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Die Omikron-Parole der Politik lautet "laufen lassen"

Kommentar Von Christian Grimm
07.01.2022

2G-Plus-Regel in der Gastronomie, offene Schulen, verkürzte Quarantäne: Im Kern haben sich Bund und Länder für die Durchseuchung mit Omikron entschieden.

Die Omikron-Woge türmt sich auf und die Mächtigen machen sich klein. So kann man die Beschlüsse der Ministerpräsidenten und der Bundesregierung lesen. Eigentlich ist es das Eingeständnis, dass man dieser extrem ansteckenden Virus-Variante nichts entgegensetzen kann. Für knallharte Ausgangssperren, Betriebs- und Schulschließungen fehlt der Politik die Kraft und den Menschen – verständlicherweise – der Langmut.

Bundes- und Landesregierungen haben sich für die Durchseuchung entschieden

Angesichts der Impfquote und des milderen Verlaufs bei einer Ansteckung mit der Mutante ist auch fraglich, ob diese Mittel verhältnismäßig wären. Im Kern haben sich Bundes- und Landesregierungen für die Durchseuchung entschieden. Mittels der Verkürzung der Quarantäne-Zeiten soll die Funktionsfähigkeit von Krankenhäusern, Feuerwehr, Polizei sowie der Energie- und Wasserversorgung gewährleistet werden.

 

Die Einführung der 2G-Plus-Regel, wonach nur Genesene und Geimpfte mit negativem Schnelltest oder Geboosterte (ohne Test) eine Kneipe oder ein Restaurant besuchen dürfen, wird Omikron nicht die Wucht nehmen. Für die Gastronomen ist es dennoch ein harter Niederschlag und wird die Umsätze einbrechen lassen.

Schulen bleiben offen – aber für welchen Preis?

Die Schulen bleiben offen, obwohl die Inzidenz bei Kindern und Jugendlichen enorm ist und die Lehrer zum Berufsstand mit den höchsten Ansteckungsraten trotz hoher Impfquote gehören. Wollten die Ministerpräsidenten das Infektionsgeschehen wirksam abflachen, müssten sie Schulen und Kindergarten wieder für zwei, drei Wochen dichtmachen. Der Preis dafür wäre außerordentlich, denn zum Lernrückstand käme gleichzeitig ein Teilstillstand der Wirtschaft hinzu, weil Millionen Eltern nicht zur Arbeit gehen könnten. 

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Diesen Preis wollen die Politiker nicht bezahlen und deshalb haben sie sich dafür entschieden, das Virus laufen zu lassen. Es gibt dafür gute Gründe dafür, wie zum Beispiel das Recht auf Bildung, aber es sollte den Menschen ehrlich gesagt werden. Dazu passt, dass die Impfpflicht – wenn überhaupt – mit Verzögerungen eingeführt werden soll. Die fünfte Welle wird dann wahrscheinlich schon durchgerauscht sein und es braucht die umstrittene Pflicht vielleicht nicht mehr.

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08.01.2022

Da Impfen allein nicht die Lösung ist, geht die Strategie - auch im internationalen Vergleich - in die richtige Richtung, allerdings fehlt - und da hat der Autor des Kommentars recht - die passende Kommentierung bzw. Kommunikation durch die Politik.

Was Herr Grimm aber offensichtlich nach nun fast 2 Jahren Pandemie nicht verstanden hat:

1. Die Inzidenz bei Kindern und Jugendlich ist natürlich hoch, aber es ist auch eine der wenigen Gruppen, die extensiv einem Testregime unterliegen mit mehreren Tests in der Woche, dafür gibt es in dieser Altersgruppe nur noch ein geringes Dunkelfeld. Die Zahl der Infektionen bei Kindern bzw. Schülern ist zudem nicht unabhängig, sondern - das zeigen viele Studien - hängt die Inzidenz bei Kindern und Schülern maßgeblich von der Inzidenz der Gesamtbevölkerung ab. D. h. sehen wir bei den jungen viele Infektionen, sind auch bei den Erwachsenen viele Infektionen aktiv, denen aber nicht immer nachgetestet wird. Und ganz wichtig: Die hohen Infektionszahlen wirken sich nicht durch eine hohe Krankenlast im Gesundheitssystem aus, jedenfalls nicht häufiger als bei den alljährlichen Grippewellen in der Vergangenheit.

2. Was bringt es, Schulen und Kindergärten für 2, 3 Wochen dichtzuachen? Oder soll es gar ein Lockdown sein? So etwas wird das Infektionsgeschehen - zu einem hohen Preis - immer nur bremsen bzw. verzögern, aber nie "auslöschen". Das ist, auch in anbetracht einer nicht geringen Immunisierungsquote in Deutschland (geimpft, geboostert, offiziell und inoffiziell genesen) nicht mehr darstellbar. Zudem helfen die Infektionen in den wenig durch Corona gefährdeteten Altersgruppen, dass die Pandemie zum Frühjahr in eine Endemie übergeht, mit der wir auch in Zukunft leben können und müssen.

"Laufen lassen" wie es der Autor schreibt, stimmt aber auch nicht. Ein kontrolliertes Laufenlassen wie bei uns, d. h. mit Hygienemaßnahmen (die sind ja weiterhin nicht weg), Tests, Schutz der Vulnerablen usw. ist etwas anderes, als richtiges Laufenlassen wie in Brasilien oder Indien geschehen.

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08.01.2022

Hoffentlich hält die Politik diesen vernünftigen Kurs dann auch endlich mal durch. Eigentlich müssten alle Beschränkungen fallen. Erinnert sich noch jemand an die bayerische Krankenhausampel? Die steht seit einiger Zeit auf grün.

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