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UNHCR-Statistik

19.06.2018

Woher die meisten Flüchtlinge kommen – und wohin sie fliehen

Die Flüchtlingskrise betrifft nach Angaben des UNHCR vor allem ärmere Länder.
Bild: Km Asad/Zuma Wire, dpa

Zuletzt gab es 68,5 Millionen Vertriebene weltweit. Das ist trauriger Rekord. Wie stark ist Europa von dem Zuzug Schutzsuchender betroffen?

Es ist wieder einmal trauriger Rekord. Nie sind in der Welt durch Krisen und Konflikte so viele Menschen auf der Flucht gewesen wie 2017. Insgesamt waren es Ende des Jahres 68,5 Millionen, 4,6 Prozent mehr als Ende 2016, wie das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR am Dienstag berichtete. Es ist der fünfte Höchstwert in Folge. 

Neu oder zum wiederholten Mal vertrieben wurden allein im Laufe des vergangenen Jahres statistisch gesehen pro Tag fast 44.500 Menschen. Insgesamt waren es 16,2 Millionen. Andere sind seit Jahren vor Kriegen, Konflikten, Gewalt und Verfolgung auf der Flucht. Drei von fünf Betroffenen hätten im eigenen Land Zuflucht gefunden, so das UNHCR. 

UNHCR: Flüchtlingskrise betrifft vor allem ärmere Länder

Flüchtlinge sind für das UNHCR alle Menschen, die aus ihrem Land geflohen sind. Es betreute im vergangenen Jahr 19,9 Millionen Flüchtlinge. Um mehr als fünf Millionen palästinensische Flüchtlinge kümmert sich eine eigene UN-Organisation (UNRWA). Die Zahl der Flüchtlinge wächst nicht nur durch neue Konflikte und Vertreibungen, sondern auch durch Geburten.   

Syrische Migranten springen aus dem Schlauchboot um in Richtung der griechischen Insel Kos zu schwimmen. Noch nie sind auf der Welt so viele Menschen auf der Flucht gewesen, wie derzeit.
Bild: Yannis Kolesidis/ANA-MPA, dpa (Archiv)

Die größte Bürde tragen ärmere Länder, wie UNHCR-Chef Filippo Grandi betont: "Manche Leute glauben, die Flüchtlingskrise sei eine Krise in den reichen Ländern. Das ist nicht der Fall." 85 Prozent der Flüchtlinge lebten in teils bitterarmen Ländern oder solchen mit niedrigen oder mittleren Einkommen. Er appellierte an die humanitäre Verantwortung reicher Staaten. "Niemand wird freiwillig zum Flüchtling. Aber wir anderen können helfen." 

In keinem Konfliktgebiet sei eine Lösung in Sicht, kritisierte Grandi. Fast 70 Prozent der Flüchtlinge stammen nach Angaben des UNHCR aus fünf Ländern. "Wenn es Lösungen für diese Länder gäbe, könnten die Zahlen deutlich sinken", sagte er. Es handelt sich um Syrien, Afghanistan, den Südsudan, Myanmar und Somalia. 

Unter den Flüchtlingen seien mehr als die Hälfte - 52 Prozent - minderjährig, oft handelt es sich um Kinder, die von ihren Familien getrennt wurden. Die USA waren nach Angaben von Grandi mit einem Beitrag von 1,3 Milliarden Dollar im vergangenen Jahr der größte Geber des UNHCR. Allerdings hätten sie die Zahl der Plätze für die Umsiedlung von Flüchtlingen von 110.000 auf 45.000 reduziert.

In der Türkei leben 3,5 Millionen Flüchtlinge

Grandi legt große Hoffnungen in eine neue weltweite Vereinbarung über den Umgang mit Flüchtlingen und Vertriebenen, die im Herbst bei den Vereinten Nationen in New York verabschiedet werden soll. Dabei geht es unter anderem um mehr Geld für die Bekämpfung der Fluchtursachen.

Kein Land beherbergte 2017 so viele Flüchtlinge wie die Türkei: 3,5 Millionen, überwiegend aus Syrien. In Deutschland hielten sich nach diesen Zahlen im vergangenen Jahr 970.400 Flüchtlinge auf. Deutschland stand damit hinter der Türkei, Pakistan, Uganda, dem Libanon und dem Iran an sechster Stelle der Zufluchtsländer. Gemessen an der Bevölkerung nahm der Libanon am meisten Flüchtlinge auf, gefolgt von Jordanien und der Türkei. 

Fünf Millionen Vertriebene seien im vergangenen Jahr in ihre Heimatorte zurückgekehrt. Eine permanente neue Heimat fanden nur 100.000 Menschen, 40 Prozent weniger als im Jahr davor. Es seien nicht genügend Plätze angeboten worden, so das UNHCR. (dpa/AZ)

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28.06.2018

Der größte Teil der 68,5 Millionen Menschen, die weltweit flüchten, kommen aus Kriegs- und Krisengebieten. Die Nato-Staaten haben mit den Kriegen wie in Afghanistan, Irak, Syrien und Libyen, um nur einige zu nennen, und den Waffenlieferungen in die Brandherde auf dieser Welt mit dazu beigetragen, dass die Menschen fliehen. Die Fluchtursachen zu bekämpfen bedeutet zu aller erst die Kriege zu beenden und keine neuen Kriege anzuzetteln, die Krisenherde mit Waffenexporten nicht weiter anzuheizen und die Konflikte ohne Krieg und Gewalt zu lösen. Die Bundesregierung könnte eine konstruktive Rolle bei der Bekämpfung der Fluchtursachen spielen statt sich an den Kriegen zu beteiligen, Waffen zu liefern und die Bombardierungen befreundeter Staaten als angemessen zu bezeichnen. Zusammenfassend kann man feststellen: Wer Waffen säht wird Flüchtlinge ernten.

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28.06.2018

>> Die Nato-Staaten haben mit den Kriegen wie in Afghanistan, Irak, Syrien und Libyen, um nur einige zu nennen, und den Waffenlieferungen in die Brandherde auf dieser Welt mit dazu beigetragen, dass die Menschen fliehen. <<

Zuerst sind die verheerenden Terrorangriffe in Europa und den USA zu nennen!

Wenn Länder die Ausbreitung islamistischen Terrors nicht stoppen dürfen wir uns da natürlich wehren. Afghanistan ist ein rohstoffarmes Stück Erde mit Menschen die viele unserer Werte nicht teilen.

Frieden ist nur da möglich, wo keine radikalen Islamisten sind. Ja wir dürfen gegen diese wachsende Gefahr Waffen benutzen - das ist außerhalb des linksgrünen Lagers europaweit Konsens.

Wir dürfen uns nicht auf diese unsinnige Argumentation einlassen, dass sich Schiiten und Sunniten wegen deutschen Waffen nicht liebhaben. Die islamische Welt braucht Gleichberechtigung von Mann und Frau, Bildung sowie Meinungs- und Religionsfreiheit.

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