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Wahlen in Frankreich
22.11.2016

Francois Fillon: Wer ist der Politiker?

Francois Fillon steht für klassische konservative Werte etwa in der Familienpolitik.
Foto: Thomas Samson, dpa

François Fillon hat gute Chancen, nächster Präsident Frankreichs zu werden. Der Gelegenheits-Rennfahrer lässt alle konservativen Konkurrenten weit hinter sich.

Er selbst hat immer an sich geglaubt. All die Monate, in denen ihn die Meinungsforscher bei zehn Prozent sahen, ließ François Fillon nie einen Zweifel daran, dass er die zweite Runde der Vorwahlen seiner Partei erreichen werde. „Seit langem bahne ich mir beharrlich, ruhig und ernsthaft meinen Weg, mit einem präzisen und starken Programm“, erklärt der zurückhaltende Konservative seine Methode, mit der ihm nun ein Überraschungs-Coup gelang.

Ein ehrlicher, uneitler und aufrechter Politiker

Der 62-Jährige aus der ländlichen Region Sarthe im Westen Frankreichs ist weder ein feuriger Rhetoriker wie Ex-Präsident Nicolas Sarkozy noch vermag er in einer weit ausholenden Geste mehrere politische Strömungen zu vereinen wie Ex-Premier Alain Juppé. Und doch ließ er seine beiden Rivalen in der ersten Vorwahl-Runde weit hinter sich, weil er als ehrlicher, uneitler und aufrechter Politiker gilt, der die Menschen versichert.

Fillon, in Le Mans als Sohn eines Notars und einer Englischlehrerin geboren, trat bereits als junger Mann nach einem Jura-Diplom als regionaler Abgeordneter in die Politik ein, stieg schnell in seiner Partei auf, hatte mehrere Ministerposten inne, war der letzte Premierminister bei Sarkozy. Nach dem Sieg der Sozialisten 2012 wurde es ruhig um ihn. Nach fünf Regierungsjahren erschien Fillon abgenutzt, auch wenn er sich von Sarkozys durchwachsener Bilanz abheben wollte, indem er ihm vorwarf, wichtige Reformen verpasst zu haben.

Fillon spricht die klassischen Wähler der bürgerlich Rechten an

Beim Versuch, 2012 den Vorsitz der Partei zu übernehmen, ließ sich Fillon vom damaligen Sarkozy-Vertrauten Jean-François Copé übertölpeln, der sich trotz schwerer Betrugsvorwürfe kurzerhand selbst zum Sieger erklärte. Am Sonntag triumphierte er über Copé, der bei der Vorwahl mit nur 0,3 Prozent Letzter wurde.

Dazwischen liegen vier Jahre, in denen Fillon als einfacher Abgeordneter an einem Unterstützer-Netzwerk und seinem Programm feilte. Mit seiner wirtschaftsliberalen und zugleich wertkonservativen Ausrichtung spricht der praktizierende Katholik die klassischen Wähler der bürgerlichen Rechten an. Als politischer Erbe von Charles de Gaulle gibt er sich amerikaskeptisch und prorussisch, verspricht eine selbstbewusste Außenpolitik Frankreichs und gilt als moderat europafreundlich. Als Schwerpunkte setzt er aber den wirtschaftlichen Wiederaufbau des Landes sowie einen entschlossenen Kampf gegen den radikalen Islamismus. Auch die Gegner der von Präsident François Hollande eingeführten Homo-Ehe weiß Fillon hinter sich.

Seit 1980 ist er mit der Waliserin Penelope Clarke verheiratet. Sie haben fünf Kinder. Zu seinen Hobbys gehört neben Joggen und Skifahren der Motorsport – schließlich organisiert seine Heimatstadt Le Mans das 24-Stunden-Rennen. Seit Sonntag zeigen Archiv-Fernsehbilder Fillon, wie er in einen Rennwagen steigt und davondüst wie eine Rakete – an allen anderen vorbei.

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