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Syrien

07.04.2017

Von Zustimmung bis "Irrsinn": Erste Reaktionen auf US-Luftschlag

Mit einem US-Raketenangriff antwortet US-Präsident Donald Trump auf den mutmaßlichen Einsatz von Chemiewaffen im Syrien-Konflikt. Die ersten Reaktionen der Politik.
Bild: AFP PHOTO / US NAVY / Ford Williams

Von Zustimmung bis zu scharfer Kritik: Der US-Luftschlag in Syrien hat weltweit Reaktionen ausgelöst. Ein Überblick über die Stimmen von Russland bis zur Türkei.

Mit einem US-Raketenangriff auf einen syrischen Flugzeugstützpunkt antwortet US-Präsident Donald Trump auf den mutmaßlichen Einsatz von Chemiewaffen im Syrien-Konflikt. Die ersten Reaktionen der Politik - von Deutschland bis Türkei.

Der deutsche Außenminister Sigmar Gabriel pocht nach dem US-Angriff in Syrien auf eine politische Lösung in dem Bürgerkrieg. "So nachvollziehbar nach dem Versagen des Weltsicherheitsrats der Militäreinsatz der USA gegen die militärische Infrastruktur auch war, so entscheidend ist es jetzt, zu gemeinsamen Friedensbemühungen unter dem Dach der UN zu kommen", sagte Gabriel am Rande seiner Mali-Reise. "Europa und auch Deutschland stehen dafür bereit".

Der außenpolitische Sprecher der Linksfraktion, Jan van Aken, kritisierte den US-Angriff scharf. Van Aken sagte am Freitag dem SWR: "Was für ein Irrsinn!" Es bestehe jetzt "die große Gefahr, dass es weiter eskaliert." Er befürchte nun, "dass es sich hochschaukelt zwischen Russland und den USA".

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Die Führung in Damaskus hat den US-Angriff auf einen syrischen Luftwaffenstützpunkt als "dumm und unverantwortlich" verurteilt. Das Verhalten der Vereinigten Staaten offenbare nur deren "Kurzsichtigkeit und politische und militärische Blindheit für die Realität", erklärte das Büro von Machthaber Baschar al-Assad am Freitag. Im syrischen Staatsfernsehen war der Angriff des US-Militärs bereits als "Akt der Aggression" verurteilt worden.

Die britische Regierung hat den US-Luftangriff auf einen syrischen Luftwaffenstützpunkt dagegen begrüßt. "Die britische Regierung unterstützt die US-Aktion vollkommen. Sie war unserer Meinung nach eine angemessene Antwort auf die barbarische Attacke des syrischen Regimes mit chemischen Waffen. Sie zielt darauf ab, vor weiteren Angriffen (mit Chemiewaffen) abzuschrecken", hieß es in einer Mitteilung.

Der Kreml verurteilte den US-Raketenangriff vom Freitagmorgen scharf. Es handele sich um einen "Angriff gegen einen souveränen Staat". Dieser füge den Beziehungen zu Washington "beträchtlichen Schaden" zu. Die russische Regierung forderte laut dem Außenministerium eine Dringlichkeitssitzung des UN-Sicherheitsrat, um über die derzeitige Lage zu beraten. Der US-Angriff sei eine gravierende "Verletzung des internationalen Rechts".

Israel hat den US-Luftangriff in Syrien begrüßt. "In Worten und Taten hat US-Präsident (Donald) Trump eine starke und klare Botschaft ausgesandt, dass der Gebrauch chemischer Waffen nicht toleriert werden wird", hieß es am Freitag in einer Mitteilung des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu.

Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan hat den US-Vergeltungsschlag ebenfalls begrüßt. "Wir betrachten die Luftangriffe der Vereinigten Staaten gegen die Schairat-Luftwaffenbasis an diesem Morgen als eine positive Antwort auf die Kriegsverbrechen des Assad-Regimes", teilte Erdogans Sprecher Ibrahim Kalin am Freitag mit. "Die Zerstörung der Schairat-Luftwaffenbasis ist ein wichtiger Schritt, um sicherzustellen, dass chemische und konventionelle Angriffe gegen die Zivilbevölkerung nicht ungestraft bleiben."

China rief alle Seiten dazu auf, nach einer politischen Lösung für den Konflikt zu suchen. "Die Menschen in Syrien leiden sehr. Wir fordern alle Seiten dazu auf, ruhig zu bleiben und die Probleme durch Dialog und politische Maßnahmen zu lösen", sagte die Sprecherin des Außenministeriums in Peking, Hua Chunying, am Freitag. Friedensgespräche müssten vorangetrieben werden, um in der Region wieder Stabilität zu schaffen. (AZ)

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07.04.2017

Trump, falls er diesen Luftschlag angeordnet hat, befindet sich damit in der Tradition seiner Vorgänger. Es ist also nichts Trump-Spezifisches.

Die USA haben nach dem 2. Weltkrieg weit über 100 Militäroperationen und Kriege angezettelt, natürlich die meisten seit 1990.

Da konnte die ehemalige UdSSR und Rußland bei weitem NICHT mithalten.

Deutschland hat auch seine Lektion gelernt ohne Mandat Krieg zu führen: siehe Kosovo.

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07.04.2017

Dass Syrien für den Giftgas-Angriff zu verantworten hat ist nicht bewiesen. Die Verantwortlichen müssen ausfindig gemacht und vor dem Internationalen Strafgerichtshof angeklagt werden. Die USA hat die Welt schon einmal belogen, um den Angriffskrieg gegen den Irak zu begründen. Wer kann ihr uneingeschränkt glauben, wenn sie nun behauptet, dass das syrische Militär das Giftgas eingesetzt hat. Der Giftgas-Einsatz nützt nämlich der syrischen Regierung nicht, sondern den Rebellen und diese haben nachweislich auch schon Giftgas eingesetzt. Der Angriff der USA gegen die Schairat-Luftwaffenbasis verstößt gegen das Völkerrecht und eskaliert die Lage in Syrien. Bevor es zu einer direkten Konfrontation zwischen USA und Russland zu einem Weltkrieg kommt muss die Bundesregierung sofort und mit Nachdruck auf Verbündete wie Gegner einwirken und zur Deeskalation beitragen.

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