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Porträt

20.11.2019

Welchen Wirbel der Verleger Holger Friedrich verursacht

Holger Friedrich ist neuer Besitzer des Berliner Verlags.
Foto: Britta Pedersen, dpa

Holger Friedrich will gemeinsam mit seiner Frau Silke den Berliner Medienmarkt umkrempeln. Doch dem Neu-Verleger bläst ein heftiger Wind entgegen.

Es kommt nicht alle Tage vor, dass sich ein deutsches Unternehmerpaar mal eben so eine Tageszeitung kauft. Ausgerechnet die kriselnde Berliner Zeitung haben Holger, 53, und Silke Friedrich, 47, vom DuMont-Verlag übernommen – um sie umzukrempeln und wohl auch ein wenig, um sich selbst ein unternehmerisches Denkmal zu setzen. Doch nicht nur das sorgt seit Wochen für Furore in der Medienszene. Seit bekannt wurde, dass Holger Friedrich inoffizieller Mitarbeiter der Stasi war, steht das Traditionsblatt unter Druck. Unter dem Decknamen „Peter Bernstein“ berichtete er während seines Wehrdienstes bei der Nationalen Volksarmee über Kameraden und belastete diese teilweise schwer. Friedrich bestreitet die Vorwürfe nicht, er relativiert sie allerdings. Er habe damals unter Druck gestanden, erklärte er in einer Stellungnahme, da er unter dem Verdacht der Republikflucht verhaftet worden war.

Marianne Birthler soll der Berliner Zeitung bei der Aufklärung helfen

Die Redaktion erklärte eilig, sie werde die Geschichte mit Hilfe der ehemaligen Chefin der Stasi-Unterlagenbehörde, Marianne Birthler, lückenlos aufklären – selbst in den Schlagzeilen zu stehen ist sogar für ein an Turbulenzen gewohntes Blatt wie die Berliner Zeitung wenig kommod. Berichte über Schleichwerbung für ein Biotech-Unternehmen, in dessen Aufsichtsrat Friedrich sitzt, ein Manifest zum Mauerfall, das Egon Krenz Dank ausspricht – wirklich rund läuft es für den Neu-Verleger nicht. Doch der 53-Jährige ist mit einem veritablen Selbstbewusstsein ausgestattet und lässt sich von Rückschlägen kaum beirren. „In der Tech-Szene fiel Friedrich, der mit seinem IT-Unternehmen Core SE vor allem für Banken arbeitet, immer wieder auch durch sein Talent auf, trotz Misserfolgs der von ihm betreuten Projekte viel Geld zu verdienen“, urteilte das Manager Magazin.

Silke Friedrich brachte den Berliner Technoclub E-Werk auf Touren

Der gelernte Werkzeugmacher mit dem langen Vollbart und der Glatze hat in seinem Berufsleben schon so manche Kurve genommen. Nach seinem Germanistik- und Informatik-Studium gründete er einen Tech-Konzern, den er schließlich an SAP verkaufte. Er arbeitete bei McKinsey, gründete eine Technologieberatung. Seine Frau – wie Holger Friedrich auch aus Ostdeutschland – ist Geschäftsführerin einer Privatschule, brachte vorher den Berliner Technoclub E-Werk auf Touren. Gemeinsam haben sie es mit ihrem unternehmerischem Ehrgeiz zu einem beachtlichen Vermögen gebracht – genug jedenfalls, um sich einen Verlag plus dazugehöriger Druckerei zu kaufen.

Frischen Wind wollten sie in die von Nervosität geprägte Verlagslandschaft bringen. Am Ende ist es aber ein Sturm, der über die Friedrichs hinwegzieht. Auf Twitter sind Witze über das Ehepaar der große Renner. „Silke und Holger“ werden sie dort nur genannt, wie die Hauptdarsteller einer Seifenoper. Einer schreibt dort: „Würde man nicht alle hypen, die aussehen als würden sie in Prenzlauer Berg Fahrräder aus Gurkengläsern und Bambus bauen, dann wäre man auch weniger enttäuscht.“

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