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Bundespräsidentenwahl 2017

12.02.2017

Warum Alexander Hold bei der Bundespräsidentenwahl 2017 antritt

Ganz entspannt unterhielten sich die Kontrahenten um das höchste Amt, das die Bundesrepublik zu vergeben hat, bei der Vorstellung der Kandidaten im Bayerischen Landtag.
Bild: Ralf Lienert

„Fernsehrichter“ Alexander Hold tritt bei der Bundespräsidentenwahl 2017 gegen Frank-Walter Steinmeier an. Warum er das macht und wie die Menschen darauf reagieren.

„Warum macht er das eigentlich?“, flüsterte Frank-Walter Steinmeier im Bayerischen Landtag Journalisten zu. Eine Frage, die sich nicht nur der favorisierte Bundespräsidentenkandidat der SPD, der auch von der Union unterstützt wird, stellt. Adressiert wird diese Frage dieser Tage häufig an den deutschlandweit als Fernsehrichter bekannten Allgäuer Alexander Hold, der sich für die Freien Wähler am Sonntag bei der Abstimmung um das höchste Amt der Bundesrepublik bewirbt.

Warum zieht ein Mann ins Rennen, der keine Chance hat? Der vielleicht – wie der Bundesvorsitzende der Freien Wähler, Hubert Aiwanger, hofft – auf gerade mal 20 der 1260 Stimmen in der Bundesversammlung kommt? Der als Fernsehrichter zwar von einem Millionenpublikum auf dem Bildschirm verfolgt wird, aber als Bundespräsidentenkandidat in eine „Mission impossible“ gezogen ist? Alexander Hold reagiert verwundert. Aus einem Grund: „Demokratie lebt von der Alternative.“ Und als solche vertrete er die liberale bürgerliche Mitte – als Alternative eben zu Steinmeier, Christoph Butterwegge für die Linke und Albrecht Glaser für die AfD.

Bundespräsidentenwahl 2017: Alexander Hold meint Kandidatur ernst

Für Autogramme und Selfies mit Alexander Hold stehen die Menschen schon gerne mal Schlange. Seitdem der gebürtige Kemptener zusätzlich als Bundespräsidentenkandidat unterwegs ist, stößt er auf noch größeres Interesse. Aber nehmen ihn die Menschen in dieser Funktion auch ernst? Sprechen nicht viele – wie in CSU-Kreisen – von einem „reinen PR-Gag“?

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Hold kann es fast nicht mehr hören, reagiert unwillig. Schließlich könne man Bürgern, die sich auf den hinteren Plätzen einer Stadtratsliste aufstellen lassen, doch auch nicht ihr Engagement absprechen. Hold jedenfalls versichert, dass er es sehr ernst meine, eine Mission „im Namen des Volkes“ sozusagen. Er wolle Politik mit klarer Sprache verständlich machen, Zusammenhänge erklären.

Als Kommunalpolitiker – Hold sitzt seit 2008 für die Freien Wähler im Kemptener Stadtrat sowie im Bezirkstag – kenne er die Probleme der Menschen. Durch seine Lebenserfahrungen sitze er „nicht in einem intellektuellen Elfenbeinturm“: Er arbeitete unter anderem in einem Krankenhaus und in einer Schreinerei. Hold gilt, nicht nur bei den Freien Wählern, als ein „Mann des Volkes“. Der „Alex“, wie ihn seine Freunde nennen, sei nah dran am Bürger, heißt es.

Alexander Hold möchte Bundespräsident werden: Fehlt die echte Wahl?

Doch noch etwas anderes ist dem Kandidaten und den Freien Wählern wichtig: Der Bundespräsident solle in Zukunft vom Volk gewählt werden, fordern sie. Mehr direkte Demokratie wagen – dieses Credo zieht sich wie ein roter Faden durch Holds Auftritte. Viel Zustimmung habe er dafür bekommen, sagt er. Das gelte auch für ein zweites Anliegen: Er sieht sich als Kämpfer gegen viele Reglementierungen im Staat – ein Thema, das ihm als Stadtrat in der Kommunalpolitik häufig begegnet sei.

Die Reaktionen auf seiner Facebook-Seite nach der inoffiziellen Kür Steinmeiers zum Bundespräsidentenkandidaten sind für Hold ein Zeichen, dass er richtigliegt. Dort findet sich ein Video mit dem Titel „Gut, Frank-Walter Steinmeier wird also ohne Zweifel Bundespräsident. Nein, überhaupt nicht gut.“ Darin äußert der studierte Jurist und Politikwissenschaftler die Sorge, dass eine unter den etablierten Parteien ausgekungelte Bundespräsidentenwahl die Zahl der Menschen erhöhe, die sich weder verstanden noch vertreten fühlen. Ein Video, das eine Million Mal an einem Tag angeklickt wurde und Hold darin bestärkt, dass die „Demokratie rundum erneuert werden muss“, um das Vertrauen der Bürger wiederzugewinnen. So funktioniert die Wahl des Bundespräsidenten

Ein „PR-Gag“ für mehr Publicity ist seine Kandidatur deshalb nicht, betont er. Das brauche es auch gar nicht, fügt Hold mit Blick auf seine TV-Erfolge hinzu. Seit 2001 läuft die Sendung „Richter Alexander Hold“. Bis heute waren 2000 Folgen auf Sat1 zu sehen. Knapp zwei Millionen Zuschauer schauen an normalen Tagen zu, wenn er seine TV-Urteile verkündet. Auch zu Talkrunden und zum Frühstücksfernsehen wird Hold, der ja auch im wirklichen Leben als Richter tätig war, immer wieder eingeladen. So weiß auch Frank-Walter Steinmeier immerhin, „dass es Hold gibt“. Ob er ihn für den sympathischsten Kontrahenten halte? Der künftige Bundespräsident lacht. Für sympathisch nämlich halten Alexander Hold viele. Als Nachbar beim lockeren Plausch auf der Straße, als Familienvater mit seinen beiden Söhnen Matteo, 7, und Constantin, 10, oder als Lebenspartner von Pia Große-Vehne, einer Lehrerin aus Stuttgart, die nach Ansicht Holds eine „wunderbare First Lady“ wäre.

Eines ist Alexander Hold noch wichtig: Wenn er am Sonntag als Wahlmann für die Freien Wähler in der Bundesversammlung Platz nimmt, dann mache er das in dem Bewusstsein, „dass es eine Ehre ist“.

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