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Bundeskanzlerin Angela Merkel hat Impfung mit AstraZeneca erhalten
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Corona

24.02.2021

Warum die Corona-Impfkampagne nicht in Fahrt kommt

Die Impfungen in Deutschland gehen nur langsam voran.
Foto: Julian Leitenstorfer, dpa

Plus In den Ländern lagern offenbar noch Millionen Impfdosen – vor allem die von AstraZeneca. Bayern will jetzt den "Impfturbo" zünden.

Millionen von Menschen warten in Deutschland auf einen Impftermin – gleichzeitig allerdings sitzen die Länder offenbar noch auf Millionen von bislang nicht verwendeten Impfdosen. Nach Auskunft des Bundesgesundheitsministeriums werden die drei Hersteller Biontech, Moderna und AstraZeneca bis Ende dieser Woche knapp 9,9 Millionen Impfdosen nach Deutschland geliefert haben, tatsächlich verimpft wurden nach Angaben des Robert-Koch-Institutes bis Montagabend erst 5,2 Millionen Dosen.

"Das Tempo beim Impfen stimmt hinten und vorne nicht", kritisierte Andrew Ullmann, der Obmann der FDP im Gesundheitsausschuss des Bundestages, gegenüber unserer Redaktion. "Nach der Bestellung ist nun das Tempo der Verimpfung unzureichend." Unter anderem trauten die Bundesländer den Lieferzusagen von Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) nicht mehr und hielten daher absichtlich Impfdosen für die zweite Impfung zurück, sagte Ullmann, der selbst eine Professur für Infektiologie an der Universität in Würzburg hat.

Von AstraZeneca wurden erst 212.000 Dosen verimpft

Dazu komme das Misstrauen in der Bevölkerung gegen den Impfstoff des britisch-schwedischen Konzerns AstraZeneca, der durch Berichte über Nebenwirkungen und eine womöglich mangelnde Wirksamkeit gegen Mutanten ins Gerede gekommen ist: "Es ist enttäuschend, dass die Bundesregierung diesem Misstrauen freien Lauf lässt. Es wird nur beschwichtigt und das Problem schöngeredet." Nur eine groß angelegte Informationskampagne, so Ullmann weiter, könne jetzt noch Vertrauen in den Impfstoff und Akzeptanz für die Impfung schaffen.

 

Die aktuellen Zahlen des Gesundheitsministeriums und des Robert-Koch-Institutes bestätigen diesen Eindruck: Bis Freitag wird AstraZeneca in insgesamt drei Tranchen mehr als 2,5 Millionen Impfdosen nach Deutschland geliefert haben. Verbraucht wurden davon bis einschließlich Montag allerdings nur etwa 212.000. In Bayern sind es gut 34.000 von insgesamt fast 400.000 bereits ausgelieferten oder für diese Woche noch zugesagten Impfdosen. Bei allen diesen Impfungen handelt es sich um die erste Spritze. Eine zweite Impfung mit dem Vakzin von AstraZeneca hat nach den Zahlen des Robert-Koch-Institutes noch niemand in Deutschland erhalten.

Holetschek verspricht eine bayerische Impf-Offensive

Bis April will die Staatsregierung die Impfkapazität in Bayern jetzt mehr als verdoppeln und vor allem Lehrer und Erzieher mit dem Vakzin von AstraZeneca impfen. "Wir müssen jetzt gemeinsam in den Impfturbo schalten", betonte Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU). "Ich will, dass wir den sicheren und wirksamen Impfstoff von AstraZeneca so schnell wie möglich verimpfen." In den bayerischen Impfzentren konnten derzeit bis zu 46.000 Menschen pro Tag geimpft werden. Nun soll deren Kapazität auf 111.000 Spritzen pro Tag erhöht werden. Zum Vergleich: Bundesweit wurden in der vergangenen Woche ja nach Tag zwischen 66.000 und 147.000 Menschen geimpft.

Klaus Holetschek (rechts) bei seiner ersten Regierungserklärung als Gesundheitsminister von Bayern im Landtag.
Foto: Sven Hoppe, dpa

Im EU-Vergleich liegt Deutschland mit diesen Zahlen nur im hinteren Mittelfeld – nämlich auf Platz 16. Malta zum Beispiel hat umgerechnet auf 1000 Einwohner inzwischen 150 Vakzine verimpft – die Bundesrepublik kommt auf 62 Impfdosen. Vor allem das Chaos bei der Terminvergabe sei "einer High-tech-Nation absolut unwürdig", kritisierte der Präsident des Digitalverbandes Bitkom, Achim Berg. Nach einer repräsentativen Umfrage seines Verbandes musste nahezu jeder dritte Befragte, der versucht hat, einen Termin für eine Impfung zu vereinbaren, dafür 50 oder mehr Anläufe unternehmen.

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24.02.2021

Da kommt es ja gelegen dass Astrazeneca angekündigt hat weniger Impfstoff nach Europa zu liefern.

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24.02.2021

Ich wundere mich nur noch. Habe meine Mutter (81 Jahre) online am 18 Januar für die Impfung angemeldet. Bis heute hat sie noch keinen Bescheid bekommen. Warum allerdings, nachweislich aus unserm Bekanntenkreis, Menschen die sich nach meiner Mutter registriert haben bereits zwei Tage später eine Impfung bekommen, würde ich gerne beantwortet haben. Jetzt lese ich in diesem Artikel, es gibt genügend Impfstoff. Da läuft grundsätzlich etwas schief im durchorganisierten Bayern Land.

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24.02.2021

Warum werden nicht die Hausärzte mobilisiert? Warum? Gerade die Risikogruppe, chronisch erkrankte, Angehörige von Risikopatienten, die zu Hause gepflegt werden, etc. könnten so weit aus effektiver geimpft werden. Nicht jeder aus der Risikogruppe lebt in einem Heim.
Die Anmeldung online ist umständlich und für viele ungeübte eine Barriere. Auch telefonisch ist es ein Graus - wie mir mein an Asthma erkrankter Ü70-Vater erklärte. Der Hausarzt würde hier vieles vereinfachen. Aber wie bei vielen Themen in diesem Land: es wird dilettiert vorn vorn bis hinten.
Während andere schon fast im Ziel sind wird hier noch über die gender neutrale Bezeichnung für die zu impfende Person diskutiert. Die Spitze ist nun auch noch die Anspruchshaltung so mancher, welcher Impfstoff es denn sein darf. Ob diese heiklen Tröpfe im Falle einer nötigen Beatmung im Ernstfall auch noch diskutieren welche Beatmungsmaschine an ihren Luxuskörper darf?

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24.02.2021

Der Hausarzt könnte ja jemanden impfen der laut Impfreihenfolge nicht an der Reihe ist und das nur weil er es für nötig erachtet.

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