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Kind aus Schullandheim in Frankreich entführt und getötet: War es der deutsche „Maskenmann“

Prozess

Kind aus französischem Schullandheim entführt und getötet: War es der deutsche „Maskenmann“?

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    Der sogenannte Maskenmann hat vor Gericht in Frankreich bestritten, den kleinen Jonathan getötet zu haben.
    Der sogenannte Maskenmann hat vor Gericht in Frankreich bestritten, den kleinen Jonathan getötet zu haben. Foto: Loic Venance/AFP/dpa

    An diesem Morgen des 7. April 2004 ist eines der Betten in einem Schullandheim im westfranzösischen Saint-Brevin-les-Pins plötzlich leer. Die Kleidung und Habseligkeiten von Jonathan Coulom, der mit seiner Klasse eine unbeschwerte Woche am Meer verbringen wollte, liegen da, aber von dem Neunjährigen fehlt jede Spur. Die Tür zu dem Sechser-Zimmer war über Nacht offen geblieben und auch das Haus frei von außen zugänglich. Eine großangelegte Suchaktion nach dem Jungen beginnt.

    Ein glückliches Kind „mit dem Kopf voller Träume“ und einer Zukunft vor sich, die ihm brutal entrissen wurde, so sagt es heute seine Schwester Laetitia. Sie war elf, als ihr Bruder während eines Schulausflugs verschwand. Sechs Wochen später wurde sein entkleideter Leichnam an einen Betonblock gebunden in einem Teich rund 30 Kilometer von Saint-Brevin-les-Pins gefunden. Jonathan war erwürgt worden. Ob sein Peiniger ihn auch missbraucht hatte, ließ sich nicht mehr feststellen.

    Ney wurde bereits zu lebenslanger Haft verurteilt

    22 Jahre später begann nun in Nantes ein Prozess gegen den Mann, der des Mordes an dem Jungen verdächtigt wird. Der Deutsche Martin Ney wurde bereits 2012 vom Landgericht Stade wegen dreifachen Kindermordes und zahlreichen Fällen von sexuellem Missbrauch an Minderjährigen zu lebenslanger Haft verurteilt. Seine Opfer waren acht, neun und 13 Jahre alt. Doch während er diese Taten gestanden hatte, bestritt der 55-jährige Angeklagte auch am ersten Prozesstag am Dienstag jede Verantwortung für den Mord an Jonathan Coulom. „Ich habe das nicht getan“, sagte er. Er sei aber „gerne“ bereit dazu, die Fragen des Gerichts zu beantworten.

    Nur wenige Wochen nach dem Auffinden von Jonathans Leiche hatten sich deutsche Ermittler in Nantes vorgestellt, weil die Vorgehensweise an jene eines Serienmörders in Norddeutschland erinnerte. Der von der Presse als „Mann in Schwarz“ oder auch „Maskenmann“ bezeichnete Täter tauchte dunkel gekleidet und vermummt auf, schlich sich in Schullandheimen, Internaten, Zeltlagern und später auch Privathäusern nachts an die Betten seiner Opfer und griff sie sexuell an. Mindestens drei Jungen tötete er, indem er sie erdrosselte. Doch die französische Polizei verfolgte die Spur mangels Beweisen nicht weiter.

    Zuvor hatte der „Maskenmann“ als Pädagoge mit Kindern gearbeitet

    Alles weise auf Neys Schuld hin, sagt heute die Anwältin der Großmutter von Jonathan Coulom, Caty Richard: „Es gibt zu viele Gemeinsamkeiten, die Vorgehensweise ist zu ähnlich, die Opfer gleichen einander zu sehr, als dass es ein Zufall sein könnte.“ 2011 wurde Ney in Deutschland festgenommen. Jahrelang hatte er als Pädagoge mit Kindern gearbeitet oder diese betreut, bis 2008 kinderpornografisches Material bei ihm gefunden und er entlassen wurde. Fünf Jahre nach seiner Verurteilung berichtete ein Mithäftling, Ney habe ihm von drei weiteren Tötungen von Jungen, davon einem in Frankreich, erzählt. Demnach habe er sich gewundert, nicht verhaftet worden zu sein, da ihn ein „Mann mit einem Hund“ gesehen habe.

    Tatsächlich hatte ein Bauer aus der Region kurz nach Jonathans Verschwinden der Polizei erzählt, er sei auf einem einsamen Weg, der zu einem Teich führt, auf einen Mann gestoßen, der neben einem Auto mit deutschem Kennzeichen und geöffnetem Kofferraum stand. Als er ihn erblickte, fuhr er schnell weg. Der Zeuge war mit seinem Hund unterwegs. Im April 2004, nach Jonathans Ermordung, aber vor dem Auffinden seiner Leiche, schrieb Ney laut französischen Medienberichten in einem Pädophilen-Chat, der „Mann in Schwarz“ habe „wieder zugeschlagen“. Er hängte den Link zu einer TV-Reportage über das Verschwinden des französischen Jungen an.

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