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Kommentar: Die Zweiklassenmedizin gehört abgeschafft

Kommentar

Die Zweiklassenmedizin gehört abgeschafft

Daniela Hungbaur
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    Es wird schwieriger, einen Facharzttermin zu bekommen.
    Es wird schwieriger, einen Facharzttermin zu bekommen. Foto: Michael Reichel, dpa (Archivbild)

    Beim Kardiologen geht nur eine automatische Stimme ans Telefon. Dabei hat der 86-jährige Leser, der in unserer Redaktion angerufen hat, um auf seine Not aufmerksam zu machen, wichtige Fragen. Er ist mit seinem Problem nicht allein. Viele Patienten klagen darüber, dass kein Mensch mehr in den Praxen erreichbar ist. Auch mit der Online-Terminvergabe kommt nicht jeder zurecht - gerade ältere Patientinnen und Patienten drohen hier von der medizinischen Versorgung ausgeschlossen zu werden. Solche Hürden, die für die Betroffenen im Extremfall lebensbedrohlich sein können, werden kaum thematisiert in der aktuell wieder sehr hitzig geführten Debatte über die Zukunft unseres Gesundheitssystems.

    Es muss gespart werden. Aber dabei könnte die Versorgung sogar noch verbessert werden! Wer sich die Sparvorschläge der Kommission zur Stabilisierung des Beitragssatzes in der gesetzlichen Krankenversicherung anschaut, sieht gute Ansätze. Dennoch ist leider zu befürchten, dass die dringend notwendige generelle Reform des Gesundheitswesens ausbleibt. Es droht, weiter nur herumgedoktert zu werden. Zu Lasten vor allem der Patientinnen und Patienten.

    Beim Sparen könnte die Versorgung sogar verbessert werden

    Bleiben wir bei den Facharztterminen: Dass es schwieriger wird, einen zu bekommen, ist unstrittig. Die Inanspruchnahme steige deutlich, erklären Fachärzte. Dass nicht immer die Patienten zum Zug kommen, die es medizinisch am nötigsten haben, weiß man. Oft ist es reine Glückssache. Vor allem entscheidet auch die Art der Versicherung: privat oder gesetzlich. Und das ist nicht weiter hinnehmbar. Diese Zweiklassenmedizin gehört abgeschafft. Es muss in einem milliardenschweren Gesundheitssystem möglich sein, einen Rahmen zu schaffen, um alle gleich gut zu versorgen.

    Das Geld ist es aber nicht allein. Längst ist bekannt, dass viele Versicherte zum Facharzt gehen, die beim Allgemeinmediziner bestens aufgehoben wären. Eine bessere Steuerung der Patientinnen und Patienten ist nötig. Doch jetzt schnell ein so genanntes „Primärarztmodell“ einzuführen, geht an der Lebensrealität vieler Menschen vorbei. Es sieht ja vor, dass sie immer zuerst eine Hausarztpraxis aufsuchen. Doch in vielen ländlichen Regionen tut man sich nicht nur schwer, einen Facharzt zu finden, es fehlen auch Hausärzte und nicht wenige Praxen sind überlastet. Zwar gibt es vielversprechende Modelle, Assistenznetze um Ärztinnen und Ärzte herum aufzubauen, sodass mehr Patienten versorgt werden können. Das alles braucht aber viel mehr Personal und Zeit, eine rasche Lösung ist das nicht. Zunächst müssten daher verlässliche Versorgungsstrukturen aufgebaut werden. Ignoriert man die vorhandenen Lücken, droht mit einem „Primärarztmodell“ nur ein neuer Flaschenhals in der Versorgung zu entstehen.

    Eine bessere Steuerung der Patienten ist nötig

    Auch immer mehr digitale medizinische Angebote werden allein nicht ausreichen, die steigende Zahl von Patientinnen und Patienten gut zu versorgen. Zwar kann die Digitalisierung sehr zu einer besseren Versorgung beitragen. Noch aber gibt es eben zu viele Menschen, die digital nicht kompetent genug sind. Dies muss gerade in der Gesundheitsversorgung unbedingt berücksichtigt werden.

    Daher darf nun nicht nur darüber gestritten werden, wie unser ohnehin viel zu ökonomisiertes Gesundheitssystem noch stärker wirtschaftlichen Interessen untergeordnet wird. Im Mittelpunkt der Medizin steht der Mensch. Wichtig sind daher vor allem kompetente, empathische Menschen, die in der Gesundheitsversorgung arbeiten.

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