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Corona-Pandemie
09.06.2022

Expertenrat stellt Corona-Empfehlungen vor: "zeitnahe Reaktion"

Der Expertenrat der Bundesregierung könnte mit seinen Corona-Empfehlungen für Herbst und Winter die Weichen für den Umgang mit dem Virus stellen.
Foto: Sebastian Kahnert, dpa (Symbolbild)

Der Umgang mit der Pandemie steht wieder im Fokus: Am Mittwoch stellte der Corona-Expertenrat mit seinen Empfehlungen die Weichen für den Herbst und den Winter.

Der Corona-Expertenrat fordert in der Pandemie mit Blick auf den anstehenden Herbst und Winter eine "zeitnahe Reaktion" sowie eine "bessere zentrale Koordination". Das erklärte Prof. Heyo Kroemer als Vorstand des Gremiums in der Bundespressekonferenz am Mittwoch (8. Juni).

Es gehe in der Vorbereitung auf den Herbst und Winter darum, eine "exzellente Datenerhebung" und ein "digitales Echtzeitbild" zu gewährleisten. Die gewonnenen Daten müssten analysiert werden. Zudem seien "ein vernünftiges Verhaltensmanagement und eine entsprechende Kommunikation" wichtig.

Weiterhin gehe es um die Prävention, zu der einheitliche und klare Info- und Impfschutzmaßnahmen zu zählen seien. Die letztlich getroffenen Maßnahmen zur Eindämmung des Virus' müssten klaren Richtlinien folgen.

Kroemer betonte: "Die Pandemie ist definitiv nicht vorbei. Wie hatten am Morgen in der Charité noch 25 Intensivpatienten."

Expertenrat zum Corona-Herbst: Fokus weg von der Sieben-Tage-Inzidenz

Prof. Leif Sander, Klinikdirektor Infektionologie der Charité Berlin, wies darauf hin, dass sich durch Omikron weltweit mehr Menschen infiziert hätten als durch jede andere Sars-CoV-2-Variante zuvor. Dass die allermeisten Infektionen in Deutschland ohne schwere Folgen verlaufen würden, sei allein dem hohen Anteil der Immunisierten zu verdanken.

Der Expertenrat verdeutlichte aber auch, dass eine gefährlichere Variante einschneidendere Maßnahmen zur Folge haben müsste. Es sei allerdings nicht absehbar, wie sich das Virus und die Pandemie-Situation im zweiten Halbjahr entwickeln werde.

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Prof. Christian Karagiannidis, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Internistische Intensivmedizin und Notfallmedizin, sieht die Zeit reif, um Vorkehrungen zu treffen. Ihm zufolge müsste der Fokus weg von der Sieben-Tage-Inzidenz, es müsste vermehrt auf die Schwere der Krankheit und die zur Verfügung stehenden Krankenbetten geschaut werden.

Dabei sei auch der demografische Wandel zu beachten - mit dem Ansteigen des Durchschnittsalters in Deutschland vergrößert sich natürlich auch die Zahl der Mitglieder der vulnerablen Gruppen, die besonders zu schützen sind.

Corona-Empfehlungen: Expertenrat der Bundesregierung als wichtige Institution

Der Expertenrat kommt seit Dezember 2021 zusammen. Seitdem hat er zehn Stellungnahmen zur Corona-Lage abgegeben; Bund und Länder hatten die Einrichtung beschlossen; der Rat setzt sich aus Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern zusammen.

Bislang haben sich diese vor allem mit der Aufhebung der Corona-Maßnahmen, dem Umgang mit Kindern in der Pandemie und der Omikron-Variante befasst. Für Bund und Länder ist der Corona-Expertenrat eine wichtige Institution, deren Empfehlungen als Grundlage für Entscheidungen dienen.

Video: dpa Exklusiv

Neue Impfkampagne und Forderung nach Anpassung des Infektionsschutzgesetzes

In der vergangenen Woche hatten sich Bund und Länder im Rahmen eines Spitzentreffens bereits auf eine neue Impfkampagne und deren Vorbereitung geeinigt. Außerdem beschlossen sie, dass bei weiteren Corona-Wellen eine flächendeckende Schließung von Schulen und Kitas vermieden werden soll.

Von den deutschen Landkreisen wurde unterdessen die Forderung laut, dass eine zügige Anpassung des Infektionsschutzgesetzes nötig sei. Reinhard Sager, Präsident des Deutschen Landkreistags, erklärte diese bei der Funke-Mediengruppe: "Zu den vorzusehenden Instrumenten zählen Maskenpflichten in Innenräumen und in Bussen und Bahnen, ebenso Kontaktbeschränkungen, wenn diese erforderlich werden sollten."

Sager glaubt, dass der Gesetzgeber wesentliche Instrumente noch vor der Sommerpause zusammentragen müsse, um Regelungen rechtzeitig anpassen zu können. "Erst im September mit der inhaltlichen Arbeit zu beginnen, wäre zu spät, um der Entwicklung dann womöglich nicht ein weiteres Mal hinterherlaufen zu müssen. Das sollte die Politik in den letzten zwei Jahren gelernt haben", so seine Mahnung.

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