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Kommentar: Ob dafür oder dagegen: Bei Organspenden ist eine Entscheidung wichtig

Kommentar

Ob dafür oder dagegen: Bei Organspenden ist eine Entscheidung wichtig

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    Damit Angehörige nach dem Tod eines nahestehenden Menschen nicht entscheiden müssen, sollte jeder zu Lebzeiten entscheiden, ob er seine Organe spenden möchte.
    Damit Angehörige nach dem Tod eines nahestehenden Menschen nicht entscheiden müssen, sollte jeder zu Lebzeiten entscheiden, ob er seine Organe spenden möchte. Foto: Rolf Vennenbernd, dpa

    Niemand setzt sich gern mit der eigenen Sterblichkeit auseinander. Krankheit, Tod, Beerdigung – lieber erst mal weg damit. Vor allem als junger Mensch ist es häufig leichter, Gedanken daran zu vertagen – auf irgendwann. Oft zählt vor allem das Hier und Jetzt. Doch auch junge Menschen haben Unfälle, erkranken schwer, versterben unerwartet. Und egal, ob jemand gerade seine Ausbildung beendet hat und stirbt oder kurz vor der Rente stand: In beiden Fällen müssen Angehörige dann zum Teil schwere Entscheidungen treffen. Etwa darüber, ob Kliniken Organe und Gewebe des hirntoten Kindes, der Schwester oder des Vaters zur Spende freigeben dürfen. In Deutschland entscheiden Angehörige bislang dann, wenn Verstorbene zu Lebzeiten keine Entscheidung getroffen haben, etwa in Form eines Organspendeausweises oder festgehalten in einem amtlichen Dokument. Aber jeder sollte eine Entscheidung treffen – unabhängig davon, ob er seine Organe spenden möchte oder nicht.

    Die Organe des verstorbenen Menschen zur Spende freigeben, um einen anderen Menschen dadurch vor dem Tod zu retten? Oder doch nicht, weil die oder der Verstorbene das vielleicht nicht gewollt hätte? Wer einen nahestehenden Menschen verloren hat, wird in seiner Trauer und womöglich auch Fassungslosigkeit über den plötzlichen Tod häufig nicht wissen, wie handeln. Ärztinnen und Ärzte berichten, Angehörige seien mit solch belastenden Gedanken überfordert, neigten dann dazu, sich gegen eine Organspende zu entscheiden. Ohne sich intensiv mit dem Thema auseinandergesetzt zu haben. Das ist verständlich, dürfte in einer psychischen Ausnahmesituation nur schwer möglich sein und sollte auch von niemandem erwartet werden.

    Die Entscheidung für oder gegen eine Organspende solle jeder selbst treffen

    In Deutschland stehen tausende Menschen auf einer Warteliste und hoffen in absehbarer Zeit auf ein neues Herz, eine neue Niere oder Leber. Mindestens einem von ihnen hätte womöglich ein neues Leben geschenkt werden können – wenn sich die oder der Verstorbene sich für eine Organspende entschieden hätte. Wenn er oder sie mutig genug gewesen wäre, das Gedankenexperiment durchzuspielen und auszuhalten, was nach dem Tod mit den eigenen Organen passieren soll.

    Ob die Entscheidung nun für oder gegen eine Spende ausfällt, wichtig ist, sie zu treffen und schriftlich festzuhalten, was man sich nach dem Tod wünscht. Denn es ist nicht fair, Angehörige so massiv zu belasten und ihnen in ihrer großen Trauer dann auch noch Entscheidungen aufzubürden, denen sie in einer solch schmerzhaften Situation nicht gewachsen sind.

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