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Corona
18.11.2021

Wie wird bei einer Triage entschieden, wer noch behandelt wird und wer nicht?

Die Betten auf zahlreichen Intensivstationen in Bayern sind belegt.
Foto: Bodo Schackow, dpa

Wer überlebt und wer nicht? Darüber sollten Mediziner nicht entscheiden müssen. Eine Triage könnte aber eintreten, wenn die Zahl der Intensivpatienten weiter steigt.

"Die Krankenhäuser sind voll", warnte vergangene Woche der bayerische Ministerpräsident Markus Söder. Daraus folgt: Es könnte ein Szenario eintreten, bei dem nicht mehr alle Patientinnen und Patienten behandelt werden können. Dann muss entschieden werden, wer noch ein Bett auf der Intensivstation bekommt und wer nicht. Stichwort: Triage. Aber wer entscheidet das? Und auf Grundlage welcher Kriterien? Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Was ist Triage? Bedeutung erklärt

Das Wort kommt aus dem Französischen. Übersetzt heißt es so viel wie "Auswahl". Im medizinischen Kontext bedeutet das: Ärztinnen und Ärzte können – oder vielmehr: müssen – entscheiden, wer weiter behandelt wird und wer nicht.

Warum braucht es überhaupt eine Triage?

Grundsätzlich gilt in Deutschland: Jeder Patient, jede Patientin ist gleich viel wert. Wer behandelt werden muss, wird in ein Krankenhaus aufgenommen. Doch kann in Ausnahmefällen wie Naturkatastrophen oder eben einer Pandemie der Fall eintreten, dass die Krankenhäuser die hohe Zahl an Kranken nicht mehr stemmen können. Und dann ist im Zweifel nicht mehr jede Patientin, jeder Patient gleich viel wert. Ärztinnen und Ärzte müssen abwägen, wer die besten Heilungschancen hat. Damit sollen so viele Menschen wie möglich gerettet werden.

Wann und nach welchen Kriterien entschieden wird, ist nicht im Gesetz festgelegt. Die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (Divi) hat deshalb einen Leitfaden zur Triage während der Corona-Pandemie erarbeitet. Sie soll den Ärztinnen und Ärzten die Entscheidung erleichtern und möglichst einheitliche, ethische Standards setzen. "Ein solches Vorgehen kann die beteiligten Teams entlasten und das Vertrauen der Bevölkerung in das Krisenmanagement in den Krankenhäusern stärken", schreiben die Intensivmediziner in dem Papier. "Die Priorisierungen erfolgen dabei ausdrücklich nicht in der Absicht, Menschen oder Menschenleben zu bewerten, sondern mit der Zielsetzung, mit den (begrenzten) Ressourcen möglichst vielen Patienten eine Teilhabe an der medizinischen Versorgung unter Krisenbedingungen zu ermöglichen."

Wann tritt die Triage in Deutschland ein?

Sollten nicht genügend Intensivbetten und Beatmungsgeräte zur Verfügung stehen, prüfen die Krankenhäuser zunächst, ob Patientinnen und Patienten auf andere Stationen verlegt werden können.

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Ist das nicht mehr möglich, werden die Kapazitäten in den umliegenden Kliniken erfragt und die Kranken mitunter dorthin transportiert. Erst wenn auch das nicht mehr möglich ist, kommt eine Triage laut Divi in Betracht.

Wer entscheidet darüber, wer behandelt wird und wer nicht?

Der Leitfaden der Divi sieht vor, dass mindestens zwei Ärztinnen oder Ärzte an der Entscheidung beteiligt sein müssen. Sie sollen bestenfalls einstimmig urteilen, so die Divi.

Video: SAT.1

Wie läuft die Entscheidung über eine Triage ab?

"Die Priorisierung von Patienten soll sich deshalb am Kriterium der klinischen Erfolgsaussicht orientieren", schreibt die Divi. "Dabei werden – wenn nicht anders vermeidbar – diejenigen Patienten nicht intensivmedizinisch behandelt, bei denen nur eine sehr geringe Aussicht besteht zu überleben." Dies schließt alle Intensivpatienten ein. Nicht nur jene, die an einer Corona-Infektion leiden.

Die Medizinerinnen und Mediziner nehmen dabei den Schweregrad der aktuellen Erkrankung in den Blick sowie mögliche Begleiterkrankungen. Eine weit fortgeschrittene Krebserkrankung oder schwere Leberschäden könnten dazu führen, niedriger priorisiert zu werden.

Wie ist die Lage in Augsburg, droht hier eine Triage?

"Wir sind jetzt an einem Punkt angekommen, wo wahrscheinlich triagiert werden muss – wo der Unfallpatient mit dem Corona-Patienten in Konkurrenz um ein Intensivbett treten muss", sagte kürzlich der Augsburger Landrat Sailer. Die Uniklinik bestätigte auf Nachfrage, dass man sich bereits auf ein solches Szenario vorbereite.

Kam es in Deutschland schon mal zur Triage?

Bisher nicht. Zumindest nicht seit Ende des Zweiten Weltkriegs. Während der Kriegsjahre war es tatsächlich üblich, dass schwer verletzte Soldaten nicht mehr behandelt wurden.

Wir wollen wissen, was Sie denken: Die Augsburger Allgemeine arbeitet daher mit dem Meinungsforschungsinstitut Civey zusammen. Was es mit den repräsentativen Umfragen auf sich hat und warum Sie sich registrieren sollten, lesen Sie hier.

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Die Diskussion ist geschlossen.

18.11.2021

Es ist jetzt einfach schlichtweg Zeit für endlich mehr Solidarität! Das kann so nicht weitergehen!
Bitte liebe Geimpfte, verzichtet in den nächsten Monaten auf Herzinfarkte, Schlaganfälle, schwere Verkehrsunfälle, Krebsbehandlungen und andere intensivpflichtige Operationen um die Intensiv- und Krankenhaus-Betten für unsere ungeimpften Mitmenschen freizuhalten! Kann doch nicht so schwer sein, das bisschen Solidarität, oder?

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17.11.2021

Hauptsache Diskos etc. sind offen!!! Ich will Spaß, ich will Spaß!!!

Ich brauch kein Krankenhausbett!!! Wer stirbt ist mir egal!!!

Ich verachte unsere Spaßgesellschaft für diese Selbstsucht!!!

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18.11.2021

Wobei die Intensiverstationen aber nicht durch die Impfdurchbrüche von Geimpften überlastet werden, die sich bei einer 2G-Tanzveranstaltung angesteckt haben, sondern durch die selbstsüchtigen Impfverweigerer, die jetzt erkennen müssen, dass das ganze wohl doch nicht so harmlos ist. Ob die Spaß haben, bei ihrem selbstüchtigen Verhalten weiß ich nich, aber dort liegt das eigentliche Problem und nicht bei vor allem jungen Menschen, die zwei Jahre lang mit Lockdown, Maskenplicht, Fernunterricht und schließlich Impfung ihren Teil bei der Bekämpfung der Pandemie geleistet haben und langsam mal ihr Leben wieder haben wollen. Und das wird durch die Impfverweigerer weiter verhindert.

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17.11.2021

Um Ärzte und Pflegepersonal nicht alleine zu lassen, erscheinen schnellstmöglich GESETZLICHE und für alle Verantwortlichen verbindliche Regelungen in Bezug auf eine heute doch durchaus mögliche bundesweite Triage dringend erforderlich. Angesichts des offenkundig schuldhaften und asozialen Verhaltens von Millionen "ungerechtfertigter Impfverweigerer", welche zukünftig in erster Linie die Notaufnahmen und Intensivstationen zu blockieren drohen, müsste vorgesehen werden, dass "unschuldig Schwerkranke" ihnen gegenüber stets vorrangig zu behandeln sind und "Impfmuffel" (ggf. zusammen mit Kranken, deren Zustand - wie bei Rauchern, schuldhaft Schwergewichtigen, Hobby-Extremsportlern usw. - ebenfalls schuldhaft herbeigeführt worden ist) dann hintanzustehen haben. Nach dem Motto "Wer nicht hören will, muss fühlen" ist eher hinzunehmen, dass sie gegebenenfalls früher und schneller sterben - und nicht "Normalkranken" die Betten wegnehmen!.

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17.11.2021

Ihre Aussagen werden für manche hart klingen. Doch ich stimme ihnen zu.

In unseren Krankenhäusern wird auch bei der Verteilung von knappen Organtransplantationen nach einem Punkteystem entschieden, wer dran kommt. Vermutlich werden Menschen, die keine Aussicht auf zukünftig gesundheitsbewußtes Leben vermuten lassen, in der Liste nach hinten rutschen und auch leer ausgehen.

Analog wird man, wenn die Intensivplätze knapp werden, auch bei Corona entscheiden. Dass wird vermutlich nicht so offen gesagt werden, doch jede/r kann sich dies ausmalen.

Raimund Kamm

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18.11.2021

Hier gewinnen also die Ungeimpften

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18.11.2021



Demnach müssten ungeimpfte zuerst behandelt werden.

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18.11.2021

>> Raimund Kamm: Vermutlich werden Menschen, die keine Aussicht auf zukünftig gesundheitsbewußtes Leben vermuten lassen, in der Liste nach hinten rutschen und auch leer ausgehen. <<

Herr Kamm bitte nutzen Sie Google. Für ein solches grün gefärbtes Belohnungs-/Bestrafungssystem gibt es keine Grundlage.

https://www.divi.de/aktuelle-meldungen-intensivmedizin/triage-bei-covid-19-wir-entscheiden-nicht-nach-alter-oder-behinderung-intensiv-und-notfallmediziner-aktualisieren-klinisch-ethische-entscheidungsempfehlungen

>> „Bei der klinischen Erfolgsaussicht geht es um die Wahrscheinlichkeit, dass der Patient die aktuelle Erkrankung mithilfe der Intensivtherapie überleben wird. Die längerfristige Überlebenswahrscheinlichkeit und Lebensqualität spielen dabei keine Rolle“, sagt Professor Georg Marckmann, Vorstand des Instituts für Ethik, Geschichte und Theorie der Medizin, Ludwig-Maximilians-Universität München <<

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