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Top-Bankerin: Ukraine-Krieg stärkt Deutschland in Europa
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Interview
29.01.2022

Historiker Wolffsohn: "Wir gelten mehr und mehr als Wackelpartner in der Nato"

Michael Wolffsohn beklagt, dass Deutschland ein „Wackelpartner“ in der Nato ist. Die Regierenden hätten offensichtlich vergessen, dass der Westen das Land im Kalten Krieg gegen die sowjetische Bedrohung geschützt hat.
Foto: Ulrich Wagner (Archivbild)

Exklusiv Der Historiker Michael Wolffsohn kritisiert, dass Deutschland der Ukraine gegen einen drohenden Angriff Russlands Hilfe verweigert. Das sei "Heuchelei, maskiert als Moral“.

Herr Wolffsohn, fürchten Sie, dass aus dem Konflikt um die Ukraine ein heißer Krieg werden könnte?

Michael Wolffsohn: Man muss unterscheiden: Ein Überfall Russlands auf die Ukraine ist nicht auszuschließen. Diesen Krieg würde Russland schnell gewinnen. Dann aber würde die Ukraine mit einem Guerillakrieg antworten. Der dauert lange und wäre für Russland enorm verlustreich. Das jüngste Beispiel eines gewonnenen Guerillakrieges ist Afghanistan. Diesmal hat sich der Westen eine blutige Nase geholt, von 1979 bis 1989 die Sowjetunion. Man denke an den Guerillakrieg in Vietnam, den Frankreich 1954 und die USA 1975 verloren haben. Oder an den Guerillakrieg der Algerier von 1954 bis 1962 gegen Frankreich. Guerilla siegt. Der zu Recht ansonsten als Versager gescholtene US-Präsident Biden hat klipp und klar und realistisch gesagt: Die Ukraine werde auf einen Angriff mit Guerillakrieg reagieren, und die USA würden für diesen Selbstschutz der Ukraine Waffen liefern. Ich nehme an, Putin versteht, was das bedeutet. Deutschland verweigert der Ukraine sogar diesen Selbstschutz. Unter Scholz ebenso wie unter Merkel. Das ist Heuchelei, maskiert als Moral.

Der russische Präsident Wladimir Putin rechtfertigt seine diplomatischen und militärischen Aktionen mit einer Bedrohung und Einkreisung Russlands durch die Nato. Hat er recht?

Wolffsohn: Wenn man auf die Karte schaut, könnte man das tatsächlich meinen. Doch der optische Eindruck täuscht. Wer im Westen möchte gegen Russland Krieg führen? Niemand. In westlichen Gesellschaften gilt: „Krieg? Nein Danke!“ Die Menschen wollen leben, lieben, genießen, Geld. Auch die meisten Russen und erst recht Ukrainer. Und deshalb verbreitet Putin die Lüge von der aggressiven westlichen Einkreisung Russlands. Putin pokert. Er will zumindest den Osten der Ukraine Russland einverleiben. Dazu gehört Propaganda, und Propaganda ist, anders als Information, fast immer Lüge.

Teilen Sie die Ansicht, dass der Westen sein Versprechen gebrochen hat, die Nato nicht nach Osten auszuweiten?

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Wolffsohn: Davon war kurz nach dem Mauerfall 1989/90 die Rede. Bis zum Sommeranfang 1990. Danach nicht mehr. Dieses Versprechen wurde nie gegeben. Sonst wären ehemalige Warschauer-Pakt-Staaten wie Polen, Ungarn und andere nicht als Mitglieder der Nato aufgenommen worden.

Was ist Ihrer Ansicht das strategische Ziel des Kreml-Chefs?

Wolffsohn: Das ist ziemlich klar: Ähnlich wie einst die Zaren nach dem Mongolensturm will er „russische Erde“ wieder einsammeln. Anders als damals ist es das Gebiet der bis 1991 bestehenden Sowjetunion. Das „Einsammeln“ beginnt mit dem Schaffen von Abhängigkeiten. Siehe Belarus, siehe Armenien, Abchasien, Ossetien, Kasachstan. In der Ost-Ukraine ist das schon der Fall. Wo die Gelegenheiten Putin nicht – wie jüngst in Belarus und Kasachstan – in den Schoß fallen, schafft er sie selbst. Siehe jetzt Ukraine. Dazu die Drohungen, russische Militärs vor der Haustüre der USA zu stationieren: auf Kuba und in Venezuela. Er hat auch das Faustpfand Syrien. Am Montag flogen russische Kampfflugzeuge mit syrischen Jets über den von Israel kontrollierten Golan. Grandiose Strategie. Leider kann dem Strategen Putin im Westen keiner das Wasser reichen. Das ist selbst verschuldet, weil wir unseren Wunsch nach Frieden mit der globalen Wirklichkeit verwechseln.

Die Nato ringt um eine einheitliche Linie, um den Preis einer militärischen Intervention für Russland hochzutreiben. Deutschland steht in der Kritik, weil es als Bremser auftritt und widersprüchliche Signale aussendet. Wie sehen Sie die deutsche Außenpolitik in der Ukraine-Krise?

Wolffsohn: Die Signale sind klar: Worte für die Ukraine, Taten für Russland. Bislang. Nicht einmal Waffen zur Selbstverteidigung liefern wir der Ukraine. Das ermuntert den Aggressor. Die deutsche Regierung sagt und will Frieden, aber sie fördert dadurch die russische Aggression. Heuchelei nennt man das. Schlimmer noch: Deutschland verbietet den baltischen Staaten, deutsche Waffen, die sie besitzen, der Ukraine zu geben. Die Briten schicken der Ukraine Waffen und fliegen dabei um Deutschland herum, weil sie sich aus Berlin für eine Überfluggenehmigung gar nicht erst einen Korb holen wollen. Die Botschaft ist klar: Wir gelten mehr und mehr als Wackelpartner in der Nato. Deutsche Politik ist wortreich und faktisch fast schon neutral. Hat man vergessen, dass der Westen – allen voran die USA – im Kalten Krieg so klar auf unserer Seite standen, dass wir nicht von der Roten Armee überrollt wurden? Uns wurde geholfen, aber wir helfen nicht. Niederschmetternd, politisch und moralisch.

Die Bundesregierung will keine Waffen an die Ukraine liefern, auch keine defensiven. Begründet wird diese Haltung auch mit der deutschen Vergangenheit. Ist das stichhaltig?

Wolffsohn: Eine bequeme und ebenfalls heuchlerische Ausrede, die nicht zum ersten Mal von der bundesdeutschen Außenpolitik gebraucht, genauer: missbraucht wird. Deutschland hat im Zweiten Weltkrieg die Russen ebenso wie die Ukrainer und Polen massenweise ermordet und beraubt. Jetzt blendet unsere Außenministerin die deutsche Schuld gegenüber der Ukraine aus. Ein Skandal. Denken Sie an den Oktober 1973: Israel stand kurz vor der Auslöschung durch Ägypten und Syrien. Es flehte um Waffen. Die USA wollten schnell welche aus der Bundesrepublik liefern. Kanzler Brandt und Außenminister Scheel untersagten das den Amerikanern. Aber sonst war und ist auch Israel gegenüber immer die Rede von der historischen Verantwortung. Das Reden von Werten gehört zum Kanon deutscher Außenpolitik. Das entsprechende Handeln weist dramatische Defizite auf. Ausgerechnet bei einer Grünen Außenministerin. Von Maas, Gabriel, Steinmeier und Westerwelle habe ich nicht mehr erwartet. Da bekommt man ja Sehnsucht nach Joschka Fischer.

Gerade SPD-Politiker äußern Verständnis für russische Positionen und fordern eine neue Sicherheitsarchitektur für Europa. Sie verweisen auf Willy Brandts Entspannungspolitik. Liegen sie richtig?

Wolffsohn: Das ist ein Ablenken von der entscheidenden Frage. Die lautet: Wer droht, wer ist der Aggressor? Reagiert Russland auf eine Bedrohung, oder bewirkt russisches Agieren die Bedrohung? Die Antworten sind klar. Ich habe das bereits begründet. Was in der SPD gerne vergessen oder verschwiegen wird: Die in Fragen über Sein oder Nicht- sein traditionell proisraelische Politik der Bundesrepublik hat Brandt zugunsten seiner Ostpolitik geopfert. Siehe 1973. In meinem Buch „Friedenskanzler Brandt“ habe ich das beschrieben. Ich verstehe die SPD-Nostalgie, aber wir schreiben das Jahr 2022, und nicht mehr die Brandt-Ära bis 1974.

Dass SPD-Politiker, aber auch Friedrich Merz (CDU) und Markus Söder (CSU) schon vor den Folgen von Sanktionen warnen, wird von Bündnispartnern als Schwächung des Westens kritisiert. Teilen Sie diesen Vorwurf?

Wolffsohn: Ja, zum Teil. Söder versteht wenig von Außenpolitik. Anders Merz. Aber Sie zitieren Merz’ Warnung, wie die meisten, falsch. Er warnte vor einen Ausschluss Russlands aus dem internationalen Banken-Zahlungssystem „Swift“. Das würde auch uns massiv schaden. Es gibt massenweise Aktionen und Sanktionen, bei denen wir Putin & Co., nicht aber uns selbst schaden. Insofern warnt Merz vor einer Dummheit. Hier und jetzt braucht die Ukraine Defensivwaffen. Dagegen hat Merz nichts gesagt, soweit ich weiß.

Sehen Sie Punkte, bei denen der Westen Russland entgegenkommen sollte, um einen Krieg zu verhindern?

Wolffsohn: Ein Ja wäre Appeasement wie 1938, als die Demokratien Frankreichs und Britanniens Hitler durch Nachgeben Appetit auf mehr Aggression und dann Krieg und Weltkrieg machten. Es gibt aber eine Lösung, die ohnehin überfällig ist, weil sie den bevölkerungspolitischen Rahmenbedingungen der Ukraine entspricht und den Menschen Selbstbestimmung ermöglicht. Die Mehrheit der Bevölkerung auf der Krim und im Osten der Ukraine will eng mit Russland verbunden sein. Das ist, unabhängig von Putin, Fakt. Das Völkerrecht erklärt die bestehenden Grenzen für unantastbar. Folglich wäre dies möglich: Konkret würde aus der Ukraine die „Bundesrepublik Ukraine“, ein Bundesstaat mit mindestens drei Bundesländern: West-Ukraine, Ost-Ukraine, Krim. Frieden durch Föderalismus. Man lese dazu mein Buch „Zum Weltfrieden“.

Besteht die Gefahr, dass Putin Kompromissbereitschaft als Signal deutet, in Zukunft noch weitergehende Forderungen zu stellen, um alte sowjetische Machtpositionen zurückzuerobern?

Wolffsohn: Kompromisse sind der Stoff, aus dem innerer und äußerer Frieden ist. Frieden besteht nicht aus Drohungen und Aggressionen. Der Westen hat den Kalten Krieg gewonnen, weil er stets verhandlungsbereit und gut gerüstet war. Deutschland unter Scholz und Merkel hat das vergessen.

Zur Person: Michael Wolffsohn, 74, in Tel Aviv geboren als Sohn deutsch-jüdischer Emigranten ist Historiker und Autor. Wolffsohn lehrte bis 2012 als Professor für Neuere Geschichte an der Bundeswehr-Universität München.

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Die Diskussion ist geschlossen.

30.01.2022

Allen russlandtreuen Kommentatoren empfehle ich das Interview mit Rüdiger von Fritsch im heuten Weltspiegel. Hier ab 6:10
https://www.ardmediathek.de/video/weltspiegel/ukraine-drohen-und-gegendrohung/das-erste/Y3JpZDovL2Rhc2Vyc3RlLmRlL3dlbHRzcGllZ2VsL2RiYTAzNTcxLTkzN2YtNGM2OS05ZjhkLTk1YmRhYjE4NDBjMg/

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30.01.2022

Wolffsohn, wie kann man so viel Lügen erzählen, hat Russland jemals gesagt, sie wollen die Ukraine angreifen, nein, das wird nur von den USA und der Nato behauptet, die Kriegstreiber sind die USA, sie wollen rund um Russland Stützpunkte und dagegen wehrt sich Russland. Bei der Osterweiterung hat man den Russen versprochen, keine Natoerweiterung und was ist jetzt? Die USA will gegen Russland negative Stimmung machen und dann evtl einen Angriff rechtfertigen, so wie sie es immer machen( siehe Irak mit Gift) Leider machen alle Medien dieses üble Spiel mit, auch die AZ.

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29.01.2022

Solange die NATO die Kriegsspielchen der USA akzeptiert und mitmacht, bestätigt Deutschland als Teilnehmer auch hier seinen Status als nicht souveräner Staat.

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29.01.2022

Welche "Kriegsspielchen" meinen Sie denn ?

Also , die Krim und die Südostukraine wurde ja von der russischen Soldateska besetzt , äh - ja , " befreit" ( natürlich , ich bin doch etwas vergesslich) !

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29.01.2022

Alle rätseln nun wie Moskau auf die Antwort des Westen auf Putins Forderungskatalog reagiert. Er fährt jetzt erst Mal nach China zur Olympia Eröffnung und parallel werden Truppen nach Belarus verlegt für das für Feb geplante Manöver. Der Katalog der westl. Sanktionen bei RU Einmarsch in die Ukraine steht nach langem Feilschen zwischen USA, NATO, EU und Nationalstaaten. Nur die Abstufung der Sanktionen für die verschiedenen Varianten des möglichen RU Fehlverhaltens steht noch aus. Das Spektrum der nationalen Meinungen reicht von Präventivsanktionen bis hin zur Tendenz das Ganze selbst möglichst unbeschadet zu überstehen; wenn es um wirtschaftliche Interessen geht steht die Moral hintan. Und die sogenannten "Freundschaften" zwischen Ländern sind oft nur Lippenbekenntnisse. Der UA sollte bewusst sein, dass wenn sie versucht den Donbass mit milit. Mitteln zurück zu holen, steht sie ganz allein da.

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29.01.2022

Wer sind hier die Kriegstreiber? Diejenigen, die territoriale Integrität verletzen und 120.000 Soldaten aufmarschieren lassen, oder diejenigen, die sich dem Entgegenstellen und mit der Androhung harter Konsequenzen versuchen einen Krieg noch abzuwenden? Was Deutschland betreibt, ist den eigenen Verbündeten in den Rücken zu fallen. Diese feige, selbstgerechte, heuchlerisch moralisierende Politik dient den Diktaturen, aber sicherlich nicht dem Frieden. Moral ist keine Politik!

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29.01.2022

NATO bzw. vereinigten Staaten von Amerika sind weltweite Kriegstreiber Nr.1.
Warschauer Pakt wurde aufgelöst. NATO hat sich die Ostländer geschnappt, obwohl das gegen das Abkommen war.

Deutschland ist ein Wackelkandidat? Deutschland sollte mal die USA-Atombomben wieder zurück schicken. Ramstein gleich zu machen. Wer braucht heute noch einen Kriegstreiber?
Ich bin so froh, das die Russen und Chinesen wesentlich vernünftiger sind. Sonst hätten wir längst einen atomaren Weltkrieg.

Was bleibt zu tun?
NATO aufkündigen. Europa gemeinsam stärken und engere Zusammenarbeit mit den Russen und den Chinesen voran treiben.
Die Pipelines nutzen, wofür sie angedacht waren und die Seidenstrasse ruck zuck bauen, damit der europäische Wohlstand erhalten bleibt. Alle Ex-Warschauer Staaten bedingungslos in EUROPA integrieren und gemeinsam mit den Russen Strategien im östlichen Bereich voran treiben.

Im westlichen Bereich der Erde den Amerikanern die partnerschaftliche Hand reichen und wirtschaftlich unterstützen.

Als letzten Schritt, Militär auflösen. Ist reine Ressourcenverschwendung.

Wann begreift die Menschheit, das wir auf dem gleichen Planeten leben? Grenzen wurden von Menschen gemacht.

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30.01.2022

"Ich bin so froh, das die Russen und Chinesen wesentlich vernünftiger sind."

Interessant, wie Sie die politischen Morde, Unterdrückung von Minderheiten, Annektierung von fremden Staatsgebiet und Menschenrechtsverletzungen von diesen diktatorischen Machthabern ignorieren. In einer solchen Gesellschaft möchte ich nicht leben müssen.

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30.01.2022

Wo bitte ist eine territoriale Integrität verletzt, wenn Russland auf eigenem Staatsgebiet egal wieviel Soldaten für ein Manöver auch bis an die Grenze verlegt. Und wer sind die die sich dem "Entgegenstellen" um einen Krieg abzuwenden?
Was Deutschland bzw. seine Regierung betreibt ist, es so weit wie möglich zu keinem Krieg kommen zu lassen.
Und das dürfte bedeutend intelligenter sein als Waffen und Soldaten an der russischen Grenze aufmarschieren zu lassen.
Vielleicht merkt es der/die eine oder andere, dass ein Krieg nicht mehr ausgeschlossen werden kann.
Wer darauf steht, sollte in der vordersten Reihe marschieren, dann wird er am ehesten schlauer sein. Oder aber Tot.

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30.01.2022

"Wo bitte ist eine territoriale Integrität verletzt"

Sie haben die Krim Annektion wohl verschlafen?

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29.01.2022

Man könnte die Aussagen dieses Historikers auch ganz schlicht als Kriegstreiberei bezeichnen!

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29.01.2022

Kriegtreiber - ist ganz allein die Moskauer Truppe , Herr Wolfgang S. !

Sie verwechseln , wie ja in der Vergangenheit schon immer ( und daher auch vorhersehbar) , wieder einmal Roß und Reiter !

Der Historiker , Wissenschaftler und Publizist spricht lediglich die Tatsachen und die Wahrheit aus !

Er sagt was ist !

Das tun und taten im der Moskauer Diktatur zugetanenen Deutschland nur wenige Aufrechte !

Diese Tatsachen und diese Wahrheit ist zwar traurig, für unsere Freunde und Partner natürlich enttäuschend - aber war und ist von den Deutschen ebenso erwartbar und damit leider keine Überraschung !

Gott sei Dank aber gibt es noch Personen wie Herrn Wolffsohn !

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30.01.2022

Das wäre nicht das 1. Mal. Der Mann ist doch mittlerweile bekannt.
Noch was anderes: die USA hatten es vor knapp 60 Jahren auch nicht gerne, daß vor ihrer Haustüre Waffen geliefert und in kriegsbereitem Zustand aufgebaut wurden.

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29.01.2022

Herr Wolffsohn - Vielen vielen Dank !
Sie sind einer der Wenigen in Deutschland , deren Blick nicht verstellt und vernebelt ist .

Ihre Aussagen geben die Wirklichkeit wieder .
Sie beschreiben genau , was ist :

Deutschland ist das Land der sich selbst beweihräuchernden Heuchler und moralinsaueren Moralisten ! Und war es immer !


Am Augenfälligsten wird dies , wenn die für Deutschland aus seinem unsäglichen Tun im 2.WK abzuleitenden Verhaltensweisen als Begründungen für aktuelles Tun angeführt werden .

Das beste Beispiel ist ja Ihr absolut richtiger Hinweis auf 1973 und die Weigerung der damaligen SPD-Regierung , zum Schutz Israels vor Vernichtung wenigstens das Kleinste beitragen zu wollen .
Und das - diese Weigerung- vor dem Hintergrund ebenjener deutschen Historie des Holocaust !

Ein ähnliches Szenario gibt es jetzt wieder !
Das Nazi-Regime hatte Rußland ja erst in die nach 1945 erreichte Machtstellung über Osteuropa hineingebracht .
Es war das Deutsche Reich , welches noch während des 1. Weltkriegs Teile Polens und der Ukraine an Lenin übergaben , um den Seperatfrieden mit Rußland zu bekommen , um seine Truppen für die Westfront freizubekommen.

Und der Stalin-Hitler-Pakt , der dazu führte , daß Stalin Polen auf der Landkarte weiter nach links verschob und polnische Ostgebiete plötzlich und bis heute zu Rußland gehören , darf auch nicht vergessen werden !


Deutschland hat aus der deutschen Historie weitaus mehr Verantwortung für die Freiheit und Sicherheit der osteuropäischen Länder als gegenüber einem beständig seit 1918 von Diktatoren regierten und aggressivst agierenden Rußland , das nun unter Putin sein Reich wiedererstehen lassen möchte !

Diese Wahrheit war und ist in Deutschland nur von ganz Wenigen zu hören .
Sie wird zumeist vom Putinfreundlichen Mainstream massivst unterdrückt - aus den althergebrachten typisch deutschen antiamerikanischen Motiven oder , weil den Deutschen das eigene Hemd (die Gasversorgung) wichtiger ist als die ukrainische Jacke , die Freiheit der Ukrainer und andere osteuropäischer Völker .

Nach der Ukraine wäre ja dann das Baltikum dran und dann Teile von Ostpolen , um das neu-russische Gebiet um Königsberg und die noch fehlenden Teile Ostpolens mit Rußland "zu vereinigen" !

Auf dieser Strategie fußt ja auch die Moskauer Forderung nach Truppenabzug der Nato aus diesen Ländern .

Die fünfte Kolonne Moskaus - das Heuchler- und Moralistenland Deutschland bremst im Sinne Putins absichtlich eine konzentriertere und stringentere Politik aus , die endlich Moskau um Nutzen aller in Osteuropa und auch zum Nutzen der russischen Bevölkerung selbst einhegen könnte .

Es waren auch nicht Brandt und sein linker Adlatus Egon Bahr mit ihrer doch recht naiven "Ostpolitik", die die Sowjetunion zu Fall brachten , es war die Festigkeit der Nato und letztendlich die ( wirtschaftlich sehr kostspielige ) Politik Ronald Reagans !

Mit seiner äußerst verqueren "Ostpolitik" agiert(e) Berlin eben nicht (!) zum Vorteil der Osteuropärer , erst Recht nicht im Sinne der freiheitlich und friedlich gesinnten Russen .

Das genaue Gegenteil ist der Fall !

Erst wenn der Ex-KGB-Major und seine mafiöse Entourage fallen , können die Russen , die Osteuropäer , die Welt aufatmen !

Mit einem anderen , freiheitlichen, friedlichen und demokratischen Rußland kann der Westen sehr gut als Freunde zusammenarbeiten und -leben !

Es wird hohe Zeit für einen regime-change in Moskau !

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29.01.2022

Es ist unglaublich - wie für die "Wolffsohn´s" dieser Welt Krieg, Töten und Morden selbstverständlich ist. Und auch in den Beiträgen und Kommentaren der Augsburger Allgemeinen wird eine Beteiligung Deutschlands an einer militärischen Kraftprobe (Krieg) gegen Russland das "Wort" geredet. Einzig einige wenige Leserbriefschreibende warnen vor einem Aufgezwungenen Krieg, der letztendlich nur der Bereicherung bestimmter Gesellschaftsschichten nützt. Der gemeine Soldat stirbt, die Arbeiter werden ausgebeutet, das Volk hungert und friert ... wie in jedem Krieg. HG

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29.01.2022

Dass die Augsburger Allgemeine einem einschlägig bekannten Hetzer wie Wolffsohn ihre Titelseite überlässt, ist eine Schande. Deutschlands Regierung tut aus meiner Sicht gut daran, nicht in die Kriegspropaganda der Transatlantiker einzustimmen. Die CDU allerdings hat nach Merkels Abgang offensichtlich jeden politischen Anstand verloren.

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29.01.2022

Da mir die Angabe „Historiker“ etwas dürftig erschien, habe ich gegoogelt:
„Michael Wolffsohn (geboren 17. Mai 1947 in Tel Aviv) ist ein deutscher Historiker und Publizist. Er lehrte von 1981 bis 2012 Neuere Geschichte an der Universität der Bundeswehr München.“

Bei allem Verständnis für eine militärische Sicht der Dinge, sollte Herr Wolffsohn zur Kenntnis nehmen, dass Deutschland mehr auf die Überzeugungskraft der Worte als der der Waffen setzt. (Ganz abgesehen davon, dass die NATO nach meinem Eindruck von den Atommächten dominiert wird. Deutschland dagegen verfügt über keine Atomwaffen.)

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29.01.2022

"Die Mehrheit der Bevölkerung auf der Krim und im Osten der Ukraine will eng mit Russland verbunden sein. Das ist, unabhängig von Putin, Fakt". Dabei ist die Idee die Ukraine in eine Art Bundesstaat umzuwandeln durchaus überlegenswert; das könnte die Spannungen im Vielvölkerstaat mindern. Aber unabhängig davon krankt die UA seit ihrer Unabhängigkeit an der mangelnden Führungskraft der jeweiligen Regierenden. Oligarchen tanzen der Zentralregierung auf der Nase herum und betrachten ganze Landesteile als persönliches Eigentum. Hinzu kommt das wirtschaftliche Gefälle zwischen dem relativ armen Westen und den Industriezentren im Osten. Der EU Vertrag mit der UA ohne Berücksichtigung der vollständigen Ausrichtung der Industrie auf Kooperation mit RU, hat der UA weiteren erheblichen wirtschaftlichen Schaden zugefügt. Man hat doch in DEU nach der Wiedervereinigung gesehen wie schwer es war die neuen Bundesländern wieder wirtschaftlich auf die Beine zu stellen; da war man 20 Jahre dran und das bei bei ungleich besseren Voraussetzungen.

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29.01.2022

Der Drohkulisse Putins gegen die Ukraine muss der Westen unter Führung der USA ebenso eine Drohkulisse entgegenstellen, damit
Putin versteht, welch schreckliches Kriegsszenario er mit einem Angriff auf die Ukraine in Bewegung setzt. Der frühere Kanzler und
Putin-Freund Gasprom-Schroeder gehört aus der SPD ausgeschlossen für seine pro-Putin-nahen Äußerungen. Die zurückhaltende
Einstellung von Kanzler Scholz beweist, dass er sich aus diesem Konflikt heraushalten will, richtig aus der jüngsten Geschichte
Deutschlands betrachtet. Es zeigt, wie besonnen der neue Kanzler agiert.

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