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Syrien-Krieg

10.09.2018

Weiter Angriffe auf Idlib: Bis zu 30.000 Menschen auf der Flucht

Nach dem Luftangriff: Aktivisten und Einwohner auf einem Marktplatz im Süden der Provinz Idlib.
Bild: Syrian Civil Defense White Helmets/AP/Archiv, dpa

In Genf wollen die UN einen Angriff auf Idlib verhindern, während über die Rebellenhochburg die Kampfjets fliegen. Seit Monatsbeginn sind 30.000 Menschen geflohen.

Nach Luftangriffen auf die syrische Rebellenprovinz Idlib sind den UN zufolge diesen Monat bereits bis zu 30.000 Menschen innerhalb der Region vertrieben worden. "Vorläufige Berichte" zeigten, dass viele Familien seit Anfang September aus der Region um die strategisch wichtige Stadt Dschisr al-Schughur im Süden der Provinz vertrieben wurden. 

Sie seien in weiter nördlich gelegene Teile der Region gezogen, sagte Linda Tom vom UN-Nothilfebüro Ocha der Deutschen Presse-Agentur. Auch aus dem Norden der angrenzenden Provinz Hama seien viele Menschen geflohen. In der Provinz leben etwa drei Millionen Zivilisten. Im Falle eines Großangriffs werden riesige Flüchtlingsströme in Richtung der angrenzenden Türkei befürchtet, die ihre Grenzen aber dicht gemacht hat. 

Syrische Armee und die russischen Verbündeten bombardieren Idlib

Idlib ist der letzte große Rückzugsort für Rebellen in Syrien. Die Regierung in Damaskus droht, die Provinz einzunehmen, nachdem zuletzt diplomatische Versuche für eine Entspannung gescheitert waren. Am Wochenende hatte die Luftwaffe von Präsident Baschar al-Assad zusammen mit Kampfjets der verbündeten Russen heftige Angriffe auf Idlib geflogen.

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Syrien und sein Verbündeter Russland wollen in Idlib nach eigenen Angaben "Terroristen" bekämpfen. In der Region ist die mit dem Terrornetzwerk Al-Kaida verbundene Miliz Haiat Tahrir al-Scham (HTS), die sich früher Al-Nusra-Front nannte, sehr stark.

Zivilisten und Zivilschutzarbeiter neben einem Gebäude in Hobeit bei Idlib, das durch einen Luftangriff der syrischen Regierung zerstört wurde.
Bild: Syrian Civil Defense White Helmets/AP, dpa

Derweil bombardierten die syrische Armee und ihr Verbündeter Russland am Montag weiter Ziele in der Rebellenhochburg Idlib. Mehr als ein Dutzend Angriffe hätten vor allem den südlichen Teil der Provinz getroffen, berichtete die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Montag. Den Rettungshelfern der Weißhelme zufolge zielte Artilleriefeuer außerdem auf Gebiete der Provinz im Nordwesten des Landes. Sechs Menschen seien verletzt worden, als Granaten neben einer Schule nahe des Ortes Dschardschanas einschlugen. 

Die Türkei will verhindern, dass noch mehr Menschen in ihr Land flüchten

In Genf empfing UN-Vermittler Staffan de Mistura am Montag Vertreter aus Russland, dem Iran und der Türkei zu Beratungen. Zunächst waren informelle Treffen mit den einzelnen Delegationen geplant, erst am Dienstag sollen dann formelle Gespräche folgen. Details wurden zunächst nicht bekannt.

Aus Rebellenkreisen verlautete unterdessen, dass es weiterhin Verhandlungen zwischen der HTS-Miliz und der Türkei gebe. Um eine Offensive auf Idlib zu verhindern, gilt es als mögliches Szenario, dass Ankara seinen Einfluss auf die Aufständischen dafür nutzt, diese zu einer Selbstauflösung zu bewegen. Den Quellen zufolge sind die Extremisten aber gespalten: Ein Teil der Miliz sei einem Deal gegenüber offen, der andere wolle bis zum Ende kämpfen. 

Ein HTS-Sprecher hielt sich auf Anfrage bedeckt, schloss eine mögliche Vereinbarung mit der Türkei aber auch nicht aus. Ankara will einen Angriff wegen der möglichen Flüchtlingsströme verhindern. (dpa)

Idlib ist die letzte große Rebellenhochburg in Syrien.
Bild: Ibaa News Agency/AP, dpa
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