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AfD-Spitzenkandidat Frohnmaier gibt sich weniger radikal als früher

Baden-Württemberg

Wahl in Baden-Württemberg: Wie radikal ist AfD-Mann Frohnmaier?

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    Markus Frohnmaier ist Ministerpräsidenten-Kandidat der AfD. Für den Landtag kandidiert er aber nicht.
    Markus Frohnmaier ist Ministerpräsidenten-Kandidat der AfD. Für den Landtag kandidiert er aber nicht. Foto: Bernd Weißbrod, dpa

    Säckeweise habe Markus Frohnmaier Kreide gefressen, urteilte unlängst der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann öffentlich über den AfD-Spitzenkandidaten für die Landtagswahl. Und CDU-Spitzenkandidat Manuel Hagel sagte: Der AfD-Mann habe so viel Kreide gefressen, dass in den Steinbrüchen im Land der Kalk knapp werde.

    Markus Frohnmaier, 34, AfD-Ministerpräsidentenkandidat, wie ihn die Partei getauft hat, lächelt über solche Äußerungen hinweg. Bestenfalls zieht er spöttisch eine Augenbraue hoch. Wer ihn im Wahlkampf beobachtet, sieht Frohnmaier vor allem lächeln. Wenn er nicht gerade über Kriminalität, Messerstechereien und ausbleibende Abschiebungen redet. Aber auch dabei wahrt Frohnmaier haarscharf die Grenze. Er weiß genau, was ihm Konflikte mit den Strafverfolgungsbehörden einbringen.

    AfD-Spitzenkandidat Markus Frohnmaier wird in diesem von der Partei mit großem Budget aufgesetzten Wahlkampf als freundliches Gesicht präsentiert. Es ist der gleiche Frohnmaier, der einst in Tübingen den Landesverband der inzwischen aufgelösten rechtsextremen AfD-Jugendorganisation „Junge Alternative“ (JA) mitgründete.  Er stand in Verbindung mit der Identitären Bewegung sowie der rechtsextremen, islamfeindlichen German Defense League, deren Erkennungszeichen, einen Lorbeerkranz, er als Tattoo auf der Brust trägt. Doch von dieser Vergangenheit scheint zumindest bei öffentlichen Auftritten nichts mehr durch.

    Frohnmaier stammt aus Rumänien

    Frohnmaier, in Rumänien geboren, in Deutschland adoptiert und bei Stuttgart aufgewachsen, sitzt seit 2017 im Bundestag. Er ist Vize-Fraktionschef der AfD und deren außenpolitischer Sprecher. Obwohl die AfD-Satzung dies ausschließt, hat er weder eine abgeschlossene Berufsausbildung noch mehrere Jahre im Beruf gearbeitet, bevor er Mandatsträger der Partei wurde. Dass er ein Jura-Studium abbrach und nicht beendet hat, bringt er in Zusammenhang mit einem Herzinfarkt, den er im Alter von 27 Jahren erlitt. Davon hat er sich erholt. Frohnmaier, mit einer russischen, regimetreuen Journalistin verheiratet, mit der er zwei Kinder hat und bei Stuttgart lebt, bewegt sich auf internationalem Parkett. Statt der früher zur Schau getragenen Russland-Nähe sucht er neuerdings in den USA Kontakt zu Trump-Kreisen. Im Dezember verbreitete er als Gast bei einer Preisverleihung der Jugendorganisation der „Young Republicans“ in New York, seine Partei und die Meinungsfreiheit würden in Deutschland unterdrückt. Eine Erzählung, wie sie auch von US-Präsident Trump und seiner MAGA-Bewegung in den USA verbreitet wurde.

    Offene Drohungen gegen „Volksverräter“, „linke Gesinnungsterroristen“ und die „Lügenpresse“, die Frohnmaier noch vor zehn Jahren als damaliger JA-Vorsitzender ausgesprochen hatte, kommen ihm heute bei öffentlichen Auftritten nicht mehr über die Lippen. Dereinst hatte er getönt: „Wenn wir kommen, wird ausgemistet.“ Manches würde er heute nicht mehr so formulieren, sagte Frohnmaier im September beim Tübinger Rededuell mit Boris Palmer, als dieser ihn dazu stellen wollte.

    AfD-Mann gibt sich gelassen gegenüber Kritikern

    Badnerlandhalle Karlsruhe-Neureut, Mitte Januar, Wahlkampfauftakt der AfD mit Frohnmaier und dem Ost-AfD-Mann Ulrich Siegmund. Für Frohnmaier der Auftakt zu einem 70-Termine-Marathon in den Wochen bis zur Wahl. „Gipfeltreffen“ hat die Partei die Veranstaltungen mit Siegmund in Karlsruhe und tags darauf in Göppingen genannt. Die Badnerlandhalle ist schon eine Stunde vor der Veranstaltung mit gut 600 Personen überfüllt, Dutzende müssen draußen bleiben. Zu den wütenden Anti-AfD-Parolen der Demonstranten vor der Halle sagt Frohnmaier drinnen dem omnipräsenten AfD-Youtuber in die Livestream-Kamera, dies sei das gute Recht der Demonstranten. Politiker müssten so etwas aushalten. Frohnmaier, nachtblauer Dreiteiler, weißes Hemd, Einstecktuch, lächelt.

    Ulrich Siegmund, dessen Landesverband in Sachsen-Anhalt dem Verfassungsschutz als „gesichert rechtsextrem“ gilt, wird mit rhythmischen „Sieg! – Mund!“-Rufen gefeiert. Der 35-Jährige beschwört das Bild vom „wunderschönen Deutschland“, vom „wunderschönen Baden-Württemberg“, das so gefährdet sei in diesen Tagen. Siegmund hat im Herbst wohl Chancen auf das Ministerpräsidentenamt in Sachsen-Anhalt, in Umfragen steht er bei rund 40 Prozent. Er selbst gibt 45 plus x als Ziel aus, eine Alleinregierung.

    Frohnmaier in Baden-Württemberg kommt gerade auf die Hälfte, keine Partei im Land will mit der AfD koalieren. Ministerpräsident will er dennoch werden. „Wenn wir auf 24, 25, 26 Prozent kommen, wird ein Ruck durchs Land gehen. Dann gibt es einen Riss durch die Brandmauer“, ruft Frohnmaier seinen Anhängern zu. Die wedeln mit zuvor ausgelegten Deutschland-Fähnchen, recken „Frohnmaier 2026“-Schilder in die Höhe.

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