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Vatikan

05.04.2021

Wie der Papst unter dem einsamen Osterfest litt

Papst Franziskus wirkte oft müde, ja schwermütig an den Osterfeiertagen. Die Begegnung mit tausenden von Menschen schien ihm zu fehlen.
Foto: Andreas Solaro, dpa

Das zweite Jahr in Folge begeht der Papst das Osterfest unter Corona-Bedingungen. Die Leere nimmt Franziskus sichtbar mit.

Die Via delle Fornaci ist die Straße, in der früher die Ziegelbrenner in Rom ihr Werk taten. Sie führt vom Gianicolo-Hügel hinunter zum Petersdom. An Ostern laufen hier normalerweise Massen von Pilgern hinunter, um bei den Feierlichkeiten mit dem Papst dabei zu sein, am höchsten Fest des Christentums. Es ist sonnig an diesen Ostertagen, aber kaum eine Menschenseele ist unterwegs.

Ein Mofa knattert den Berg herunter in Richtung Vatikan, zwei leere Taxis stehen am Straßenrand. Vor der Bar „L’incontro“, der Bar der Begegnung, wo früher die Touristen Schlange standen, steht jetzt nur ein geknickter Mann in Schürze, mit verschränkten Armen und mit hängendem Kopf. „Keine Touristen, niemand da“, sagt der Besitzer der Bar. Eine Passantin mit ihrem Hund hält an und bestellt einen Café. Römische Depression in Zeiten der Corona-Pandemie.

Leergefegt: Italienische Carabinieri stellen ein Kreuz mit einem Olivenbaumzweig außerhalb des Petersplatzes auf. Landesweit gelten über Ostern strenge Reise- und Kontaktverbote.
Foto: Gregorio Borgia, AP/dpa

Es ist bereits das zweite Jahr, in dem Ostern in Rom, so wie es jahrzehntelang begangen wurde, ausfällt. Die Stadt pulsiert normalerweise in diesen Tagen, hunderte Busse karren die Gläubigen und Neugierigen an. Aber auch dieses Jahr ist das österliche Rom wegen Corona im Lockdown. Im Drei-Sterne-Hotel „Emmaus“ bewegt sich etwas, Osterpilger vielleicht? „Chiuso“, sagt der Mann am Tresen, das Hotel sei geschlossen. Die letzten Gäste? „Ein Geschäftsreisender. Vor zwei Wochen abgereist.“

Rom war über die Feiertage rote Pandemie-Zone

Rom war rote Zone über die Ostertage, es galten die strengsten Corona-Regeln in Italien. Auf dem Petersplatz ist auch am Ostermontag nichts los, wenige Passanten kreuzen den großen Platz. Eine unwirkliche Szene, zum größten Fest des Christentums. Es ist bekannt, dass Papst Franziskus, dessen Spezialität der Kontakt mit den Menschen ist, überhaupt nicht glücklich ist über die Beschränkungen.

 

Die Ostermesse am Sonntag feierte Franziskus mit ernstem Gesichtsausdruck und gerade einmal 200 ausgewählten Gläubigen im Petersdom. Der Papst sah müde aus, umgeben von Kardinälen mit Mund-Nasen-Schutz. „Die Pandemie ist immer noch in vollem Gange; die soziale und wirtschaftliche Krise ist sehr schwer, besonders für die Ärmsten“, sagt Franziskus voller Ernst. „Trotzdem, und das ist skandalös, nehmen die bewaffneten Konflikte kein Ende und werden die militärischen Arsenale verstärkt.“ Erst am Ende des Ostersegens am Montag aus der Apostolischen Bibliothek huscht ein Lächeln über das Gesicht des Papstes, als er zur Mittagszeit gesegnete Ostern und „Guten Appetit“ wünscht.

Der Papst versuchte, der menschenleere Routine zu entkommen

Wo er konnte, versuchte Franziskus der menschenleeren Routine zu entkommen. Am Gründonnerstag stand eigentlich die für diesen Papst so bedeutsame Fußwaschung der Jünger Christi an, die Franziskus in einen symbolischen Dienst an den Letzten der Gesellschaft umgewandelt hat, früher wusch er etwa Gefangenen und Migranten die Füße. Das ist wegen Corona nicht erlaubt, also begab sich der Papst zu dem von ihm vor sechs Monaten wegen Unterschlagung und Amtsmissbrauch entlassenen Kardinal Angelo Becciu und feierte bei diesem zu Hause eine Messe. Eine Geste der Barmherzigkeit?

Papst Franziskus besucht am Karfreitag Bedürftige und Gesundheitspersonal im Corona-Impfzentrum des Vatikans. .
Foto: Salastampa, dpa

Am Karfreitag besuchte Franziskus das vatikanische Impfzentrum, wo an jenem Tag Obdachlose das Vakzin bekamen. Auch der Papst und sein Vorgänger Benedikt XVI. sind bereits gegen Corona geimpft. Am Nachmittag folgte die Karfreitagsliturgie im Petersdom, in Erinnerung an den Kreuzestod Jesu. In früheren Jahren folgte eine Kreuzwegszeremonie mit tausenden Menschen am Kolosseum. Wie 2020 fand die Feier auf dem Vorplatz des Petersdoms statt, mit nur wenigen Augenzeugen. Auch die Momente der Hoffnung wirken an diesem Osterfest lebloser. „Es ist immer möglich, neu anzufangen“, sagte Franziskus am Karsamstag. Mit Gottes Hilfe könne „aus dem Scherbenhaufen unserer Menschheitsgeschichte“ ein Kunstwerk geschaffen werden. Was die Pandemie angeht, warten Rom und die Welt allerdings noch auf diese Verwandlung.

 

Zurück in der Via delle Fornaci fallen die verstaubten Rosenkränze mit Papst-Konterfei im Souvenirshop ins Auge. Wer die denn noch kauft, fragt man die chinesischen Ladenbetreiber. „Niemand!“, antworten sie. Nebenan liegt das Restaurant „La Vittoria“, früher Treffpunkt des deutschen Klerus in Rom. Neben der Türe ist ein Zettel angebracht, der für ein Ostermenü zum Mitnehmen wirbt. Antipasto, Lasagne mit Artischocken, Lammbraten mit Bratkartoffeln und ein Dolce. Ein kleiner Ostertrost für 25 Euro.

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06.04.2021

Dem Papst kann man die Pandemie und ihre Folgen wirklich am Gesicht ablesen. Im Gegensatz zu unseren Ein- und Wegsperreren. Die sind bester Laune.

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