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Porträt

13.02.2018

Wie Paul Ziemiak zum Aufsteiger der Jungen Union wurde

Paul Ziemiak ist Chef der Jungen Union.
Bild: Karlheinz Schindler, dpa

Paul Ziemiak ist Bundestagsabgeordneter und gilt als einer der Hoffnungsträger der CDU. Dabei war der Weg des 32-Jährigen nicht vorherbestimmt.

Wer im Internet nach Paul Ziemiak sucht, der stößt schnell auf ein Zitat: „Wer die Scharia mehr achtet als deutsche Gesetze – da hilft kein Integrationskurs, da hilft Gefängnis“. Vielleicht war es eben dieser Satz seiner Bewerbungsrede, der den heute 32-Jährigen 2014 zum Vorsitzenden der Jungen Union machte.

Ziemiaks Parteikollegen klatschen danach jedenfalls euphorisch, 63 Prozent der Delegierten wählen „ihren Paul“ damals bei einer Kampfabstimmung zum Vorsitzenden der Jugendorganisation von CDU und CSU. Drei Jahre später zieht der JU-Chef in den Bundestag ein. Seine Geschichte ist die eines Aufsteigers.

Paul Ziemiak kam in Polen zur Welt

Als Paul Ziemiak 1985 im polnischen Stettin geboren wurde, hieß er noch Pawel. Über seine polnischen Wurzeln spricht der Konservative gern. Seine Eltern sind Spätaussiedler. 1988 wollten sie die Perspektivlosigkeit in ihrer damaligen Heimat nicht mehr ertragen. Mit drei Koffern und zwei Kindern ging es mit der Fähre von Stettin ins Schleswig-Holsteinische Travemünde, dann weiter in eine Flüchtlingsunterkunft in Nordrhein-Westfalen. Die Ziemiaks sind vier von etwa 140000 Polen, die in jenem Jahr nach Deutschland kamen.

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Seine Kindheit beschreibt der junge Politiker als „nicht einfach“. Als junger Mann verliert er seine an Krebs erkrankte Mutter. In Reden betont er, wie er sich hochgearbeitet hat vom Sohn zweier Spätaussiedler bis in den Bundestag. „Als ich in den Kindergarten kam, konnte ich kein Wort Deutsch“, sagt Ziemiak beim Parteitag der Jungen Union 2014. Seinen Eltern, seiner Kirchengemeinde und diesem Land sei er dankbar, es soweit gebracht zu haben.

1998, da ist Ziemiak 13 Jahre alt, tritt er der Jungen Union bei. Mit 15 wird er Vorsitzender des Jugendparlaments Iserlohn. Nach dem Abitur in einem liberal-konservativen Internat studiert Ziemiak Jura in Osnabrück und Münster, doch er scheitert am Staatsexamen. Später beginnt er ein Studium in Unternehmenskommunikation, das er nicht abgeschlossen hat. Ob er dafür neben seinem Amt als JU-Chef und Bundestagsabgeordneter des Wahlkreises Herne-Bochum II noch Zeit hat, ist fraglich.

Politisch steht der junge Konservative wohl näher bei Seehofer als bei Merkel. Er argumentiert gegen die doppelte Staatsbürgerschaft, gegen die Rente mit 63 und ist einer der ersten, der eine Obergrenze für Flüchtlinge forderte. Seit der Einigung von Union und SPD zur Großen Koalition ist Ziemiak scharfer Kritiker seiner Partei. Zu groß seien die Zugeständnisse gegenüber der SPD. Zu wenige Ministerien gäbe es für die Union. Und zudem nicht genügend junge Köpfe an der Unionsspitze. Dass Ziemiak in wenigen Jahren genau dort angekommen sein wird, wäre nicht überraschend. Knapp drei Jahre hat er dafür noch. Dann wird er 35 Jahre alt – zu alt für die Junge Union.

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13.02.2018

Von Politikern der Sorte Ziemiak/Spahn herrscht in deutschen Parlamenten kein Mangel. Lebensläufe, die sich gleichen nach dem einfachen Schema: "Kreißsaal - Hörsaal - Plenarsaal", vom wahren Leben keine Ahnung. Und das Studium nicht selten zur Karrierebeschleunigung abgebrochen.

Ein Volk, das sich von solchen Typen vertreten lässt, sollte sich über die Ahnungslosigkeit und Abgehobenheit der Politiker nicht wundern.

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