Wilfried Scharnagl: Für Europa, aber gegen Brüssel

Archivfoto: Wilfried Scharnagl rechnet mit der EU ab.
Foto: Peter Kneffel, dpa

CSU-Altmeister Wilfried Scharnagl rechnet in seiner neuen Streitschrift mit der EU-Kommission und der EU-Bürokratie ab. Ministerpräsident Horst Seehofer steht ihm zur Seite.

Eine Streitschrift – was sonst! Etwas anderes war von Wilfried Scharnagl, 75, nicht zu erwarten. Der frühere Chefredakteur des Bayernkurier und langjährige Vertraute von CSU-Übervater Franz Josef Strauß nennt sich selbst einen „konservativen Knochen“.

Kreative Journalisten haben ihm noch ganz andere Bezeichnungen verpasst wie „Lordsiegelbewahrer des konservativen Markenkerns der CSU“ oder „Strauß’ Stellvertreter auf Erden“. Jetzt hat Scharnagl – wieder einmal – ein Buch geschrieben. Rechtzeitig zur Europawahl rechnet der griesgrämige Intellektuelle mit der Europäischen Union in ihrer aktuellen Ausprägung ab. Titel: „Versagen in Brüssel“.

CSU-Chef Horst Seehofer zitierte bei der Vorstellung des Buches im Hotel Bayerischer Hof in München zuallererst einen Satz, der ihm offenbar besonders wichtig erscheint. „Gegen Europa sein“, so schreibt Scharnagl im Vorwort, „könnte nur ein politischer Narr.“ Und Seehofer betonte: „Ich weiß, dass das ein Satz ist, der von Herzen kommt.“

Scharnagl geht mit Brüssel hart ins Gericht

Das Bekenntnis mag eine Herzensangelegenheit sein, das Buch aber kommt aus dem Bauch. Ebenso schonungslos wie wortgewaltig geht Scharnagl mit der EU-Kommission und der Brüsseler Bürokratie ins Gericht. Die Pointen gegen das „europäische Absurdistan“ sind präzise gesetzt. Scharnagl geißelt die „Regulierungswut“ und die Arroganz eines gigantischen Behördenapparats, in dem angeblich „exakt 4365 Mitarbeiter der europäischen Kommission“ mehr Geld verdienen als die deutsche Bundeskanzlerin.

Er prangert an, dass die europäische Zentralmacht sich fortgesetzt in Dinge einmischt, die sie nichts angeht (Beispiel: Olivenölfläschchen), gleichzeitig aber wirklich wichtige Dinge nicht anpackt (Beispiel: Schutz europäischer Bürger vor Ausspähung durch US-Behörden und Geheimdienste). Und er lässt all das in einer Forderung gipfeln, die er bei der Vorstellung des Buches kurz und knapp formulierte: „Das Rezept kann nur eines sein: Brüssel muss entmachtet werden.“

Buch blendet Wirklichkeit aus

Zu kritisieren an dem Buch ist zweierlei: Zum einen blendet es an manchen Stellen Teile der Wirklichkeit aus. Die Posse ums Olivenölfläschchen kann zum Beispiel nur dann als Paradebeispiel für den EU-Verdruss der Bürger herhalten, wenn unerwähnt bleibt, dass es eine Initiative der spanischen Regierung war. Zum anderen verdeckt die Begrifflichkeit aus dem Bereich der Pathologie („besessen“, „verrückt“, „Wahn“), dass es in Brüssel immer auch um nüchterne, gegensätzliche Interessen der Staaten geht.

Um nüchterne Analyse aber geht es in dieser Streitschrift eben nicht. Scharnagl will sich einmischen. Sein Mitstreiter Peter Gauweiler verglich ihn mit einem Krankengymnasten. Er sagte: „Krankengymnastik tut weh. Aber Krankengymnastik macht nicht der, der ein Menschenfeind ist, sondern der will, dass es den Menschen besser geht.“

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