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Frankreich
05.12.2021

Valérie Pécresse, die „Tigerin“ aus Paris, tritt gegen Macron an

Valérie Pécresse führt die französischen Republikaner in die Präsidentschaftswahl.
Foto: Rafael Yaghobzadehin, dpa

Erstmals schicken die Konservativen eine Frau in die Präsidentschaftswahl. Sie sieht sich als Mischung aus Angela Merkel und Margaret Thatcher.

Die Siegerin lächelt befreit, als „Valérie“-Rufe im Saal erklingen. „Wir werden gewinnen!“ skandieren ihre Anhänger. „Die republikanische Rechte ist zurück“, ruft Valérie Pécresse. Gerade wurde sie bei der internen Vorwahl der Republikaner zur Präsidentschaftskandidatin gekürt. Die 54-Jährige setzte sich gegen vier Mitbewerber durch, in der Stichwahl gegen Rechtsaußen Éric Ciotti. Die Regionalratspräsidentin der Hauptstadtregion, der bevölkerungsreichsten und wirtschaftsstärksten Region Frankreichs, vertritt eine moderate, wirtschaftsliberale Linie. Da man ihr vorwarf, „Macron-kompatibel“ zu sein, griff sie den Präsidenten wegen dessen Finanzpolitik scharf an: „Er hat die Kasse abgefackelt.“

Auch die Rechtspopulistin Marine Le Pen tritt zur Präsidentschaftswahl im April an.
Foto: Geoffroy Van Der Hasselt, dpa

Erstmals schicken die bürgerlich-konservativen Republikaner eine Frau ins Rennen um das wichtigste Amt des Landes. Die Präsidentschaftswahl findet im April statt. „Die Zeit der Frauen ist gekommen“, betont Pécresse oft, die sich gerne als eine Mischung zwischen der scheidenden deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel und der früheren britischen Premierministerin Margaret Thatcher bezeichnet. Sie stehe für Autorität, und sie sei „eine Frau, die handelt und die durchhält“. Merkel hat in Frankreich einen exzellenten Ruf. Pécresse erreicht in Umfragen bisher aber nur rund zehn Prozent und  liegt damit hinter Emmanuel Macron, der Rechtspopulistin Marine Le Pen und dem rechtsextremen Journalisten Éric Zemmour. Kann der Konservativen die Aufholjagd gelingen?

Für die Sozialisten kandidiert Anne Hidalgo. Seit 2014 ist sie Bürgermeisterin on Paris.
Foto: Michel Euler, dpa

Nahestehende bezeichnen sie als pragmatisch und ambitioniert. Sie nennen sie „Tigerin“, was sich auf ihren Namen reimt: „Pécresse – la tigresse“. In der öffentlichen Meinung gilt sie eher als steif und unnahbar. Sie schirme ihr Privatleben ab, um ihre drei Kinder und ihren Mann zu schützen, verriet sie gerade in einer Sendung, in der fünf Politikerinnen über Persönliches plauderten – darunter ihre Mitbewerberinnen Le Pen und Anne Hidalgo, Paris’ sozialistische Bürgermeisterin.

Emmanuel Macron versucht die Reihen zu schließen, um bei der französischen Präsidentschaftswahl gegen die Phalanx seiner Kontrahenten bestehen zu können.
Foto: Roberto Monaldo, dpa

In ihrem Programm setzt Pécresse vier Schwerpunkte: eine strikte Einwanderungspolitik mit Quoten, erhöhte Investitionen für die innere Sicherheit, eine Reduzierung der öffentlichen Ausgaben und der Schulden sowie mehr Hilfen für Familien und alleinerziehende Mütter.

Unter Jacques Chirac begann Pécresse als Regierungsberaterin

Die Politikerin stammt aus einem gutbürgerlichen katholischen Elternhaus, studierte an Elitehochschulen und lebt heute in Versailles. Schon mit 31 Jahren begann sie als Regierungsberaterin unter dem bürgerlichen Präsidenten Jacques Chirac, der als ihr Mentor galt. Sie arbeitete als Sprecherin der konservativen Partei, Präsident Nicolas Sarkozy machte sie 2007 zur Ministerin und später zur Regierungssprecherin. 2015 wurde Pécresse zur Regionalratspräsidentin der zuvor sozialistisch regierten Hauptstadtregion gewählt. Ihr gelang in diesem Jahr die Wiederwahl, was ihr nun den Weg zur Präsidentschaftskandidatur bereitete.

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So ruhen auf ihr die Hoffnungen der Republikaner, wieder eine starke Volkspartei zu werden. Doch die Konservativen agieren im Schatten der Rechten, die in Frankreich stark den Wahlkampf bestimmen – vor allem mit den Themen Migration und Umgang mit Muslimen. Dem dürfte sich Pécresse kaum entziehen können. Als ersten Punkt forderte sie einen „Stopp der aktuellen Einwanderung“, um „unsere Lebensart zu schützen“. Das klingt mehr nach Le Pen als nach Merkel.

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