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Interview

07.02.2019

Volker Kauder über Angela Merkel: „Sind befreundet auf immer“

Bundeskanzlerin Angela Merkel und der ehemalige Unions-Fraktionschef Volker Kauder gaben in der CDU lange den Ton an.
Bild: Michael Kappeler, dpa (Archiv)

Der frühere Fraktionschef der Union, Volker Kauder, spricht im Interview über persönliche Verletzungen und verrät, was er von Andrea Nahles hält.

Herr Kauder, im September hat die Unionsfraktion im Bundestag Sie als Vorsitzenden nicht mehr im Amt bestätigt. Hatten Sie damit gerechnet?

Volker Kauder: Nein, damit habe ich nicht gerechnet.

Wie fühlt es sich an, nicht mehr in der ersten Reihe zu sitzen?

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Kauder: Natürlich hätte ich die Aufgabe gerne weitergeführt, sonst hätte ich ja nicht mehr kandidiert. Aber das ist erledigt. So etwas gibt es in der Demokratie. Bei mir ist das vorherrschende Gefühl große Dankbarkeit, dass ich das 13 Jahre lang habe machen dürfen. Und jetzt übe ich mein Mandat aus, habe weniger Stress und weniger Ärger und kann im Gegensatz zu früher die meisten Sonntage zu Hause verbringen.

Trotzdem hinterlässt so ein Vorgang auch Verletzungen.

Kauder: Die Menschen, denen ich begegne, sagen, dass ich viel ruhiger und gelassener geworden sei. Ich habe das gut verkraftet. Und ich habe nicht vor, die Restlaufzeit meines Lebens damit zu verbringen, ständig zu reflektieren, was da geschehen ist. Ich habe auch keine Lust, da nachzukarten. Die CDU und die Fraktion sind meine politische Heimat und ich will, dass wir erfolgreich sind.

Die CDU hat nicht nur einen neuen Fraktionschef, sondern auch eine neue Vorsitzende. Wie kommen Sie mit Frau Kramp-Karrenbauer klar?

Kauder: Mit Frau Kramp-Karrenbauer bin ich gut befreundet. Ich kenne sie schon lange und sie hat mir immer schon Respekt abgenötigt. Ich habe mich sehr darüber gefreut, dass sie es geworden ist. Auch weil damit eine These endgültig abgeräumt wurde, die ja so etwas von abseitig ist: Auf eine Frau kann keine Frau folgen, aber auf einen Mann natürlich ein Mann… Jetzt zeigt die CDU, dass eben doch eine Frau auf eine Frau folgen kann. Ich wünsche mir, dass sie erfolgreich ist.

Ganz leicht wird das nicht für sie, ohne politisches Amt im Rücken.

Kauder: Das ist eine Herausforderung. Andererseits kann sie sich auf die Parteiaufgabe konzentrieren und steht nicht im Wettbewerb mit Ministern und Fraktionsvorsitzenden. Sie und ihr neuer CSU-Kollege Markus Söder strahlen ja eine große Harmonie aus. Das halte ich auch für richtig. Renate Köcher vom demoskopischen Institut in Allensbach hat mir immer gesagt: „Wenn Sie untereinander streiten, sind Sie für die Menschen nicht überzeugend.“ Und das haben wir im letzten Jahr ausgiebig gemacht. Das Jahr 2018 war auch für mich persönlich das schwierigste politische Jahr, weil der Streit zwischen CDU und CSU mich als Fraktionsvorsitzenden besonders betroffen hat.

Volker Kauder war über viele Jahre einer der engsten Vertrauten von Kanzlerin Merkel. Er zog im Hintergrund die Strippen, hielt die Parteiflügel zusammen.
Bild: Kappeller, dpa (Archiv)

Was sagen Sie zum Vorstoß von SPD-Arbeitsminister Hubertus Heil für eine Grundrente, damit Rentner nicht am Hungertuch nagen müssen?

Kauder: Ich habe da eine ganze Reihe von Fragen und Vorbehalte. Es muss bei genau diesen Fragen gerecht zugehen. Die Rente eines Arbeitnehmers, der sich entschieden hat, ein Leben lang nur halbtags zu arbeiten, weil sein Partner viel verdient, soll aufgestockt werden? Das ist doch nicht in Ordnung. Da reicht schon ein Fall, bei dem eine Arztgattin die 441 Euro zusätzlich bekommt, und das Projekt ist im Eimer, um das mal so derb zu sagen.

Wie funktioniert das gemeinsame Regieren, wenn einem Partner das Wasser bis zum Hals steht?

Kauder: Das belastet eine Koalition, weil der Partner, der meint unterzugehen, natürlich versucht, die Stimmung zu drehen. Ob das reicht, weiß ich nicht. Die SPD hat auch die abschlagsfreie Rente mit 63 ins Leben gerufen. Ich kann aber nicht erkennen, dass sie das in den Meinungsumfragen nach vorne gebracht hat.

Glauben Sie, dass Andrea Nahles als Parteichefin durchhält?

Kauder: Das wünsche ich ihr. Ich kenne sie schon sehr lange und ich kann nur sagen: Es war immer eine faire und anständige Zusammenarbeit. Wir waren uns in vielen Fragen, was das christliche Menschenbild betrifft, einig.

Fragt die Kanzlerin Sie noch manchmal um Rat?

Kauder: Ich habe nach wie vor Kontakt zur Kanzlerin, wir sprechen auch, aber nicht mehr in der Intensität, in der es früher der Fall war. Das ist ja klar. Aber wir sind befreundet auf immer.

Zur Person: Volker Kauder, 69, war von 2005 bis 2018 Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion. Der Baden-Württemberger unterlag in einer Kampfabstimmung Ralph Brinkhaus.

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