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Inflation
21.04.2022

Steigende Energiekosten: Entlastet der Staat die Falschen?

Steigende Energiekosten machen vielen Menschen Sorgen.
Foto: Fabian Sommer, dpa

Die Preise für Energie gehen weiter durch die Decke. Doch der Leidensdruck ist ungleich verteilt.

Den Staat kostet es 17 Milliarden Euro, die Bürger soll es um einige hundert Euro entlasten: Die Regierung hat kürzlich ein umfangreiches Paket geschnürt, um finanzielle Härten, die durch steigende Energiepreise entstehen, abzufedern. Doch die Kritik daran reißt nicht ab. An den Tankstellen schwanken die Kosten für Benzin und Diesel weiter massiv, als Profiteure gelten die Konzerne. Zugleich stiegen im März die Erzeugerpreise verglichen mit dem Vorjahresmonat um 30,9 Prozent an – ein Rekord seit Beginn der statistischen Erhebung im Jahr 1949.

„Der Anstieg der Energiekosten belastet vor allem Menschen mit geringen Einkommen stark, da diese zum Teil vier oder fünf Mal mehr ihres monatlichen Einkommens für Energie ausgeben als Menschen mit hohen Einkommen“, sagt Marcel Fratzscher, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung. Seine Prognose: Die Energiekosten dürften für die nächsten fünf Jahre dauerhaft hoch bleiben. „Die Politik sollte daher vor allem Menschen mit geringen Einkommen bei den Energiekosten unterstützen und gleichzeitig die richtigen Anreize für Energie-Einsparungen setzen“, sagt Fratzscher. Das gelingt seiner Ansicht nach mit dem Entlastungspaket nur bedingt. Die von der Bundesregierung beschlossene Energiepauschale von 300 Euro sei zwar ein guter erster Schritt, reiche jedoch bei Weitem noch nicht aus, um Menschen mit geringen Einkommen ausreichend zu entlasten.

DIW-Chef Fratzscher: Spritpreisbremse ist schädlich

„Der richtige Weg, um Entlastungen und gleichzeitig Einsparungen beim Energieverbrauch zu erzielen, sind direkte Transfers an die am stärksten betroffenen Menschen“, sagt der Wirtschaftsexperte. „Zudem sollte die Bundesregierung den reduzierten Mehrwertsteuersatz von sieben Prozent temporär abschaffen, da dadurch vor allem Lebensmittel und andere Dinge der Grundversorgung günstiger würden und den Menschen schnell und unbürokratisch Hilfe zukäme.“ Die Spritpreisbremse der Bundesregierung sei hingegen schädlich, „da sie den Energieverbrauch erhöht und der größte Teil des Geldes den Besserverdienenden und Mineralölkonzernen zugutekommt.“

Daran rütteln will die Regierung nicht. Ein Sprecher des Finanzministeriums erklärte: „Die Maßnahmen sind beschlossen worden und werden jetzt auch umgesetzt.“

Union will auch Niedrigverdiener entlasten

Kritik kommt auch aus der Union. „Die Ampel muss endlich vom Ankündigungsmodus zur Umsetzung kommen: Bisher ist noch gar kein Geld angekommen“, sagt Andreas Jung, stellvertretender CDU-Bundesvorsitzender und Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion für Klimaschutz und Energie. Auch er fordert eine deutlich gezieltere Entlastung. „Menschen mit geringem Einkommen müssen etwa durch eine verbesserte und dynamisierte Heizkostenpauschale unterstützt werden“, sagt Jung. Dazu müssten die Einkommensgrenzen weiter gezogen werden. „Es sollten etwa auch Menschen unterstützt werden, die etwas mehr verdienen als Wohngeldempfänger“, fordert der CDU-Politiker. Auch sie seien von hohen Preisen hart betroffen.

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Statt auf kurzfristige Pakete sollte die Regierung auf längerfristige Maßnahmen wie die Entlastung bei Steuern und Abgaben setzen. Jung schlägt die Reduzierung der Stromsteuer auf das europäische Minimum sowie eine Steuerbefreiung von Biosprit vor. „Angesichts der weiterhin sehr hohen Energiepreise treten wir zudem für eine befristete Senkung der Mehrwertsteuer auf Energie ein“, sagt Jung. „Derzeit hat der Staat durch die gestiegenen Preise erhebliche Mehreinnahmen.“ Denn die Mehrwertsteuer werde auf den jeweils aktuellen Preis zuzüglich Energiesteuer erhoben.

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21.04.2022

Von den 300 € bekommen einige der Durchschnittsbürger (Rentner, Elterngeldempfänger, Minijobber...) keinen Cent und ! Die Spritpreise wollen sie im Juli und August senken. Heisst im Klartext: Die Bürger kämpfen seit Wochen um mit dem vorhandenen Geld klar zu kommen und der Staat sitzt mal wieder im Stuhlkreis und beschließt wenn es zu spät ist. Wie soll ein Minijobber bei diesen Preisen noch zur Arbeit fahren?

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21.04.2022

Und genau darum ist eine Spritpreisentlastung auch ein Schmarren. Diese Gruppe wird überwiegend von den steigenenden Energiepreisen Strom/Gas/Öl getroffen, darauf hätte - wenn schon - die Energiesteuer gesenkt werden sollen und nicht auf ohnehin fallende Spritpreise die auch bei 2,40€ offensichtlich kaum einen wirklich gejuckt haben.
Ich kenne Rentner, die zahlen seit 1.4. ein Viertel ihrer Rente ans Gaswerk, DA muss unterstützt werden und nicht Leute die es sich anscheinend leisten können zig Kilometer allein im Fahrzeug sitzend irgendwo hin zu fahren.

Ein Minijobber der mit dem PKW zur Arbeit muss (!), der sollte sich überlegen, ob er da nicht als Milchmädchen unterwegs ist.

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21.04.2022

Die sog. "Spritpreisbremse" ist populistischer Schwachsinn und kontraproduktiv. Die Preise sind wieder deutlich gefallen und basierten einzig und allein auf massivsten Gewinnmitnahmen der Ölkonzerne (bei 80 Cent Steigerung pro Liter 67 davon für Aral und Co., 13 Cent Steuerertrag). Es wird und wurde auch bei Höchststand weiterhin gefahren als wäre nichts. Damit sind nicht unbedingt die Fahrten an sich gemeint sondern eher die Fahrweise und Geschwindigkeiten die weiterhin festzustellen sind. Kann also nicht teuer genug wenn man sieht wie auf den klassischen Pendlereinfallstraßen weiterhin geheizt wird anstatt vielleicht einfach mal nur das erlaubte zu fahren und evtl. dafür 5 Minuten früher aus dem Haus zu gehen.

Jegliche "Förderung" wird kurz bis mittelfristig nur zu einer Gewinnsteigerung der Konzerne führen, das zeigen Erfahrungen aus anderen Förderungen.

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