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Der Westen darf Russland nicht zum Feind machen - trotz allem

Ulrich Krökel
Kommentar Von Ulrich Krökel
10.12.2021

Die Provokationen aus Moskau sind unerträglich. Die Lage in der Ukraine ist gefährlich. Dennoch wäre es fatal, dauerhaft auf Konfrontation mit dem Kreml zu gehen.

Mahnen, warnen, drohen: Das ist der eher schrille Dreiklang, mit dem US-Präsident Joe Biden seinen russischen Kollegen Wladimir Putin von einer Invasion in der Ukraine abzuhalten versucht. Nach dem Videogipfel mit dem Kremlchef legte Biden noch einmal nach und kündigte für den Ernstfall Strafen an, wie sie die Welt noch nicht gesehen habe. Das Aus für Nord Stream II dürfte ebenso dazugehören wie die Lieferung von High-Tech-Waffen an die Ukraine und die Aufstockung der US-Truppen in Osteuropa.

Wladimir Putin zeigt sich von allen Warnungen ungerührt

Putin zeigt sich derweil ungerührt. Er vertraut auf die Wirkung seiner hochgerüsteten Armee, die im Grenzgebiet zur Ukraine aufmarschiert ist. Doch die Invasionsdrohung verliert mit der Zeit an Kraft und lässt sich auch nicht beliebig oft erneuern. Daher wird der Punkt kommen, an dem Russland militärisch handeln oder klein beigeben muss. Und genau das macht die Lage so gefährlich. Denn einen solchen Gesichtsverlust kann sich Putin kaum leisten. Am Ende könnte ein Zuviel an Abschreckung also das Gegenteil dessen bewirken, was man im Westen eigentlich erreichen will.

Russlands Präsident Wladimir Putin bei einem Video-Telefonat mit US-Präsident Joe Biden.
Foto: Mikhail Metzel, AP/dpa

Es ist deshalb wichtig, dass Biden und seine europäischen Partner in den kommenden Wochen einen Weg finden, neue Brücken nach Moskau zu bauen. Um nicht missverstanden zu werden: Die Hauptverantwortung für die Verschärfung des Konflikts trägt Putin, der 2014 mit der Krim-Annexion und dem Donbass-Krieg auf Eskalation setzte. Ein solcher Gewaltakt lässt sich weder mit der Nato-Osterweiterung noch mit der Westorientierung der Ukraine rechtfertigen. Aber es kann nicht im Interesse des Westens liegen, sich den einstigen Partner Russland dauerhaft zum Feind zu machen.

Man hat das ja alles fast schon vergessen: Dass die G7 mit Putin eine G8 bildeten, dass man sich im Nato-Russland-Rat abstimmte und dass Moskau den Afghanistan-Einsatz des Westens logistisch unterstützte. Ganz zu schweigen von der Aufbruchsstimmung, die Putins Rede im Bundestag 2001 entfacht hatte. 20 Jahre später ist nicht nur die Stimmung finster, sondern auch die Lage.

Der Kreml unterdrückt jede Form von Opposition

Und der Blick nach Russland lässt kaum Spielraum für Optimismus. Der Kreml unterdrückt jede echte Opposition. Regimegegner wie Alexei Nawalny werden mithilfe einer Willkürjustiz eingekerkert und mundtot gemacht. Eine Zivilgesellschaft existiert faktisch nicht mehr. Selbst weltweit angesehenen Organisationen wie Memorial, 1988 von Friedensnobelpreisträger Andrei Sacharow gegründet, stehen vor dem Aus. Menschenrechte und eine Aufarbeitung der stalinistischen Vergangenheit, für die Memorial steht, passen nicht mehr zum Geist der Zeit in Russland.

Nicht nur im Kreml, auch in weiten Teilen der intellektuellen Eliten und nicht zuletzt der Bevölkerung hat ein großrussisch-nationalistisches Denken die Oberhand gewonnen. Und das wird nicht dadurch besser, dass der Trend auch in vielen westlichen Staaten zur Abschottung geht.

Der Westen muss das eigene Blockdenken aufgeben

Dennoch! Bei aller berechtigten Kritik am Putin-Regime kann eine dauerhafte Konfrontation mit Russland nicht im westlichen Interessen sein. Will man aus der Eskalationsspirale ausbrechen, muss man deshalb neue Wege beschreiten.

Dazu gehört auf transatlantischer Seite, das eigene Blockdenken zu hinterfragen. Man mag mit noch so guten Gründen betonen, dass die Nato kein Offensivbündnis ist. Als exklusiver Klub unter US-Führung wird sie aber in Moskau genau so wahrgenommen.

Machtpolitisch sitzt der Westen am längeren Hebel. Aus dieser Position der Stärke gilt es nun, möglichst schnell eine Wiederannäherung zu versuchen.

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Die Diskussion ist geschlossen.

11.12.2021

@ MARIA T.

"Die Ukraine muß schnellstmöglichst in die Nato aufgenommen"
Warum nur in das Militärbündnis NATO und nicht gleichzeitig auch in die EU?

"Mit Ihrer Meinung - Herr Krökel - hätte man 1990 die Sowjetunion nicht besiegt"
Wären sie nicht gar so infantil, könnte man annehmen ihre martialischen Beiträge wären von der Rüstungsindustrie gesponsert . . .

10.12.2021

Mit Ihrer Meinung - Herr Krökel - hätte man 1990 die Sowjetunion nicht besiegt und dem von Stalin ausgelösten und allen seinen Nachdolgern weitergeführten Kalten Krieg ein Ende gesetzt .

Deutschland war damals übrigens der bremsende Klotz am Bein , das Einfallstor im Westen .

Die Putin' sche Danaer-Rede im BT war eine geschickt gelegte Falle eines KGBlers zur Abspaltung Deutschlands gewesen .

Es verwundert heute noch - auch den Diktator an der Moskwa- daß ausgerechnet die Deutschen nicht auf diese Falle hereinfielen .
Ein Betriebsfehler der Geschichte - Gott sei Dank !


Mit Putin - dem KGB - Major - und seiner Entourage , wie er oft aus dem oberen Zirkel der Sowjetunion stammend- kann Rußland nicht Partner sein.

Dies ist erst wieder in einer Nach-Putin-Zeit möglich.

Bis dahin kann aber das von Rußland bedrohte Ukrainische Volk nicht warten !
Die Ukraine muß schnellstmöglichst in die Nato aufgenommen - wenn es sein muß , unter Verzicht auf die von den Russen bereits militärisch annektierte Süd-Ost-Ukraine !

10.12.2021

leider muss ich immer wieder feststellen das die Augsburger Allgemeine viele Reporter hat die es mit der Berichterstattung über Diktatoren nicht so genau nimmt wenn diese aus Russland oder der Türkei sind ??? Hängt das irgendwie mit der eigenen politischen Gesinnung zusammen ? sollten Berichterstatter nicht neutral sein und nur Fakten und über deren Folgen berichten ??

10.12.2021

Was genau fehlt Ihnen bei der Berichterstattung?
Ich halte ihn für ausgewogen. Wenn mir vielleicht etwas nicht gefällt, dass immer wieder Nord Stream 2 in Frage gestellt wird.
(Russland war immer zuverlässiger Lieferant; die USA dagegen haben uns nicht ausgeholfen bei dem Lieferstopp der Ölscheichs in der Ölkrise.)

10.12.2021

Der prorussische Kommentar von Jochen H. ist leicht zu durchschauen. Der Kommenar der AZ von Ulrich Krökel trifft die Sachlage auf
den Punkt. Hinzuzufügen jedoch ist, dass Putin immer wieder durch seine aggressive Drohgebärden gegenüber der Ukraine den Welt-
frieden gefährdet. Deshalb darf Nordstream II nicht in Betrieb gesetzt werden und Biden hat recht mit seiner Drohung gegen Putin
spürbare Sanktionen zu erlassen im Falle des Einmarsches in die Ukraine. Dem Mörder Putin darf man nichts mehr durchgehen lassen.

10.12.2021

Und würden Sie den Maidan Umsturz als voll legitim bezeichnen, den Abend davor noch eine internat. Vereinbarung unterschreiben und am nächsten Tag , die neuen Machthaber einsetzen. Gleichzeitig die rus. Sprache als 2. Amtssprache abschaffen. Was hatten Sie den erwartet, wie der Donbass darauf reagieren würde- mit Freuden- oder Demutsbezeugungen
gegenüber den neuen "Herren" in Kiew. Und mit NS 2 liegen Sie wohl in ihrer Abschätzung vollkommen daneben. Das zusätzlich RU Gas wird benötigt um den Ausstieg aus der Kohle in DEU überhaupt zu ermöglichen. Das geben selbst die Grünen unter Hand zu.

10.12.2021

Mit dem Regime Change in der Ukraine mit Unterstützung des Westens durch Geldmitteln und NGO Aktivitäten im Westen der Ukraine verbunden mit Polarisierung der Bevölkerung in Ost- und Westukraine hat die Konfrontation mit RU erst richtig Fahrt aufgenommen bis zum derzeitigen Kulminationspunkt. RU wird nicht zulassen, dass Kiew im Donbass eine milit. Lösung erzwingt mit einem Angriff auf die Separatisten Gebiete. Dies wäre der "Worst Case" quasi der Casus Belli (Kriegsauslöser). Also sollten sowohl USA als auch RU alles versuchen dies zu verhindern. Und nicht immer gegenseitige Schuldzuweisungen und Moralbewertungen in den Vordergrund stellen. Die UA muss sich auch damit abfinden, dass die Krim nicht mehr zurück kommt.

10.12.2021

Antwort an Georg K. Selbstbestimmung der Ukraine ist o.k. , aber nicht gewaltsame Unterwerfung von Minderheiten unter
den Willen Kiews mit Mitteln der Abschaffung der RU Kultur, Sprache und Verweigerung der Selbstverwaltung. Warum ist Kiew nicht bereit mit den Separatistengebieten direkt zu reden und die Minsk 2 Vereinbarungen umzusetzen? Schon früher hat Kiew der Krim die weitgehende Selbstverwaltung verweigert mit dem bekannten Ergebnis.

10.12.2021

Sie vertauschen Täter und Opfer. Die Ukraine ist die Ukraine. Sich von Russland zu distanzieren war nach der Sowjetdiktatur existentiell. Kulturelle Hegemonie war ebenso essentiell, wie im Baltikum. Die Russen dort wurden systematisch von der Sowjetdiktatur angesiedelt. Auch das muss geheilt werden, leider auf Kosten der Nachfahren, die mir leidtun. Ein weiterer lang andauernder Schaden der Sowjetzeit. Putin ist Täter und Aggressor, das ist nicht wegzudiskutieren.

10.12.2021

2. Gegenrede an Gregor B. Sie sollten sich vielleicht im Detail die Geschichte des Vielvölkerstaates UA informieren. Im Westen ehemals Teil der Habsburger Monarchie; im Norden Teile des alten Polens und im Osten seit Jahrhunderten Vermischung mit ethn. Russen. Im Osten zum Teil rus Bevölkerungsanteil zwischen 50- 60% . Da wird es mit dem kult. Hegemonieanspruch der UA auf Dauer kein gedeihliches Nebeneinander oder Miteinander geben, wenn man keine Autonomie gewährt. Der Vergleich mit den kleinen Balt. Ländern hinkt, da die UA über Jahrhunderte mit RU verzahnt war. Wenn es schlecht ausgeht bleibt Donbass und Lugansk ein "Frozen Conflict" auf unabsehbare Zeit mit wirtschaftl . Teilintegration Richtung RU.