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Weltklimarat
08.08.2019

Der Klimawandel macht unser Essen teurer

Auch der Getreidepreis steigt durch den Klimawandel.
Foto: Bernd Wüstneck, dpa (Symbol)

Taten statt Worte, auch bei der Landnutzung:Der Klimarat warnt vor einer Beeinträchtigung der Lebensmittelproduktion durch Dürren und Erosion.

Der Weltklimarat schlägt Alarm: Das Expertengremium warnt in einem Sonderbericht, dass die Erderwärmung immer mehr die Ernährungssicherheit der Weltbevölkerung gefährdet. Dürren, Hitzewellen, Sandstürme, heftige Niederschläge und die Erosion von Böden verschlechtern und zerstören landwirtschaftliche Nutzflächen – und lassen so die weltweiten Ernteerträge schrumpfen. „Die Stabilität des Nahrungsmittel-Angebots wird voraussichtlich sinken, da das Ausmaß und die Häufigkeit von Extremwetter-Ereignissen, die die Lebensmittelproduktion beeinträchtigen, steigen wird.“

Der indische Umweltwissenschaftler Priyadarshi Shukla, Co-Vorsitzender einer der Arbeitsgruppen des Expertengremiums der UN, sagte dieser Zeitung, dass sich die Verbraucher auf steigende Preise, eine sinkende Qualität und Störungen in den Lieferketten einstellen müssen. „Und gleichzeitig wächst die Weltbevölkerung weiter“, unterstrich Shukla. Hinzu kommt: Ein ganzes Drittel der produzierten Nahrung geht verloren oder wird weggeschmissen – so steht es in dem Bericht des Klimarates.

Schon jetzt breiten sich Wüsten aus

Der Druck auf die Lebensmittelversorgung wird besonders drastisch in armen Ländern in Afrika, Asien, der Karibik und Lateinamerika zu spüren sein, hielt der Rat fest. Den Angaben nach leben bereits 500 Millionen Menschen in Regionen, in denen sich Wüsten ausbreiten. Die Fachleute warnten vor einem Teufelskreis. Die Erderwärmung beeinträchtige die Anbaumöglichkeiten auf den landwirtschaftlichen Nutzflächen und lasse die Produktivität sinken. Dadurch würden auch die Fähigkeiten der Oberflächen und Gewächse eingeschränkt, das klimaschädliche Karbondioxid zu absorbieren. „Natürliche Bodenprozesse absorbieren nahezu ein Drittel der Emissionen von Karbondioxid“, unterstrich der britische Energieexperte Jim Skea, ein Co-Vorsitzender einer der Arbeitsgruppen.

Gleichzeitig verlangen die Fachleute eine radikale Wende in der Landwirtschaft. Denn der Agrarsektor, die Forstwirtschaft und andere Formen der Bodennutzung in ihrer bisherigen Form sind laut dem Bericht für den Ausstoß fast eines Viertels der klimaschädlichen Treibhausgase verantwortlich. Eine nachhaltige und an ökologischen Kriterien orientierte Anbauweise müsse zum Durchbruch kommen. Einen Aufruf, den Fleischkonsum aus umweltschädlicher Massentierhaltung einzuschränken oder gar einzustellen, wollte der Klimarat allerdings nicht machen. „Der Weltklimarat gibt keine Empfehlungen zur Ernährungsweise der Menschen“, unterstrich Skea.

Die Bundesregierung bremst sich beim Klimaschutz selbst

Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) setzt auf mehr Ökolandbau in Deutschland. Sie verhehlte nicht, dass sie keine zu hunderten und tausenden zusammengepferchten Schweine und Rinder mehr will, nur damit Fleisch möglichst billig ist. „Man sieht, dass das Wirtschaftssystem, das wir in der Landwirtschaft nutzen, an Grenzen kommt“, sagte Schulze. In die für eine Sozialdemokratin heikle Diskussion um höhere Steuern auf Fleisch will sie nicht einsteigen. „Damit alleine ist es nicht getan, die Aufgabenstellung ist deutlich komplexer“, sagte die Ministerin. Sie will erreichen, dass der Anteil ökologischer Landwirtschaft in den nächsten Jahren auf 20 Prozent gesteigert wird. Doch als Umweltministerin hat sie keinen direkten Zugriff auf den Bereich. Das ist der Beritt von Julia Klöckner von der CDU. Und so schließt die von Schulze gewünschte CO2-Steuer die Landwirtschaft ausdrücklich nicht mit ein. Sie wäre aber das effektivste Instrument, um Fleisch teurer zu machen. 

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