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Finanzspritze vom Staat
12.05.2022

Energiepreis-Pauschale 2022: Wann ist die Auszahlung der 300 Euro?

Teurer Strom aus der Steckdose: Die Energiepreise in Deutschland werden weiter steigen.
Foto: Sina Schuldt, dpa

Die Bundesregierung begegnet den stark gestiegenen Energiekosten mit einer Pauschale von 300 Euro. Der Betrag muss jedoch versteuert werden, was Kritik hervorruft.

Die Lebenshaltungskosten steigen. Nicht nur, aber eben auch in Deutschland. Was sich bereits im vergangenen Jahr andeutete, wurde durch den Ukraine-Krieg noch beschleunigt. Längst wird offen über ein EU-weites Energie-Embargo gegen Russland gesprochen. Doch nicht zuletzt die Bundesregierung sträubt sich gegen diesen Schritt. Wegen der unklaren Folgen für die Wirtschaft und die privaten Haushalte.

Um vor allem den Bürgern in diesen folgenschweren Zeiten unter die Arme zu greifen, wurde vom Koalitionsausschuss am 23. März 2022 ein "Maßnahmenpaket des Bundes zum Umgang mit den hohen Energiekosten" beschlossen. Das Finanzministerium spricht von "weitreichende(n) Maßnahmen zur kurzfristigen und befristeten Entlastung bei den Energiekosten". Darunter fällt auch die einmalige Energiepreis-Pauschale in Höhe von 300 Euro. Am 27. April wurde das Entlastungspaket im Kabinett durchgewunken, der Weg ist also frei.

Doch wer bekommt die Energiepreis-Pauschale 2022 - und wann wird diese ausgezahlt?

Energiepreis-Pauschale 2022 für einkommenssteuerpflichtige Erwerbstätige

In dem Beschlusspapier wird die finanzielle Unterstützung ausführlich erklärt. Ziel sei es, "die Mitte unserer Gesellschaft schnell, unbürokratisch und sozial gerecht (zu) entlasten". Deshalb würden alle "einkommenssteuerpflichtigen Erwerbstätigen (Steuerklassen 1-5)" die 300 Euro einmalig zu ihrem Gehalt ausgezahlt bekommen.

Weiter wird darauf hingewiesen, dass der Betrag "unabhängig von geltenden steuerlichen Regelungen (Pendlerpauschale, Mobilitätsprämie, steuerfreien Arbeitgebererstattungen, Job-Ticket) 'on top' gewährt" werde. Die Überweisung soll "über die Lohnabrechnung des Arbeitgebers bzw. des Dienstherren" erfolgen.

Wichtig: Die Energiepreis-Pauschale unterliegt der Einkommenssteuer, muss also folglich in der Steuererklärung für dieses Jahr angegeben werden. Für Selbständige sieht der Plan "einen Vorschuss über eine einmalige Senkung ihrer Einkommenssteuer-Vorauszahlung" vor.

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Demnach müsste die Gewährung also automatisch erfolgen, eine Beantragung sollte nicht nötig sein.

Wann werden die 300 Euro Energiepreispauschale ausgezahlt?

Auch wenn das Entlastungspaket nun beschlossen ist - einen genauen Termin für die Auszahlung der Energiepreis-Pauschale gibt es noch nicht. Allerdings wurde bekannt, dass das Entlastungspaket im Juni 2022 in Kraft treten soll. Die Auszahlung der 300 Euro wird aber wohl erst später verfolgen. Als Termin ist derzeit der September im Gespräch.

Energiepreis-Pauschale wohl nicht für Rentner und Arbeitslose

In diesem Zusammenhang erklärt das Bundesfinanzministerium auch, die Bundesregierung wolle "möglichst noch in diesem Jahr einen Auszahlungsweg über die Steuer-ID für das Klimageld entwickeln". So würden Direktzahlungen an die Bürger künftig einfach und unbürokratisch.

Klar wird angesichts des Beschlusspapiers auch: Für Rentner, Arbeitslose und auch Minijobber ist die Energiepreis-Pauschale nicht vorgesehen.

Offen ist noch der Zeitpunkt der Auszahlung respektive Verrechnung. Nach Informationen von steuertipps.de wird über eine "Auszahlung ab Juni 2022" spekuliert. Dabei wird jedoch zugleich betont, dass zunächst vom Bundesarbeitsministerium von Hubertus Heil (SPD) eine gesetzliche Grundlage geschaffen werden müsste. Es werde in jedem Fall eine Auszahlung in diesem Jahr angestrebt - womöglich aber erst in der zweiten Hälfte.

Video: dpa

Kritik an Energiepreis-Pauschale vom Steuerzahlerbund

Kritik an dem Modell setzte es vom Präsidenten des Steuerzahlerbunds. "Eine wirkliche Entlastung wäre es übrigens gewesen, wenn die Energiepreis-Pauschale steuerfrei wäre", monierte Reiner Holznagel laut dpa: "Auch Rentner und Selbstständige erhalten keinen wirklichen Zuschuss."

Laut Berechnungen des Verbands würden Spitzenverdienern letztlich nur 180 der 300 Euro bleiben. Den vollen Betrag einplanen könnten lediglich Arbeitnehmer, deren zu versteuerndes Jahreseinkommen unter dem steuerlichen Grundfreibetrag von rund 10.000 Euro bleibt.

Als Beispiel wird ein Single der Steuerklasse 1 mit 72.000 Euro Jahresgehalt genannt. Dieser bekäme letztlich 181,80 Euro raus, weil der Spitzensteuersatz greifen würde. Obendrein werde in diesem Fall durch die Pauschale auch wieder der Solidaritätszuschlag fällig.

Große Unterschiede bei Energiepreis-Pauschale abhängig vom Gehalt

Derweil dürfte sich ein verheirateter Arbeitnehmer mit Kind und Steuerklasse 4 bei 72.000 Euro Jahresgehalt auf netto 184,34 Euro an Pauschale freuen. Würden bei ansonsten gleichen Voraussetzungen nur 45.000 Euro Jahresgehalt zusammenkommen, blieben 216,33 Euro von der Pauschale übrig.

Bei 15.000 Euro Gehalt im Jahr 2022 wären es 248,83 Euro. Die vollen 300 Euro gäbe es nur, wenn unsere Person in Steuerklasse 3 eingestuft wäre, denn dann würde sie unter dem Grundfreibetrag bleiben.

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