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Porträt

20.08.2019

Wolfgang Schmidt ist der Scholz-Flüsterer

Wolfgang Schmidt ist Staatssekretär im Bundesfinanzministerium.
Bild: Bmf/thomas Koehler/photothek.ne

Olaf Scholz will SPD-Chef werden, in der Partei löst das verhaltene Begeisterung aus. Seine Mitarbeiter geben aber alles – allen voran: Wolfgang Schmidt.

Am Wochenende war Wolfgang Schmidt zu bestaunen, wie er sich aus einem Fenster des Bundesfinanzministeriums stürzte. Es war Tag der offenen Tür im Ministerium, und Schmidt natürlich für die Abseil-Aktion vor neugierigen Bürgern ausreichend gesichert. Dennoch beschlich einen der Gedanke, dass sich Schmidt vermutlich auch jederzeit aus dem Fenster stürzen würde, sollte dies nötig werden für seinen Boss: Olaf Scholz, Bundesfinanzminister, Vizekanzler – und seit einigen Tagen Anwärter auf den Posten als Vorsitzender der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (für die sich derzeit eine eher überschaubare Zahl Menschen aus dem Fenster stürzen würde).

Natürlich gehören treue Paladine und Einflüsterer zu Politikern seit jeher dazu. Nur wenige füllen diese Rolle aber so geschickt-glamourös aus wie der 48 Jahre alte Staatssekretär Schmidt, der Scholz schon in dessen Tagen als Erster Bürgermeister von Hamburg eng zur Seite stand. Zu der Zeit leitete er die Landesvertretung der Hansestadt in Berlin, er kümmerte sich – als Ehemann einer Mexikanerin global aufgestellt – zudem um Außenbeziehungen der Metropole.

Damals galt Schmidt als eine Art Doyen der Landesvertreter, die Abstimmung zu heiklen Bundesratssitzungen lief häufig über seinen Schreibtisch. Die Feste in der Landesvertretung waren begehrte politische Kontaktbörsen – auch wegen Schmidt, der für einen Strippenzieher ungewöhnlich offen Strippen zieht, soziale Netzwerke fleißig bedient und Journalisten durchaus direkt auf vielleicht übersehene Stärken seines Chefs hinweisen kann.

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Olaf Scholz ist zumindest in der SPD ein schwer vermarktbares Produkt

Denn das bleibt die Herausforderung sogar für den gewieftesten Strippenzieher: Olaf Scholz ist zumindest in der SPD ein schwer vermarktbares Produkt. Zwar hat Scholz als Mieteranwalt angefangen, er kann eloquent berichten, wie sehr ihn das Schicksal einfacher Leute umtreibe. Auch seine aktuelle Kandidatur beschrieb Scholz durchaus emotional, mit dem Verweis auf sein flaues Bauchgefühl ob der schlechten Umfragewerte für die SPD. Aber viele Sozialdemokraten nehmen Scholz so viel Gefühl nicht ab, sie halten ihn für einen Mann der Wirtschaft (und, schlimmer noch: GroKo-Befürworter). Außerdem unterstellen sie ihm gewisse Arroganz – ganz zu schweigen von der Nähe zu Andrea Nahles, gerade erst vom SPD-Hof gejagt.

Strippenzieher Schmidt kennt die Vorbehalte, auch gegen hölzerne Scholz-Rhetorik, die diesem den Spitznamen "Scholzomat" einbrachte – und hofft mit Kompetenz zu kontern. Zum engsten "Team Scholz" gehören Jakob von Weizsäcker als Chefökonom des Ministeriums, der Ex-Journalist Steffen Hebestreit als Sprecher, oder der frühere Goldman Sachs-Chef Jörg Kukies. Alle schwören auf ihren Chef und senden so subtil die Botschaft: Kann jemand, der auf derart begeisterte Mitarbeiter bauen kann, wirklich ein "Scholzomat" sein?

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