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Wie der Sommer der Energiewende Grenzen aufzeigte

Kommentar Von Martin Ferber
30.09.2018

Die Photovoltaikanlagen liefen im Sommer auf Hochtouren, doch in den Windparks herrschte Flaute. Ausgerechnet Braunkohle sicherte die Stromversorgung.

Was war das für ein Sommer! Monatelang schien die Sonne flächendeckend von einem oft wolkenlosen Himmel, von April bis September herrschten in Deutschland geradezu mediterrane Verhältnisse, im Juli wurde fast die 40-Grad-Marke geknackt. Eigentlich ideal für die Stromproduktion aus erneuerbaren Energien.

Doch mit Beginn des Herbstes fällt die Bilanz eher durchwachsen aus. Das Überangebot an Sonne führte nicht zu einem Überangebot an Ökostrom. Zwar produzierten die im gesamten Land installierten Photovoltaikanlagen alleine im Juli über sechs Milliarden Kilowattstunden Strom – ein neuer Rekord und genug, um die Hansestadt Hamburg ein Jahr lang komplett zu versorgen. Doch gleichzeitig regte sich wegen der Hitzewelle wochenlang kaum ein Lüftchen. Die rund 30000 Windkrafträder an Land sowie in Nord- und Ostsee standen entweder komplett still oder drehten sich lediglich ein wenig. Statt 58000 Megawatt pro Tag, wie rein rechnerisch möglich, gingen an manchen Tagen nur 1300 Megawatt ins Netz.

Der Ausbau der Stromnetze hinkt hinterher

Die Flaute in den Windparks hatte einen ungewöhnlichen, geradezu paradoxen Effekt zur Folge. Den Mangel mussten ausgerechnet die größten Dreckschleudern, die alten Braunkohlemeiler, ausgleichen. Sie allein garantierten eine stabile Stromversorgung. Denn während Steinkohle- und Atomkraftwerke wegen der höheren Wassertemperaturen ihre Leistung drosseln mussten, konnten die Braunkohlekraftwerke, die mit dem Grubenwasser der Tagebaue gekühlt werden, ihre volle Leistung erbringen.

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So legte der Supersommer die Grenzen der Energiewende in aller Deutlichkeit offen. Einerseits liegt der Anteil der erneuerbaren Energien mittlerweile bei 36 Prozent und wächst weiter. Andererseits zeigt sich gerade bei extremen Wetterlagen die Anfälligkeit der Stromproduktion aus Sonne und Wind. Mal gibt es zu viel Sonne, mal zu wenig, mal zu viel Wind, mal zu wenig. Die Sicherstellung der Grundlast stellt mehr denn je eine gewaltige Herausforderung für die Betreiber der Stromnetze dar. Eingriffe sind beinahe täglich nötig. Zudem kommt der dringend notwendige Netzausbau nicht voran.

Energiewende kostet Milliarden und bringt nicht genug fürs Klima

Nicht zuletzt laufen die Kosten der Energiewende aus dem Ruder. Kein Lobbyist der Stein- oder Braunkohle, sondern der neutrale Präsident des Bundesrechnungshofes, Kay Scheller, übt in einem gerade veröffentlichten Prüfbericht massive Kritik an der Politik. Die Energiewende drohe zu scheitern, der enorme Aufwand und die starke Belastung der Bürger wie der Wirtschaft stünden in „krassem Missverhältnis zum bisher dürftigen Ertrag der Energiewende“, schreibt er. Allein seit 2013 seien Kosten von mehr als 150 Milliarden Euro aufgelaufen, trotzdem werde Deutschland fast alle Ziele der Energiewende bis 2020 verfehlen. Es fehlt an Koordination und an Effizienz, Bund und Länder wursteln unverändert nebeneinander her, der Dschungel an bürokratischen Regelungen wird immer dichter, einmal beschlossene Förderprogramme werden nicht auf ihre Wirkung hin überprüft, sondern laufen unbegrenzt weiter.

Von der gerne global agierenden Klimakanzlerin Angela Merkel hat man schon lange nichts mehr gehört, das Thema steht auf der Agenda der Bundesregierung weit unten. Das ist nicht nur schlecht fürs Klima, sondern auch für die Steuerzahler: Da ausgerechnet der einstige Musterknabe Deutschland die Klimavorgaben der EU um knapp drei Prozent verfehlt, muss die Bundesregierung für knapp zwei Milliarden Euro CO2-Zertifikate zukaufen. Das aber ist nicht der Sinn der Energiewende, wenn sie nur Milliarden verschlingt, aber fürs Klima nichts bringt.

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