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Venezuela

23.01.2019

Wer ist Juan Guaido?

Juan Guaido, Parlamentspräsident in Venezuela, hat sich zum Staatschef des südamerikanischen Landes erklärt (Archiv).
Bild: Fernando Llano/AP (dpa)

Juan Guaido hat sich in Venezuela zum Staatschef erklärt - und damit Präsident Nicolas Maduro endgültig den Kampf angesagt. Wer ist dieser Mann?

Juan Guaido war schon seit einigen Wochen so etwas wie ein Gegen-Präsident in Venezuela. Zumindest hatte ihn das Ende 2015 bei den letzten wirklich freien Wahlen zusammengestellte Parlament dazu ernannt. Es war die vielleicht letzte verzweifelte Kampfansage an die regierenden Sozialisten. Deren Präsident Nicolas Maduro wurde kürzlich vereidigt. Allerdings versagten ihm zahlreiche lateinamerikanische Regierungen als auch das Europäische Parlament wegen der Wahlfarce von 2018 die Anerkennung.

Nun hat die oft zerstrittene Opposition zum Gegenschlag ausgeholt und einen Gegenpräsidenten ausgerufen - und der erklärte sich am Mittwoch zum Staatschef. Die Opposition beruft sich auf die Verfassung. Der Haken: Maduro ließ das Parlament im vergangenen Jahr entmachten in dem die Venezolaner die Opposition fast mit einer Zwei-Drittel-Mehrheit ausstatteten und ersetzte es durch eine linientreue verfassungsgebende Versammlung.

Bislang war Guaidó in Venezuela nur den politischen Interessierten bekannt, seit seiner Wahl zum Präsident der entmachteten aber immer noch tagenden Nationalversammlung erlebt Guaido einen Popularitätsschub.

Jene Venezolaner, die dem Maduro-Regime kritisch gegenüber stehen, haben sich nach einer Figur gesehnt, die es mit dem Autokraten an der Spitze aufnimmt. Guaidó hat offenbar den Mut dazu und bekam bereits die Konsequenzen zu spüren, als ihn der Inlandsgeheimdienst aus dem Auto heraus verhaftete und für ein paar Stunden festnahm.

Zuletzt wurde Guaidó auch international wahrgenommen, zumindest zwischen Mexiko und Feuerland schaffte es der neue Herausforderer auf die Titel der Online-Portale.

US-Präsident Trump stellt sich hinter Juan Guaido

Bislang prallten alle Versuche Maduro abzulösen ab, doch diesmal ist etwas anders. Der internationale Druck, die schweren Vorwürfe der venezolanischen Kirche, die dem Präsidenten fehlende ethische und politische Legitimität vorwirft, die Gerüchte der Washington Post, die berichtet, der mächtige Verteidigungsminister Padrino Lopez habe Maduro intern zum Rücktritt aufgefordert und nun auch noch ein Gegen-Präsident: All das hinterließ bei Maduro Spuren und der zeigte Nerven.

Erst brachte er die UNO als Vermittler eines Dialogs zwischen Regierung und Opposition ins Spiel, dann ließ er seinen Geheimdienst auf Guaido los. Bislang war ein Dialog in Venezuela aber immer schlecht für die Opposition ausgegangen: Hinter den Kulissen sorgte Maduro dafür, seine Machtbasis weiter auszubauen und die Kontrahenten zu schwächen.

Mit dem jungen Juan Guaido (35) kommt nun ein neuer Player ins Spiel. Alle anderen potentiellen Rivalen Maduros aus der Opposition sind kalt gestellt: Sie befinden sich in Haft, Hausarrest, im Exil oder sind mit einem Berufsverbot belegt.

Es bleibt abzuwarten ob Guaidó es ein paar politische Meter weiter schafft. Bislang waren alle Versuche der Opposition in den vergangenen 20 Jahren gescheitert, die Macht des Chavismus zu brechen. Bewaffnete Aufstände, friedliche Proteste, Wahlboykott, die Abwahl der Sozialisten aus dem Parlament - alles führte am Ende zum gleichen Ergebnis: Die Macht der Sozialisten wurde gefestigt, die Opposition weiter geschwächt.

Nun hat sich Juan Guaido  zum Staatschef Venezuelas ausgerufen  -und bekommt Rückendeckung aus den USA: Donald Trump hat ihn bereits als Übergangspräsidenten anerklannt, wie es am Mittwoch in einer Mitteilung des Weißen Hauses hieß.

Der 23. Januar, der Tag der Kampfansage Guaidos, hat eine besondere Bedeutung. An diesem Tag jährt sich der Sturz der Diktatur Marcos Pérez Jiménez aus dem Jahr 1958. Damals waren es auch Kräfte aus der Armee die den Despoten aus dem Amt jagten. Dann wird sich zeigen ob der Absolvent der Katholischen Universität Andres Bello und gelernte Industrie-Ingenieur an der Basis ernst genommen und als Führungsfigur akzeptiert wird. In den sozialen Netzwerken stellen sich bereits Tausende hinter den jungen Politiker. 

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