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Malta

19.10.2017

Wer zündete die Bombe am Auto der Journalistin Daphne Caruana?

Die Reste des Autos, in dem Caruana Galizia starb, nach der Explosion von einem halben Kilo Sprengstoff.
Bild: Rene Rossignaud, dpa

Die Journalistin Daphne Caruana hatte viele Feinde - ein halbes Kilo Sprengstoff riss sie in den Tod. Ein grausames Detail des Mord-Anschlags: Die Bombe wurde per Handy gezündet.

Daphne Caruana Galizia war eine Frau, die einen nicht gleichgültig lassen konnte. Viele haben sie verehrt, andere haben sie gehasst. Nun ist sie tot. Zerrissen von einer Autobombe. Mitten in Europa. Sie hat ihr Leben für ihren Beruf gegeben. Die Journalistin legte sich in Malta mit den Mächtigen an, sie kämpfte gegen Geldwäsche, Korruption und Steuerhinterziehung, sie erhob schwere Vorwürfe – auch wenn sie diese nicht immer belegen konnte. Mit ihrem Blog gab sie den Menschen auf der Ferieninsel Hoffnung, dass skrupellose Strippenzieher nicht einfach so davon kommen. Und sie machte sich viele Feinde.

Haben die Mörder zugesehen, wie Daphne Caruana stirbt?

Der Tod der 53-Jährigen, die im Zusammenhang mit den "Panama Papers" über dubiose Machenschaften von Briefkastenfirmen international bekannt wurde, stürzt Malta in eine tiefe Krise. Ist der Mord an Caruana Galizia der Beweis dafür, dass sie recht hatte? Dass die Anschuldigungen gegen Premierminister Joseph Muscat und andere Spitzenpolitiker stimmen? Alles scheint in dem kleinen EU-Staat plötzlich denkbar, seit der Sprengsatz am Mietwagen der Journalistin explodierte. Viele Malteser gehen in diesen Tagen auf die Straße, um ihre Trauer zu zeigen – und ihre Wut.

Caruana Galizia wusste, dass sie in Gefahr schwebte. Sie berichtete von Morddrohungen. Ob sie selbst Personenschutz verweigerte oder die Polizei ihren Hilferuf nicht ernst genug nahm, ist unklar. Als sie am Montag ins Auto steigt, um in die nahe gelegene Stadt zu fahren, ist ihr Schicksal besiegelt. Sie hat nur noch wenige Sekunden zu leben. Etwa ein halbes Kilo Plastiksprengstoff haben die Täter an dem kleinen Peugeot befestigt. Die Bombe wird nach ersten Erkenntnissen der Polizei per Handy gezündet. Sehen die Mörder zu, wie die Bloggerin stirbt?

Söhne der getöteten Journalistin fordern Rücktritt des Regierungschefs

Der Wagen steht lichterloh brennend auf einem Acker, als Matthew Caruana Galizia zum Tatort kommt. Er hörte die Explosion zu Hause und rannte los. Er versucht, die Autotüren aufzureißen. Helfen kann er seiner Mutter nicht mehr.

Wer hinter dem Mordanschlag steckt, ist ungeklärt. "Das ist eine tückische Attacke auf einen Bürger und auf die Meinungsfreiheit", schreibt Regierungschef Muscat auf Twitter. Für die Familie der Journalistin mag das wie Hohn klingen. Schließlich hatte der Politiker Caruana Galizia immer wieder der Lüge bezichtigt und sie als seine "größte Gegnerin" bezeichnet. Hintergrund: Bei ihren Recherchen zu den "Panama Papers" war die Bloggerin auch auf ein Unternehmen gestoßen, auf dessen Konto die Tochter des aserbaidschanischen Herrschers eine Million Euro überwiesen haben soll. Eingetragen war die Firma in Panama angeblich auf die Frau des maltesischen Premiers. Beweise hatte Caruana Galizia für die Geschichte nicht. Muscat bestreitet eine Verbindung zu dem dubiosen Unternehmen.

Nach dem Tod seiner Kritikerin will er eine "beispiellose Belohnung" aussetzen, um die Täter zu finden. Von bis zu einer Million Euro ist die Rede. Doch den drei Söhnen der Ermordeten geht es um mehr. Sie fordern den Rücktritt des Regierungschefs. Er habe ihre Mutter "finanziell kaputt gemacht und so brutal und wirksam entmenschlicht". Doch Muscat war nicht der Einzige, mit dem sich die Journalistin angelegt hatte. Zuletzt attackierte sie den Oppositionsführer wegen angeblicher Kontakte zu einem verurteilten Drogenhändler. Am Ende hatte sie gleich mehrere Verleumdungsklagen am Hals. Sogar ihre Konten wurden deshalb eingefroren. Überweisungen von zu Hause aus waren nicht mehr möglich. Nur deshalb war Daphne Caruana Galizia am Tag ihres Todes ins Auto gestiegen. Sie wollte in die Stadt, um eine Rechnung zu bezahlen. Sie bezahlte mit ihrem Leben.

Lesen Sie dazu auch: Getötete Journalistin auf Malta: Viele Fragen bleiben offen 

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20.10.2017

Einige kennen sicherlich die Redensart: Wer sich in Gefahr gibt kommt darin um.

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