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Corona-Pandemie

17.12.2020

Was Bundeskanzlerin Merkel von den Impfstoff-Erfindern wissen will

Nach ihrer Hochzeit standen sie gleich wieder im Labor: Ugur Sahin und Özlem Türeci.
Bild: Stefan Sommer, Imago Images

Biontech-Gründer mit Kanzlerin Angela Merkel im Gespräch über Chancen, Risiken und Nebenwirkungen des Corona-Impfstoffs, auf dem weltweit die Hoffnung ruht.

Eines will die Bundeskanzlerin von den beiden Corona-Impfstoff-Erfindern dann doch noch wissen, eine Frage unter Wissenschaftlern. Angela Merkel, die promovierte Physikerin, hakt nach, ab wann Ugur Sahin und Özlem Türeci, die Gründer der Pharmafirma Biontech, denn eigentlich ihre Anstrengungen ganz auf den Kampf gegen Covid-19 gerichtet haben. "Das war am 24. Januar, am Frühstückstisch", erzählt Özlem Türeci. Ihr Ehemann Ugur Sahin habe bereits zu diesem frühen Zeitpunkt anhand der Berichte aus China erkannt, dass eine weltweite Pandemie drohe. Und dass ihre bisherigen Forschungen einen vielversprechende Ansatz für einen Impfstoff böten. "Ab diesem Tag haben wir keinen Tag geruht", sagt die Wissenschaftlerin.

Ugur Sahin ist Vorstandsvorsitzender des Biotechnologie-Unternehmens Biontech und seine Frau Özlem Türeci medizinische Geschäftsführerin.
Bild: Biontech

Einwandererkinder schreiben Erfolgsgeschichte

Özlem Türeci und Ugur Sahin sind Kinder türkischer Einwanderer. Sahins Vater arbeitete im Kölner Ford-Werk, Türecis Vater war Chrirurg. Beide studierten Medizin und spezialisierten sich auf Krebsforschung. Mit ihrer 2008 in Mainz gegründeten Firma Biontech war es ihnen gelungen, innerhalb weniger als eines Jahres einen Impfstoff gegen Corona zu entwickeln. Ein Erfolg, der beide zu Multi-Milliardären gemacht hat. Zusammen mit dem US-Pharmariesen Pfizer wurde das Impfpräparat in Rekordzeit getestet und zur Marktreife gebracht, in einigen Ländern wird bereits damit geimpft.

Ugur Sahin in seinem Mainzer Unternehmen.
Bild: Biontech, dpa

Im Gespräch mit Kanzlerin Merkel, Bundesgesundheitsminister Jens Spahn und Bundesforschungsministerin Anja Karliczek (alle CDU), wegen Corona per Videokonferenz, berichten die Forscher, dass dem schnellen Erfolg lange Anstrengungen vorausgegangen seien. "Wir haben bereits seit Jahrzehnten an Immuntherapien gegen Krebs und viele andere Krankheiten geforscht", sagt Ugur Sahin. Grundlage des Biontech-Erfolgs sind neue Erkenntnisse zur Funktionsweise des Botenmoleküls mRNA. Dem 55-Jährigen sind die Anstrengungen der vergangenen Monate anzusehen: Tiefe Augenringe, die Lippen geschwollen, die Haut fahl. Viele Nächte, alle Wochenenden hat er durchgearbeitet, wie alle in seiner Firma.

Jetzt stehe der Endspurt bevor: "Unsere Mitarbeiter werden über Weihnachten arbeiten, so dass es wirklich möglich ist, dass in jedem Land der Impfstoff ankommt." Und doch wirkt Sahin auch gelöst, wie er mit offenem Hemdkragen vor der Kameralinse sitzt, ein dünnes Lederband mit einem kleinen Glücksbringer-Amulett um den Hals. Denn er hat schon viel erreicht. Auch in Europa steht die Freigabe seines Impfstoffs durch die Arzneimittelbehörde unmittelbar bevor. Spätestens im nächsten Winter werde wieder ein "normales Leben" möglich sein - ohne Notwendigkeit für einen Shutdown.

Jens Spahn: Ab 27. Dezember wird geimpft

"Unser Ziel ist es, zuerst diejenigen zu schützen, die über 80-jährig sind und die in Alten- und Pflegeheimen leben oder arbeiten", sagt Jens Spahn.
Bild: Bernd von Jutrczenka, dpa

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn ist sicher: "Die Zulassung kommt bis zum 27. Dezember." An diesem Tag werde auch in Deutschland die Impfung beginnen. Der "Impfstoff made in Mainz" sei Anlass für Zuversicht auf der ganzen Welt. In Deutschland, so Spahn, würden zunächst die Menschen über 80 Jahre und diejenigen, die in Alten- und Pflegeheimen leben oder arbeiten, geimpft. Anschließend seien nach und nach die anderen Bevölkerungsgruppen dran. "Impfen ist der Weg aus dieser Krise", sagt Spahn. Die Immunisierung sei "ein Angebot" - eine Impfpflicht hatte Spahn mehrfach ausgeschlossen.

Karliczek appelliert an Impfbereitschaft der Bevölkerung

Bundesbildungsministerin Anja Karliczek.
Bild: Kay Nietfeld, dpa

Um die Pandemie zum Stillstand zu bringen, sagt Forschungsministerin Anja Karliczek, sei aber eine hohe Impfbereitschaft der Bevölkerung nötig. Die Gefahr sei erst vorüber, wenn 60 bis 70 Prozent der Menschen geimpft seien. Weil beim Biontech-Impfstoff trotz der schnellen Entwicklung keine Abstriche bei Test- und Zulassungsverfahren gemacht worden seien, verdiene er Vertrauen. Bereits 2008 habe die Bundesregierung das damalige Startup-Unternehmen Biontech erstmals finanziell unterstützt. Der Erfolg sei ein Beweis "dass langfristige Förderung sich lohnt".

Auf Nebenwirkungen getestet

Bundeskanzlerin Angela Merkel.
Bild: Bernd von Jutrczenka, dpa

Özlem Türeci (53) berichtet, dass bei den Studien zu Wirksamkeit und Verträglichkeit mit 44.000 Teilnehmern lediglich Nebenwirkungen aufgetreten seien, "die wir bei sonstigen Impfungen dieser Art erwarten". Sie fügt an: "Bei unserem Impfstoff treten sie in milder Form und vorübergehend auf." Auch die Impfung von inzwischen 140.000 Menschen in Großbritannien habe die Verträglichkeit wie in der Studie bestätigt. Angela Merkel, die Naturwissenschaftlerin, lächelt zufrieden über den Erfolg der Forscher. "Wir sind mächtig stolz", sagt sie.

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