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Gastbeitrag

18.08.2020

Wie Kamala Harris Angela Merkel und andere vom Frauenfeind befreit hat

Mit dem Frauenhass von US-Präsident Donald Trump hat Angela Merkel immer wieder zu kämpfen gehabt. Hier trafen sich die beiden am Rande des G20-Gipfels in Osaka.
Bild: Bernd von Jutrczenka, dpa (Archiv)

Donald Trump hat Probleme mit dem anderen Geschlecht. Warum Angela Merkel, Hillary Clinton und andere Frauen jetzt aufatmen können.

Es gibt fast keine Dimension der Politik, in der Donald Trump, der 45. Präsident der Vereinigten Staaten, zu konsequentem Handeln imstande ist. Die einzige Ausnahme ist wohl, dass sich der Politiker Trump anscheinend nur dann wie ein richtiger Mann fühlt, wenn er im politischen Geschäft aktive Frauen herabsetzt, die seine politische Meinung nicht teilen oder sich ihm sogar zu widersetzen wagen.

Im internationalen Bereich war bisher Angela Merkel die Hauptzielscheibe Trumps. Das ist aus einem sehr einfachen Grund so: Sie ist alles, was er nicht ist. Sie ist kompetent, geduldig, nicht marktschreierisch und bei anderen Regierungschefs beliebt.

US-Präsident Trump macht Frauen zur Zielscheibe seines Minderwertigkeitskomplexes

Während die deutsche Bundeskanzlerin jetzt endlich freier atmen kann, war sie längst nicht die einzige politische Entscheidungsträgerin auf internationaler Ebene, die Trump zur Zielscheibe seines Minderwertigkeitskomplexes machte. Auch Margrethe Vestager und Theresa May gehörten unter anderem dazu.

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Innerhalb der USA hat sich Donald Trump als ein noch viel zwanghafterer Frauenfeind erwiesen. So hat er eine ehemalige Beraterin im Weißen Haus auf Twitter als „verrückt“ und als „Hund“ bezeichnet. Vier Kongressfrauen, deren Familien einen Migrationshintergrund haben, lud er ein, in ihre „Heimatländer“ zurückzukehren. Vor allem aber waren Hillary Clinton, Nancy Pelosi und Elisabeth Warren Lieblingsziele Trumps.

Der Grund, warum Trump sich permanent negativ über Frauen auslassen muss, ist wohl, dass er so in sich die erforderliche Energie zum Kampf auf dem Schlachtfeld der Politik erzeugt. Und natürlich auch, um den Minderwertigkeitskomplexen von weißen Männern aller Altersgruppen und Bildungsstufen Nährstoff zu bieten. Sie sind aufgrund des gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Wandels unsicher geworden und Trump will sie fest als Wähler an sich anbinden.

Neues Hassobjekt: Kamala Harris steht nun im Zentrum von Donald Trumps Zorn

Aber dennoch können so gut wie alle Frauen – von Angela Merkel bis Hillary Clinton – jetzt aufatmen. Sie stehen jetzt nicht länger im Zentrum von Trumps Zorn. Er wird all seine Frauenfeindlichkeit fortan auf Kamala Harris konzentrieren, die kalifornische Senatorin, die Joe Biden als seinen Vizepräsidentschaftskandidaten benannt hat.

Von Harris wird Trump besonders deshalb angezogen sein, weil er sie als eine echte Herausforderung ansieht. Da Trump Bidens physische Schwäche – wenn nicht gar mangelnde Virilität – gerne thematisiert, besteht die Gefahr, dass er sich selbst lähmt. Denn gegenüber einem Gegner, den er selbst für schwach ansieht, mag er nicht genügend negative Energie entwickeln, um einen harten Wahlkampf zu betreiben.

Da ist es aus Sicht von Trump durchaus hilfreich, dass Frau Harris weitaus energiegeladener und mental schneller ist als Joe Biden. Die Senatorin und potenzielle Vizepräsidentin kann so als Medium zur Steigerung seiner eigenen Kampfesenergie dienen.

Warum Donald Trump seine Gegnerin Kamala Harris nicht unterschätzen sollte

Die Kernfrage ist dabei, ob Trump Kamala Harris wegen seiner permanenten Frauenfeindlichkeit letztlich nicht doch unterschätzt. So ist Harris nicht professoral und auch nicht allzu intellektuell veranlagt, wie Elisabeth Warren dies ist – ein Vorwurf, den Trump gegenüber der ehemaligen Favoritin im Vorwahlkampf der Demokraten durchaus publikumswirksam anbringen konnte.

Als ehemalige Staatsanwältin kann sich Harris aller Voraussicht nach selbst in der Hitze politischer Gefechte gut und rhetorisch geschickt behaupten. Obendrein ist Kamala Harris gut gerüstet, um ihrerseits in den Angriffsmodus überzugehen, sollten die Demokraten so Trump Paroli bieten wollen. Dies würde es Joe Biden ermöglichen, schon während des gesamten Wahlkampfs wie ein über den Wogen stehender Präsident zu agieren.

Unser Gastautor: Stephan-Götz Richter, 61, ist Direktor der Online-Denkfabrik Global Ideas Center und Herausgeber von The Globalist.com.

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