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Steinmeier darf sich wohl auf eine zweite Amtszeit freuen

Kommentar Von Bernhard Junginger
24.12.2021

Weil nun auch die FDP den SPD-Mann unterstützt, haben grüne Bewerberinnen kaum mehr eine Chance. Abgesehen vom Ampel-Gezänk spricht vieles dafür, dass der Bundespräsident im Amt bleibt.

Wie Gans und Christbaum gehört in vielen deutschen Haushalten die Weihnachtsansprache des Bundespräsidenten fest zur festlichen Tradition. Staatstragend, aber ohne viele pathetische Schnörkel hat Frank-Walter Steinmeier da in den vergangenen Jahren durchaus Akzente gesetzt und Orientierung geboten. Wer den Steinmeier-Sound lieb gewonnen hat, darf nun aufatmen.

Seine Weihnachtsansprache in diesem Jahr wird aller Voraussicht nach nicht die letzte sein. Denn auch die FDP spricht sich nun für eine zweite Amtszeit des Ex-Außenministers aus. Das wiederum ist ein echtes Geschenk für die SPD. Die plant jetzt schon ihre Wiederwahl und dabei zählt jede einzelne Stimme. Dass die Weihnachtsansprache dann auch in den kommenden vier Jahren ein SPD-Mann hält, ist ein nicht zu unterschätzender Prestigegewinn. Auch wenn der Bundespräsident traditionell seine Parteimitgliedschaft ruhen lässt und sich als überparteilich versteht: Selbst den Menschen, die sich weniger mit Politik beschäftigen, ist klar, dass es ein Sozialdemokrat ist, der da zu ihnen spricht.

Olaf Scholz erweist sich als geschickter Taktiker

Mag das Amt in der politischen Praxis kaum eine Rolle spielen, formal bleibt es das höchste im Staat. Es wird mit Begriffen wie Würde, Vertrauen, Glaubwürdigkeit und Anstand verbunden, was nicht nur auf den Träger abstrahlt. Sondern auch auf dessen Partei. So hätten die Grünen allzu gern die erste Bundespräsidentin gestellt. Doch der Koalitionspartner soll aus sozialdemokratischer Sicht nicht zu stark werden. Es wird also kein Zufall sein, dass die Grünen bei den Koalitionsverhandlungen in Sachen Posten eher üppig bedacht wurden: Fünf Ministerien plus das Amt der Kulturstaatsministerin. Nun können die Grünen kaum mehr auch noch den Schlüssel zu Schloss Bellevue fordern. So hat die FDP, die als kleinster Teil der Ampel besonders eifersüchtig auf gerechte Postenverteilung wacht, die grünen Präsidentinnen-Ambitionen nun faktisch beerdigt. Wie es scheint hat sich Kanzler Olaf Scholz also mal wieder als geschickter Taktiker erwiesen. Ganz abgesehen davon: Der nüchterne, unaufgeregte Steinmeier ist in diesen aufgewühlten Zeiten vielleicht genau der richtige Bundespräsident.

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Die Diskussion ist geschlossen.

05.01.2022

Es dürfte - oder könnte zumindest - zutreffen, was der Verfasser des Artikels, Bernhard Junginger, gleich zu Beginn über den Bundespräsidenten schreibt:

"Wie Gans und Christbaum gehört in vielen deutschen Haushalten die Weihnachtsansprache des Bundespräsidenten fest zur festlichen Tradtion."

Was mir jedoch beim Lesen dieses Artikels auffällt: Sobald der Name Frank-Walter Steinmeier fällt, läßt der Verfasser des Artikels von seinen Konkretisierungen - Gans, Christbaum, Weihnachtsansprache - ab. Jetzt heißt es:

"Staatstragend, aber ohne viele pathetische Schnörkel hat Frank-Walter Steinmeier da in den vergangenen Jahren durchaus Akzente gesetzt und Orientierung geboten. Wer den Steinmeier-Sound lieb gewonnen hat, darf nun aufatmen."

Steinmeier-Sound? Als ob es nicht auch solche gäbe, die auf noch ganz anderes achten als auf den "Sound" dieses Herrn! Akzente gesetzt? Und worauf? Orientierung geboten? Als ob man das nicht auch konkretisieren könnte! Auch dann, wenn es um die Kommentierung der Nachricht geht, daß sich Steinmeier wohl auf seine zweite Amtszeit freuen darf.

Freude gehört freilich zu Weihnachten. Die Freude, bei der Auswahl eines passenden Christbaums nicht versagt und nicht den Unwillen seiner ehelichen Gemahlin erregt zu haben. Und über die Gans im Backofen. Auch über das gewünschte Buch, in dem der Autor gleich in der Einleitung bekennt, ein begrenztes Publikum ins Auge zu fassen.
Freude dazu vor allem aber die Botschaft, die der Engel des Herrn den Hirten auf dem Felde verkündet:

"Fürchtet euch nicht! Denn siehe, ich verkünde euch eine große Freude, die dem ganzen Volke zuteil werden wird. Denn heute ist euch in der Stadt Davids ein Heiland geboren, nämlich der Messias, der Herr" (Lk 2, 8 ff).

In der Stadt Davids, wohlgemerkt! Jenes David, von dem es im alttestamentlichen Buch Jesus Sirach - unter "Lob der Väter" - heißt:

"In seiner Jugend erschlug er den Riesen / und nahm vom Volke die Schmach, / Indem er seine Hand schwang mit der Schleuder / und das Geprahle des Goljat zerschlug" (Sir 47, 4 ff).

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