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Putins Krieg in der Ukraine hat die Nato zusammengeschweißt

Kommentar Von Katrin Pribyl
23.03.2022

Emmanuel Macron bescheinigte der Nato einst den „Hirntod.“ Die russische Invasion in der Ukraine aber hat die Westmächte enger zusammengebracht.

Seit vier Wochen sieht die Welt in Echtzeit zu, wie russische Raketenwerfer Menschen töten und ein ganzes Land zerstören. Wenn sich an diesem Donnerstag die Staats- und Regierungschefs der Nato-Staaten treffen, schließen sie angesichts der drohenden Folgen zwar aus, mit einer Flugverbotszone direkt in den Ukraine-Konflikt einzugreifen. Eine weitere Eskalation des Krieges aber fürchten die 30 Partner gleichwohl.

Das nukleare Säbelrasseln im Kreml geht weiter – und auch die Gratwanderung des Westens dauert an: So will die Nato die Ukraine weiter unterstützen, um dem Land sowohl auf dem Schlachtfeld als auch am Verhandlungstisch den Rücken zu stärken, wie es US-Präsident Joe Biden ausdrückte. Aber sie lehnt es richtigerweise ab, selbst zur Kriegspartei zu werden, solange kein Mitglied angegriffen wird. Umso mehr will man dem Wunsch aus Kiew nach mehr Waffenlieferungen nachkommen. Auch zusätzliche Sanktionen gegen Moskau sollen laut Ankündigung aus Washington verhängt werden.

Das strategische Ziel der Nato ist noch unklar

Es bleibt die Frage: Welches finale Ziel verfolgen die Westmächte? Der Sondergipfel würde den passenden Rahmen bilden, es aufzuzeigen. Denn das Bündnis präsentiert sich so geschlossen wie lange nicht. Hatte der französische Präsident Emmanuel Macron der Allianz noch vor gut zwei Jahren den „Hirntod“ bescheinigt, wenn auch in einem anderen Zusammenhang, bewährt sich die Nato derzeit als Einheit. Die Partner könnten nun beschließen, dass sie an den Sanktionen festhalten, solange Putin der Ukraine nicht das Recht auf Unabhängigkeit zugesteht. Dass sie die Ukraine mit Waffen geradezu überschütten werden, um die Möglichkeit eines militärischen Siegs zu erhöhen. Dass sie nichts anderes als einen vollständigen Abzug der russischen Truppen akzeptieren.

 

Die Menschen in der Ukraine bezahlen den höchstmöglichen Preis für den Kampf um ihre Souveränität und ihre wie unsere Freiheit. Es ist ihrem mutigen Widerstand geschuldet, dass die Nato die Chance erhält, den autoritären Kräften dieser Welt zu zeigen, dass sich Demokratien zur Verteidigung ihrer westlichen Werte zusammenschließen können, wenn diese infrage gestellt werden. Immerhin wurden bereits einige der Fehler aus den Wochen vor der Invasion korrigiert, als man die Ukrainer militärisch unter- und die Russen überschätzte.

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Truppenaufmarsch der Nato in Osteuropa: Die Drohkulisse steht

Der britische Premier Winston Churchill bemerkte schon vor 83 Jahren, Russland sei „ein Rätsel, verpackt in ein Geheimnis, umgeben von einem Mysterium“. Seine Worte treffen auch auf die heutige Situation zu. Denn wer weiß schon, wie weit Putin gehen wird, um seine Großmachtfantasien auszuleben? Deshalb darf man dem russischen Präsidenten keinen einfachen Ausweg aus dieser von ihm angerichteten Katastrophe bieten, der als Sieg interpretiert werden könnte.

Hoffnung macht, dass die Nato sich bei ihrer Reaktion auf die aktuelle Lage von einem ähnlichen Gedanken leiten lässt, der auch schon Churchill beschäftigte. So kam der Brite zu der Überzeugung, dass es nichts gebe, was die Russen „so bewundern wie Stärke und dass sie vor nichts weniger Respekt haben als vor Schwäche, insbesondere militärischer Schwäche“.

Seit der Invasion hat die Nato deshalb mehr als 100.000 Soldaten in Bereitschaft versetzt, die entweder bereits an der Ostflanke stationiert sind oder jederzeit dahin geschickt werden können. Der Truppenaufmarsch ist beispiellos in der Geschichte der Allianz. Militärflugzeuge überwachen den Luftraum, in Norwegen findet ein Manöver statt, Kriegsschiffe bilden im Mittelmeer, im Schwarzen Meer sowie in der Nord- und Ostsee eine Drohkulisse. Es sind Signale der Stärke in Richtung Moskau.

Alle Informationen zum Konflikt erfahren Sie jederzeit in unserem Live-Blog zum Krieg in der Ukraine.

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