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Waffenlobby unantastbar?
25.05.2022

Amoklauf von Texas: Eklat bei Pressekonferenz des Gouverneurs

Der texanische Gouverneur Greg Abbott (m.) gibt auf einer Pressekonferenz Ermittlungsergebnisse bekannt.
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Der texanische Gouverneur Greg Abbott (m.) gibt auf einer Pressekonferenz Ermittlungsergebnisse bekannt.
Foto: Dario Lopez-Mills/AP, dpa

Ein neuer Amoklauf erschüttert die USA. Die Mitleidsbekundungen sind groß, doch wird sich nach dem Schulmassaker in Texas etwas ändern? Es geht um einen tiefen Interessenkonflikt.

Nach dem neuerlichen Amoklauf in den USA herrscht Entsetzen. Todesschütze Salvador Ramos hat das Blutbad an einer Grundschule in Texas laut Polizei in einem einzigen Klassenzimmer angerichtet.

Sämtliche Tote seien mit dem 18-jährigen Amokläufer in einem Raum gewesen, zuvor hatte sich der Täter verbarrikadiert, erklärte ein Polizeisprecher gegenüber CNN. Bei dem schrecklichen Ereignis kamen 19 Kinder und zwei Lehrer ums Leben. Kurz nach dem Schulmassaker an der Robb Elementary School in Uvalde nahe San Antonio wurde der Täter von der Polizei erschossen.

Amoklauf in Texas: Todesschütze verschanzt sich – und tötet 21 Menschen

Vor dem Amoklauf wurde die Polizei bereits darüber informiert, dass eine Person mit Gewehr in die Schule eindringe. Bei der Ankunft der Sicherheitskräfte habe der Schütze das Feuer eröffnet und zwei Polizisten verletzt. Daraufhin habe er sich in einem Klassenraum verschanzt und begonnen, "auf Kinder und Lehrer zu schießen, die sich in der Klasse befanden", führte Polizeisprecher Chris Olivarez aus.

Ob sich nach diesem neuerlichen tragischen Amoklauf an einer US-Schule etwas ändern wird, erscheint fraglich. Zu den Mitleidsbekundungen kommen Schuldvorwürfe. Sie zielen auf den fahrlässigen Umgang mit Waffen ab, der aufgrund einer fragwürdigen Gesetzgebung in den Vereinigten Staaten immer wieder für Blutbäder sorgt, bei denen Menschen erschossen werden.

Ex-Präsident Barack Obama sprach den Angehörigen sein Beileid aus, äußerte zudem Wut auf die Waffenlobby: "Michelle und ich trauern mit den Familien in Uvalde", schrieb Obama auf Twitter. "Sie erleben einen Schmerz, den niemand ertragen sollte." Sie seien wütend, fügte der Demokrat hinzu und kritisierte in diesem Zusammenhang die oppositionellen US-Republikaner. Weitere Prominente äußerten öffentlich ihr Beileid.

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In der Kritik steht auch der texanische Senator Ted Cruz: Der Mann gilt als strikter Unterstützer der Waffenlobby und Verfechter des Rechts auf Waffenbesitz. Von ungefähr kommt dies offenkundig nicht: Laut BR.de kassierte der 51-Jährige alleine im Jahr 2016 mehrere hunderttausend US-Dollar von der Waffenlobby National Rifle Association (NRA).

USA: Amoklauf fordert 21 Opfer – Recht auf Waffenbesitz unantastbar?

Im US-TV bezeichnete Cruz den Amoklauf in seinem US-Bundesstaat als „unbeschreibliches Verbrechen“. Jedoch: Forderungen nach einer Verschärfung der Waffengesetze perlen an ihm ab. Der Republikaner wehrt sich vielmehr mit Vorwürfen, die Demokraten würden die Attacke in der 16.000-Einwohner-Stadt nahe San Antonio für ihre Zwecke "politisieren", um das Recht auf Waffenbesitz einzuschränken.

Wie viele der Waffenlobby zugeneigte Politiker-Kollegen behauptet Cruz, strengere Gesetze würden derartige Taten nicht verhindern. „Wir wissen aus der Vergangenheit, dass eines der effektivsten Werkzeuge, um die Sicherheit von Kindern zu gewährleisten, bewaffnete Strafverfolgung auf dem Campus ist“, erklärte der streitbare Republikaner. Schätzungen zufolge sind im Jahr 2022 in den gesamten USA über 300 Millionen Waffen im Umlauf. Die Herstellung von Waffen gehört in den USA zu den wichtigsten Industriezweigen.

Mahnwache nach dem Massaker: Nicht nur im texanischen Uvalde herrschen nach der Bluttat Trauer und Entsetzen - in den USA sollen bis Samstag die Flaggen auf Halbmast wehen.
Foto: Billy Calzada/The San Antonio Express-News, dpa

Schulmassaker in Texas: Eklat bei Pressekonferenz des Gouverneurs

Am Mittwoch kam es bei einer Pressekonferenz bezüglich des verheerenden Amoklaufs zu einem Eklat: Der Demokrat Beto O'Rourke unterbrach eine Rede des republikanischen Gouverneurs von Texas, Greg Abbott, und kritisierte diesen für seine Haltung zu den Waffengesetzen. O'Rourke, der im November 2022 bei der nächsten Gouverneurswahl in Texas als Herausforderer gegen Abbott antreten will, warf dem Republikaner vor, nichts gegen die grassierende Waffengewalt zu unternehmen. "Sie tun nichts", sagte O'Rourke.

Während Abbott auf die Vorwürfe nicht reagierte, forderten andere Offizielle O'Rourke auf, den Saal zu verlassen. Ein Mann rief O'Rourke zu: "Sie fallen aus dem Rahmen, und Sie sind peinlich." Ein anderer Mann beschimpfte den Demokraten wüst: "Ich kann nicht fassen, dass Sie ein kranker Bastard sind, der aus einer Sache wie dieser ein politisches Thema machen will." O'Rourke verließ nach der verbalen Auseinandersetzung den Raum. Auf YouTube wurde ein Video des Vorfalls veröffentlicht:

Eine Verschärfung der Waffengesetze in den USA scheitert schon lange an einer grundlegenden Uneinigkeit zwischen Demokraten und Republikanern: Während viele Demokraten eine substanzielle Verschärfung der Vorschriften für Waffenbesitz im Land fordern, sind viele Republikaner vehement dagegen. Wie Ted Cruz argumentiert auch Abbott, strengere Waffengesetze seien nicht die Lösung. (WAH mit dpa)

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Die Diskussion ist geschlossen.

26.05.2022

Im Musterland für Demokratie und Freiheit sind die Hauptursachen der Todesfälle bei Kindern - Schusswaffen.

Doch mit Kritik müssen gerade wir Deutsche etwas vorsichtig sein:

Ein 18jähriger kann sich in Texas ganz legal und einfach 2 Sturmgewehre kaufen - hierzulande rast er mit 350 PS unter der Haube und 270 km/h auf dem Tacho über die Autobahn . . .

Wie man sieht - heilige Kühe gibt's nicht nur in Indien . . .

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28.05.2022

Wenn sie es so vergleichen wollen, dann wäre es wohl vernünftiger, wenn er sich nur noch eine Pumpgun oder eine Halbautomatische Pistole kaufen darf. Dann wäre sicher weniger passiert.

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28.05.2022

@ ANDREAS T.

" . . . wenn er sich nur noch eine Pumpgun oder eine Halbautomatische Pistole kaufen darf."

Nicht einmal das sollte erlaubt sein . . .

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28.05.2022

Jede Gesellschaft muss ihre Probleme selber Regeln.
Alle Kommentare von "Ausländern", was wir in diesem Fall sind, bringen überhaupt nichts.

PS: Wie mir ein Inder selber erklärt hat, sind Kühe nicht jedem Inder heilig.

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