Ein Viertel der Zugverbindungen steht auf der Kippe
Zugverkehr
Weniger Verbindungen: Pro Bahn warnt vor Kahlschlag im Regionalverkehr
Um trotz all der Baustellen einen stabilen Betrieb zu gewährleisten, könnte in den kommenden Jahren ein Viertel der Verbindungen gestrichen werden. Der Fahrgastverband warnt vor den drohenden Folgen.
Von Michael Stifter, Christian Grimm, Klaus Ott|30.01.26 - aktualisiert:|
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Die Bahn wird wohl zahlreiche Verbindungen streichen müssen, weil das Schienennetz saniert wird.Foto: Stefan Sauer, dpa
Weil das marode Schienennetz überlastet ist, sind Züge in Deutschland häufig unpünktlich unterwegs. Um die Überlastung des Netzes zu reduzieren, wird hinter den Kulissen darüber diskutiert, Verbindungen zu streichen. Das Ziel: Es soll weniger Fahrten geben, diese sollen dafür aber verlässlicher werden. Die Streichungen sollen wohl vor allem Regionalzüge treffen – und damit hunderttausende Pendlerinnen und Pendler, auch in Bayern.
Im Bundesverkehrsministerium tagt eine Taskforce mit dem Namen „Zuverlässige Bahn“. Hier wird darum gerungen, wie sich trotz all der Baustellen im Schienennetz ein stabiler Betrieb gewährleisten lässt. Aus Sicht von Jürgen Baumgärtner, Chef des Verkehrsausschusses im Bayerischen Landtag, wird kein Weg an der Ausdünnung des Fahrplans vorbeiführen. Mindestens ein Viertel der Verbindungen dürften vorübergehend wegfallen, schätzt der CSU-Politiker. Die neue Bahn-Chefin Evelyn Palla hatte kürzlich angekündigt, gerade den Regionalverkehr zu reduzieren.
Fahrgastverband Pro Bahn fordert Entlastung an anderer Stelle
Fahrgastvertreter sehen das mit gemischten Gefühlen. Marco Kragulji, Vorstand bei Pro Bahn in Bayern, hat Verständnis für den Interessenskonflikt zwischen Pünktlichkeit und Verlässlichkeit. „Den Fahrplan einfach nur ausdünnen, um ihn stabiler zu machen, kann auf manchen Strecken funktionieren, aber sicher nicht auf allen“, sagte er unserer Redaktion. Dort, wo es ohnehin schon wenige Verbindungen gebe, müsse es unbedingt „Begleitmaßnahmen“ geben, etwa eine alternative Buslinie oder zumindest mehr Sitzplätze in den verbleibenden Zügen. Ähnliche Gedanken macht sich auch CSU-Mann Baumgärtner, der Mitte März eine Sondersitzung des Verkehrsausschusses angesetzt hat.
Vor allem Pendler müssen sich wohl auf weniger Flexibilität im Alltag einstellen. Pro-Bahn-Chef Kragulji warnt vor einem Kahlschlag: „Wenn wir jetzt alles zusammenstreichen, brauchen wir uns nicht zu wundern, dass sich Kundinnen und Kunden abwenden und wieder aufs Auto umsteigen.“
Die Taskforce Bahn ist ein Runder Tisch mit hochrangigen Vertretern der Bahn, des Verkehrsministeriums, der Industrie und der zuständigen Behörden. Die diskutierte Ausdünnung des Regionalverkehrs ist ein kompliziertes Thema. Die Länder bestellen den Regionalverkehr bei der Bahn und deren privaten Wettbewerbern. In den Verträgen ist auf mehrere Jahre genau geregelt, wie viele Verbindungen die Unternehmen liefern müssen. Außerdem sind frei werdende Positionen auf dem engen deutschen Gleisnetz begehrt, so dass beispielsweise wohl eine der privaten Güterbahngesellschaften ihre Züge darauf anmelden wollen würde, sollten Regionalverbindungen gestrichen werden.
Eisenbahngewerkschaft: „Streichung darf nur die letzte Option sein“
Der Chef der Eisenbahnergewerkschaft EVG, Martin Burkert, ist Mitglied der Taskforce. „Es ist eine offene Diskussion, alles kommt jetzt auf den Tisch“, sagte er unserer Redaktion. Die Streichung von Zügen darf für ihn nur die letzte Option sein. „Man muss alle anderen Maßnahmen prüfen und durchführen, ehe man Verkehr von der Schiene nimmt“. Andere Möglichkeiten wären zum Beispiel der Einbau von Pufferminuten in den Fahrplan oder das Vorhalten eines „Jokergleises“ an den Knoten. Dort würden nur Züge einrollen, wenn anderswo im Bahnhof Engstellen auftreten. Bis Ostern will die Taskforce ihren Bericht vorlegen. Danach müssen Bahnchefin und die Verkehrsminister in Bund und Ländern entscheiden.
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