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16.09.2017

Wir suchten im Archiv nach "Merkel" und "Schulz" und fanden...

Bundeskanzler Helmut Kohl und Frauenministerin Angela Merkel während des Parteitags der CDU am 16. Dezember 1991 im Kulturpalast in Dresden.
Bild: dpa (Archivfoto)

Ausgerechnet Berlusconi! Der damalige italienische Ministerpräsident sorgte für die ersten Schlagzeilen über Martin Schulz. Und welche frühen Spuren gibt es von Angela Merkel?

Am 17. Januar 1991 schaut die Welt auf den Nahen Osten. Die USA fliegen Luftangriffe auf den Irak und Kuwait, Bomber nehmen Radareinrichtungen, Chemiefabriken und Raketenstandorte ins Visier. Es ist Tag eins der "Operation Wüstensturm" gegen die Truppen von Sadam Hussein und der Beginn des zweiten Golfkriegs.

In diesen politisch unruhigen Zeiten gibt es aber auch Konstanten: Am selben Tag wählt der Deutsche Bundestag Helmut Kohl zum vierten Mal in Folge zum Bundeskanzler und zum ersten gesamtdeutschen Kanzler. Es ist auch die Geburtsstunde von Angela Merkel in der ganz großen Politik. Sie gehört von nun an als jüngstes Mitglied der Regierung Kohl an.

Der 17. Januar 1991 ist auch der erste Tag, an dem die spätere Bundeskanzlerin Merkel in den Archiven unserer Zeitung auftaucht (hier finden Sie die originale Zeitungsseite).

Wir suchten im Archiv nach "Merkel" und "Schulz" und fanden...

Die damals 36-jährige neue Frauen- und Jugendministerin wird dort gemeinsam mit sechs weiteren Kollegen in einem kurzen Porträt vorgestellt. "Frau Merkel hatte bereits in den letzten Monaten der DDR eigenes Profil gewonnen", heißt es dort. Vor ihrem Ministerposten arbeitete sie als stellvertretende Sprecherin der letzten DDR-Regierung, außerdem beteiligte sie sich an den Verhandlungen zu den Einigungsverträgen. Das Porträt schließt mit den Worten: "Frau Merkel, die sich als Wert-Konservative beschreibt, ist verheiratet."

Jetzt, im Herbst 2017, will Angela Merkel für eine vierte Amtszeit als Bundeskanzlerin werben. Die Umfragewerte vor der Wahl sprechen klar für die amtierende Kanzlerin, doch einer will alles an einen Machtwechsel setzen: Martin Schulz.

Auch nach seinem Namen haben wir unser Archiv durchforstet. Die erste Berichterstattung unserer Zeitung über Martin Schulz stammt vom 4. Juli 2003 (hier geht's zur Zeitungsseite von damals). Schulz, damals SPD-Europaabgeordneter in Brüssel, wird durch eine Nachricht schlagartig bekannt: Der damalige italienische Ministerpräsident Silvio Berlusconi zieht einen Nazi-Vergleich auf Kosten des heutigen Kanzlerkandidaten.

Die Geschichte beginnt damit, dass Schulz den Italienern im Europäischen Parlament Reformbedarf vorwirft. Konkret geht es um einen europäischen Haftbefehl, der die Strafverfolgung grenzüberschreitend erleichtern soll. Schulz richtet das Wort an Berlusconi: "Da hätten Sie übrigens in Ihrem eigenen Land ein bisschen Reformbedarf, was die Dokumentenechtheit angeht. Wenn Sie im eigenen Land eine Reform durchführen, könnte nämlich der europäische Haftbefehl viel schneller in Kraft treten." Ein halbes Jahr später galt das Verfahren dann innerhalb der EU-Länder.

Berlusconi aber passen die Vorwürfe gar nicht. Er entgegnet: "Herr Schulz, ich weiß, dass ein Produzent in Italien gerade einen Film über die Konzentrationslager der Nazis dreht. Ich werde Sie für die Rolle des Kapo vorschlagen. Sie wären perfekt." Als Kapo (ital. Kopf/Anführer) wurde in NS-Konzentrationslagern ein Häftling bezeichnet, der über seine Leidgenossen wacht und so zum Mittäter macht.

Die Äußerung schlägt hohe Wellen - auch in unserer Zeitung. Es sind diese Schlagzeilen, mit denen der damals 47-jährige Schulz ganz plötzlich einem breiten Publikum bekannt wird. axhe

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