1. Startseite
  2. Politik
  3. Weltklimakonferenz: Der Klimaschutz wird mal wieder vertagt

Madrid

15.12.2019

Weltklimakonferenz: Der Klimaschutz wird mal wieder vertagt

Eine Weltkugel bei der UN-Klimakonferenz in Madrid: Umweltschützer sind mit dem Ergebnis des Weltklimagipfels nicht einverstanden.
Bild: Paul White, dpa

Noch nie wurden die Verhandlungen bei einer UN-Klimakonferenz so lange überzogen. Seit Sonntagvormittag gibt es eine Einigung - die heftig kritisiert wird.

Das Jahr der großen Klimaproteste endet mit einer bitteren Enttäuschung für Fridays for Future: Zwar einigten sich die knapp 200 Länder beim Klimagipfel in Spanien nach Marathonverhandlungen und einer Rekordverlängerung von mehr als 40 Stunden auf eine gemeinsame Abschlusserklärung – selbst das war lange unklar. Sie wurde aber am Sonntag von den übermüdeten Klimadiplomaten mit sehr spärlichem Applaus begrüßt. Andere Einigungen, die wichtig gewesen wären, wurden vertagt. Entsprechend groß ist der Frust.

Aber er war absehbar. Denn in Madrid sind zwei Welten aufeinandergeprallt: Die Welt der Klimaschutzbewegung, die zu rigorosem Handeln aufruft. Und die Welt der Staaten, die sich selbst nicht einig sind und um winzige Formulierungen ringen. Unter ihnen sind zudem Präsidenten wie der Amerikaner Donald Trump oder der Brasilianer Jair Bolsonaro, bei denen die Klimapolitik im unteren Teil der Agenda angesiedelt ist.

Weltklimakonferenz: Verhandler erzielen einen dünnen Kompromiss

Alden Meyer von der „Union of Concerned Scientists“– der Vereinigung besorgter Wissenschaftler – ist seit dem Start der Klimaverhandlungen 1991 dabei. Er sagt:„Ich habe noch nie so eine fast komplette Trennung gesehen zwischen dem, was Wissenschaft und die Menschen verlangen, und dem, was die Klimaverhandler an Sinnvollem liefern.“ Auch Umweltverbände und Entwicklungshelfer reagierten tief enttäuscht. Einige Staaten, allen voran Brasilien, Australien, Saudi-Arabien und die USA, hätten immer wieder Entscheidungen blockiert.

Weltklimakonferenz: Der Klimaschutz wird mal wieder vertagt

Entsprechend dünn war der Kompromiss, der erzielt wurde. Beim wichtigsten Punkt, dem Handel mit Klimaschutz-Gutschriften, erzielten die Teilnehmer gar keine Einigung. Die Idee: Wenn ein Land seine Ziele beim Einsparen klimaschädlicher Treibhausgase übererfüllt, soll es Gutschriften verkaufen können. Worauf sich das Plenum verständigte: Alle knapp 200 Staaten wurden an ihre Zusage erinnert, im nächsten Jahr ihre Klimaschutzziele für 2030 möglichst zu verschärfen. Hingewiesen wird dabei auf die „wachsende Dringlichkeit“ und die „bedeutende Lücke“, die bisher zwischen den Zusagen und dem eigentlich Notwendigen beim CO2-Sparen besteht. Dauerthema war außerdem die Finanzhilfe für ärmere Länder, die die Folgen des Klimawandels bereits deutlich spüren.

Künftig könnte es die Möglichkeit geben, dass diese Staaten auch Geld aus dem Green Climate Fund (GCF) bekommen. Dieser Geldtopf, in den auch Deutschland einzahlt, ist bisher grundsätzlich dafür da, Treibhausgas-Minderung und die Anpassung an den Klimawandel zu finanzieren, nicht aber Schadenersatz zu leisten.

Bundesumweltministerin Svenja Schulze enttäuscht

Bundesumweltministerin Svenja Schulze äußerte sich unzufrieden über die Ergebnisse der Weltklimakonferenz in Madrid. „Das waren harte Verhandlungen in Madrid. Leider werden die Ergebnisse den dringend nötigen Fortschritten beim Klimaschutz nicht gerecht“, erklärte sie. Schulze war wie viele Regierungsvertreter am Schlusstag der Klimakonferenz bereits abgereist. Sie warnte davor, dass die Bremser nicht den Takt vorgeben dürften. „Europa wird 2020 mit gutem Beispiel vorangehen. Wir Europäer sind die erste große Volkswirtschaft, die ihre Klimaschutzzusage im nächsten Jahr deutlich anheben wird.“ Der nächste UN-Klimagipfel findet im November 2020 in Glasgow statt.

Schon jetzt hat sich die Erde nach Befunden des Weltklimarats um rund ein Grad aufgeheizt. Die vergangenen vier Jahre waren die wärmsten seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Geht es weiter wie bisher, läge der Temperaturanstieg Ende des Jahrhunderts bei 3,4 bis 3,9 Grad. Angestrebt werden aber maximal 1,5 Grad. (dpa/huf)

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Klimagipfel: Die Quittung für dieses Nichtstun wird kommen 

Wir wollen wissen, was Sie denken: Die Augsburger Allgemeine arbeitet daher mit dem Meinungsforschungsinstitut Civey zusammen. Was es mit den repräsentativen Umfragen auf sich hat und warum Sie sich registrieren sollten, lesen Sie hier.

Themen folgen

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

15.12.2019

Madrid hat wieder einmal gezeigt: Es keinen globalen Konsens.

Sollte Europa als Konsequenz aus dieser Feststellung einen Alleingang anstreben?
Was spricht dafür und was dagegen?

Die fundierte Aufarbeitung solcher Fragen sollte in das Zentrum der wissenschaftlichen und journalistischen Betrachtung rücken.

Permalink
15.12.2019

>> Scharfe Kritik an der chilenischen Präsidentschaft äußerte Greenpeace-Chefin Jennifer Morgan: "Die Herangehensweise der COP-Präsidentschaft zeigt, dass sie stärker auf die Klimasünder gehört hat als auf die Menschen" <<

Es gibt also Menschen und Klimasünder - keine Grautöne dazwischen?

Man muss diesen Öko-Aktivisten nun entschlossen entgegen treten; diese Spaltung dürfen sich Demokraten nicht gefallen lassen.

Statt pragmatischen technisch und ökonomisch sinnvollen Lösungen werden seit Jahren unrealistische Minderungsziele und erfolgsarme Umverteilungsprojekte wie die deutsche "Energiewende" gepusht.

Statt einer Hybridpflicht für KFZ ab 2020 werden E-Autos gefördert, ohne vorher die Kohle aus der Stromversorgung europaweit! entfernt zu haben.

Statt alternative Angebote im Verkehr zu machen, werden nur Preise erhöht. Man muss sich das ja nur mal in der Region Augsburg ansehen. Da stellt ein naiver Landrat die Frage wie denn bei Minuszinsen die Finanzierung der Reaktivierung eine Bahnstrecke geschehen soll. Aber dessen Partei stimmt in Berlin fröhlich für die Erhöhung der Benzinpreise.

Die Windkraftindustrie ist inzwischen mit ihrer grenzenlosen Nähe zu Siedlungen fast so menschenfeindlich wie früher die Atomindustrie. Jeder der die ohnehin knappen 1.000 Meter Abstand zwischen Mensch und Rotor befürwortet ist ein Hassobjekt der Aktivisten. Wenn Deutschland so dicht besiedelt ist und immer noch dichter besiedelt werden soll, dann ist eben diese Energiequelle am Ende und es müssen individuell für Deutschland andere Lösungen gesucht werden. Und zwar erst suchen und umsetzen - die Bürger mitnehmen - statt dumme Gewaltaktionen gegen die Kohleindustrie.

Permalink
15.12.2019

(edit/mod)

Permalink
Das könnte Sie auch interessieren