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Shell-Jugendstudie

15.10.2019

Wie Jugendliche aus der Region in die Zukunft blicken

Laut der aktuellen Shell-Jugendstudie fürchten sich Jugendliche am meisten vor Umweltverschmutzung.
Bild: Jörg Carstensen, dpa

Plus Eine Studie nennt die Themen, die Jugendlichen und jungen Erwachsenen von heute wichtig sind. Wie sieht es bei 15- bis 25-Jährigen in der Region aus?

Was ist Jugendlichen wichtig? Was macht ihnen Angst? Welche Wünsche haben sie? Mit diesen Fragen beschäftigt sich die Shell-Jugendstudie, die am Dienstag in Berlin präsentiert wurde. Der Untertitel der Studie lautet: "Eine Generation meldet sich zu Wort". Befragt wurden Jugendliche und junge Erwachsene im Alter von 15 bis 25 Jahren. Wir haben uns bei jungen Menschen aus der Region umgehört, wie wichtig ihnen ehrenamtliches Engagement ist, was sie vom aktuellen Politikgeschehen halten und was sie sich für die Zukunft erhoffen.

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Stephan Albrecht: „Ich will Geschichte weitergeben“

Stephan Albrecht aus Denklingen
Bild: Thorsten Jordan

„Ehrenamtliches Engagement ist einer der wichtigsten Bestandteile einer Demokratie. Wer sich ehrenamtlich engagiert, kann zeigen, dass er gerne etwas gestaltet und entwickelt, ohne Geld dafür zu bekommen – aber so viel Anderes! Ich selbst bin Jugendleiter bei den Pfadfinderinnen und Pfadfindern des VCP Stamm Lechrain in Epfach/Denklingen. Meine erste Gruppe habe ich mit 14 Jahren geleitet. Einige der Kinder, die damals dabei waren, sind heute auch noch regelmäßig bei unseren Treffen und ich darf sehen, wie sie größer werden, selber Verantwortung übernehmen. Neben meinem Engagement in der Jugendarbeit ist mir auch die ehrenamtliche Gedenkarbeit sehr wichtig. Im Rahmen meiner Arbeit mit dem Verein „Gedenken in Kaufering e.V.“ und der „Bürgervereinigung Landsberg im 20. Jahrhundert e.V.“ haben wir die Möglichkeit, mit einigen Zeitzeugen Kontakt zu halten. Mir ist es wichtig, diese Menschen kennenzulernen und ihre Geschichten zu hören. Denn ich bin Teil der Generation, die diese Geschichten weitergeben muss – damit so etwas wie in Halle nicht wieder zum Alltag wird. Deshalb engagiere ich mich.“ Stephan Albrecht, 20, Denklingen, Kreis Landsberg

Merle Steiner: „Die Politiker müssen aufwachen“

„Ich weiß noch genau, dass es Anfang Februar war, als ich Fridays for Future beigetreten bin. Eine Klassenkameradin hat mir den Einladungslink zur Ortsgruppe in Ulm geschickt. Ich habe mich schon lange für Umweltschutz und eine ökologische Lebensweise interessiert. Weite Strecken fahre ich so gut wie nur mit dem Zug. In Ulm nehme ich den Bus oder gehe zu Fuß. Ich habe weder Auto noch Führerschein. Mit einer eigenen Nähmaschine stelle ich Klamotten zum Teil selbst her.

Merle Steiner aus Ulm
Bild: Andreas Brücken (Archiv)

Trotz meiner Überzeugungen hatte ich anfangs Angst vor den Auswirkungen meines Engagements. Unsere Bewegung beruht nun einmal darauf, den Unterricht zu bestreiken. Natürlich, politische Maßnahmen müssen im Gleichgewicht mit der Wirtschaft stehen. Aber das Klimapaket war sehr enttäuschend. Es ist verräterisch, konkrete Zahlen und verpflichtende Ziele komplett zu vermeiden. Der Kohleausstieg, mehr Windräder, mehr Solarplatten – das alles muss viel schneller gehen. Wir hoffen, dass die Politiker aufwachen. Es kann doch nicht sein, dass wir seit Monaten auf die Straße gehen und sie verstehen immer noch nicht, wie dringend sich etwas ändern muss.“ Merle Steiner, 18, Ulm

Christoph Breher: „Nur so funktioniert die Gesellschaft“

„Ich bin Veranstaltungskaufmann und als Projektleiter etwa eine Woche pro Monat beruflich unterwegs. Trotzdem engagiere ich mich im Vorstand des Jugendparlaments unserer Gemeinde Dietmannsried. Ich bin Vorsitzender der Wählervereinigung unseres Ortsteils Schrattenbach, bin Schriftführer der Jungen Union im Oberallgäu und Beisitzer der Landjugend in unserem Dorf. Eigentlich gibt es keine beruflichen Ausreden, wenn es ums Ehrenamt geht: Wenn man wirklich will, kriegt man es hin. Und ich finde es wichtig, nur so funktioniert unsere Gesellschaft.

Christoph Breher aus Schrattenbach
Bild: Christoph Breher

Wenn ich mir vorstelle, es würde sich keiner engagieren, keiner Veranstaltungen organisieren, niemand etwas anbieten – dann gäbe es praktisch kein soziales Leben mehr, außer, dass man sich ab und zu privat trifft. Da ich selbst gern zu Veranstaltungen gehe, will ich auch selbst einen Beitrag dazu leisten. Gerade auf dem Land finde ich, dass sich durchaus auch viele Jugendliche engagieren. Allerdings ist politisch noch Luft nach oben. Viele Junge haben gar keinen Plan von Institutionen oder kennen nicht einmal die wichtigsten Politiker. Ich finde, jeder sollte sich zumindest politisch interessieren.“ Christoph Breher, 23, Schrattenbach, Oberallgäu

Christos Georgiadis: „Meine Generation macht sich Sorgen“

Christos Georgiadis aus Mindelheim
Bild: Marcus Barnstorf (Archiv)

„Ich engagiere mich ehrenamtlich als Bezirksschülersprecher, weil es wichtig ist, dass jeder eine Stimme bekommt. Als Schüler ist es gut zu wissen, dass da jemand ist, der für die Interessen der anderen eintritt, der den Mund gegenüber den Lehrern aufmacht – eine solche Person hat mir selbst lange gefehlt. Klar, man muss für sein Engagement auch viel Zeit investieren. Aber alleine das Gefühl, etwas erreicht und anderen geholfen zu haben, ist großartig. Das pusht richtig und macht mich auch selbst glücklich. Gerade in der Schule gibt es sehr viele Möglichkeiten, sich einzubringen: Sei es als Aufsicht, Schülersprecher oder Streitschlichter. Wer sich engagiert, lernt unglaublich viel für andere Lebenssituationen – vielleicht sogar mehr als in mancher Unterrichtsstunde. Je früher sich die Jungen engagieren, desto besser – gerade jetzt, wo auf der Welt so viel Unruhe herrscht. Wir brauchen junge Menschen, die mitdenken. Wo genau sie sich engagieren, ist dabei zweitrangig, solange es einem guten Zweck dient. Grundsätzlich merkt man aber schon, dass sich meine Generation mehr Sorgen macht als zuvor. Sehr viele Junge denken darüber nach, was auf der Welt passiert.“ Christos Georgiadis, 16, Mindelheim, Unterallgäu

Lesen Sie auch den Kommentar: Wer macht endlich Politik für die Jungen?

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Lange wurde jungen Menschen in Deutschland vorgeworfen, zu unpolitisch zu sein. Laut einer Jugendstudie hat sich das geändert, allerdings sind bei den Befragten auch populistische Positionen weit verbreitet.
Video: dpa
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