Newsticker
Ukraine meldet schwere russische Raketenangriffe im Osten
  1. Startseite
  2. Politik
  3. Kommentar: Warum die russische Feuerpause eine schlechte Nachricht ist

Warum die russische Feuerpause eine schlechte Nachricht ist

Kommentar Von Margit Hufnagel
06.03.2022

Russland will es Zivilisten in Mariupol ermöglichen, die Stadt zu verlassen. Doch das geschieht nicht aus Menschlichkeit – sondern aus militärischem Kalkül.

Es sind die Momente, die Hoffnung machen könnten. Hoffnung, dass dieser wahnsinnige Krieg doch noch endet, ehe Russland die Ukraine in ein Blutbad verwandelt. Hoffnung, dass der Mann im Kreml doch noch einen Funken Menschlichkeit in sich entdeckt hat. Und doch sollten wir uns nicht täuschen lassen: Dass Präsident Wladimir Putin eine Feuerpause in der Stadt Mariupol angeordnet hat, dass es Zivilisten ermöglicht werden soll, die zerbombte Stadt durch einen humanitären Korridor zu verlassen, ist alles andere als ein gutes Zeichen. Zwar wird den Menschen in der Hafenstadt so eine kleine Verschnaufpause verschafft, die Versorgung mit Lebensmitteln und Wasser kann für wenige Stunden wieder aufgenommen werden.

Putin will nicht helfen, er will freie Bahn

Doch das Ziel von Putin ist nicht, den Menschen zu helfen. Sein Ziel ist es, die Bevölkerung zur Flucht zu bewegen, damit er selbst freie Bahn hat. Der erbitterte Widerstand auch der Zivilisten ist es, der der russischen Armee das Vorankommen schwer macht.

Die steigenden Opferzahlen in der Bevölkerung sind es, die Putin endgültig international isolieren. Beides kann er aushebeln, in dem er die Stadt evakuieren lässt – nur, um dann mit voller Feuerkraft loszuschlagen. Das Vorgehen wäre nicht neu: In Syrien – für Putin immer so eine Art militärische Test-Arena – erlebten die Menschen ähnliches.

Mit Diplomatie und guten Worten ist Putin nicht mehr beizukommen

Mariupol ist für den russischen Präsidenten von besonderer Bedeutung. Gewinnt er die Stadt, hat er die wirtschaftlich so wichtige Verbindung aus dem Donbass ans Meer. Und er nimmt den Ukrainern eine bedeutende Möglichkeit, ihren Stahl und ihren Weizen zu exportieren. Für Putin also ein doppelter Gewinn. Auch die Sorge, dass der Westen angesichts der humanitären Katastrophe in Mariupol doch noch eingreift, dürfte der Kreml zumindest im Hinterkopf gehabt haben.

Die Ukraine, sie muss sich auf schwere Wochen, Monate, vielleicht sogar Jahre einstellen. Denn wenn Wladimir Putin uns eines bewiesen hat: Mit Diplomatie und guten Worten ist ihm nicht mehr beizukommen. Das heißt nicht, dass alle Gesprächskanäle gekappt werden sollten. Politik hat die Pflicht, mit kühlem Kopf zu agieren. Doch der Westen wird sich darauf einstellen müssen, dass die „Zeitenwende“, von der so viel gesprochen wird, mehr ist als ein kurzfristiges Aufbäumen. Diese Welt, sie ist eine andere geworden.

Lesen Sie dazu auch

Alle Informationen zur Eskalation erfahren Sie jederzeit in unserem Live-Blog zum Krieg in der Ukraine.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

07.03.2022

Ein sehr bedenkenswerter Kommentar von Margit Hufnagel, der hochaktuelle und wichtige Zusammenhänge ins Blickfeld rückt.
Der Westen, und vor allem die Ukraine, ist auf der Verliererstraße, weil die unbarmherzige und skrupellose Entschlossenheit von Putin nicht rechtzeitig erkannt und ihr mit einer wirkungsvollen Strategie begegnet wurde.
Nun sitzt die Ukraine mitsamt den westlichen Staaten in der Falle.
Wenn Olaf Scholz von einer Zeitenwende spricht, ist es vor allem deswegen eine Zeitenwende, weil bei ihm und vielen anderen Akteuren Ernüchterung und kollektive Hilfslosigkeit herrscht. Das ist eine bittere Wahrheit. Keine guten Aussichten. Trotz sehr großer Anstrengungen sind die Ukraine und und mit ihr das friedensstiftende Völkerrecht auf der Verliererstraße.

Permalink
06.03.2022

Man kann dem Kommandeur vor Ort oder Putin natürlich unterstellen, er würde die Zilvilisten nur abziehen lassen, "um freie Bahn zu haben", oder aber auch anerkennen, daß er das Kriegsvölkerrecht einhält: "Angriffe gegen militärische Ziele müssen unter größtmöglicher Schonung der Zivilbevölkerung und einzelner Zivilpersonen durchgeführt werden. Angriffen, welche die Zivilbevölkerung in Mitleidenschaft ziehen können, muss eine wirksame Warnung vorausgehen, es sei denn, die gegebenen Umstände erlaubten dies nicht".

"Der erbitterte Widerstand auch der Zivilisten" ist hingegen ein Verstoß gegen das Kriegsvölkerrecht, denn Zivilisten sind "völkerrechtlich nicht zur Teilnahme an Feindseligkeitenberechtigt...Zivilpersonen verlieren ihren besonderen Schutz, sofern und solange sie unmittelbar an Feindseligkeiten teilnehmen [und können] ...während der Vornahme dieser Handlungen als militärisches Ziel bekämpft werden. Sie haben keinen Anspruch auf den Kriegsgefangenstatus."

Der Artikel enthält viel Meinung und Emotion (das ist in einem Kommentar auch zuläsig), aber leider wenig Substanz.

Permalink
06.03.2022

Zivilisten dürfen nicht bewaffnet kämpfen. Sie haben keinen Kombandantenstatus.
Aber ich wüsste nicht, dass es gegen das Völkerkriegsrecht ist, unbewaffnet Panzer zu umringen und die Soldaten zur Heimkehr aufzufordern. Auch das ist Widerstand. Genau deswegen wird Putins Angriff scheitern. Die ukrainische Bevölkerung ist strikt gegen ihn. Und die russischen Soldaten bekommen das mit. Es werden die sich immer mehr fragen wieso sie da sind.

Zivilisten können sich in Milizen und Verteidigungskräften organisieren und melden. Sie müssen sich kennzeichnen und müssen die Waffen offen tragen. Das ist erlaubt.

Permalink
07.03.2022

@ Harald V:
zu Absatz 1) Da haben Sie Recht, sofern der Widerstand gewaltlos ist, ist er selbstverständlich zulässig.

zu Absatz 2) Das ist ebenfalls richtigt, allerdings sind sie dann keine Zivilisten mehr, sondern Kombattanten, also reguläre Kämpfer.

Permalink
06.03.2022

Es ist immer wieder interessant zu lesen, dass immer noch modernere Waffen geliefert werden sollen, damit sich die "armen Leute" endlich "richtig wehren" können. Ist die Ukraine vielleicht ein dritte Welt Land? Und immer mit den "politischen Versagern" im Hintergrund.
Glaubt hier wirklich jemand, dass es auf die "modernen Waffen" ankommt?
Unsere Politiker dürften einem Hirngespinst aufsitzen. Nicht immer noch mehr Waffen werden die Todeszahlen nach unten drücken sondern immer weniger Waffen. Jede Waffe dürfte dafür sorgen, dass es immer mehr Tote gibt.
Aus diesem Grund ist die Forderung falsch und die 100 Milliarden für die angeblich kaputtgesparte Bundeswehr ist nicht besser.

Permalink
06.03.2022

Und was glauben Sie was passiert wenn eine angegriffene Nation keine Waffen zur Verteidigung hat? Bis jetzt hat Putin doch jeden der sich gegen ihn stellte ermorden lassen oder ab ins Arbeitslager, und wer dann eine angeschlagene Gesundheit hat, der kommt dann nicht mehr raus.

Gut dann soll sich die Ukraine ergeben, alle die Putin im Weg stehen verschwinden irgendwo, wo keiner nachvollziehen kann was mit ihnen passiert ist. Und welches Land ist als nächstes dran? Einen Typen wie Putin kann man nicht trauen und wenn man sieht wieviel Angst er hat, dass er sogar seine engsten Mitarbeiter und Vertrauten auf Abstand hält, dann beten Sie nur, dass die russische Armee nicht eines Tages an unserer Grenze steht und er die ehemaligen Gebiete der DDR auch zurück haben will.
Im Grunde kann nur noch helfen, dass einer der weltweiten Politker eine zündente Idee hat, wie dieser Despot ohne Gesichtsverlust aus dem Dilemma, in das er sich selbst manövriet hat, heraus kommt. Und auch das ist noch nicht einmal sicher.
Ich warte immer noch auf die glorreiche Idee solcher Kommentatoren, wie Sie, mit welchen Mitteln Sie verhindern wollen, dass es keine Kriege mehr gibt. Wir können aber natürlich auch abwarten, bis sich dann alle diese Diktatoren gegenseitig aus dem Weg räumen, bis das geschieht gibt es dann kein Deutschland, kein Europa mehr.

Permalink
06.03.2022

Rainer Nödel, ich gebe Ihnen recht, es sollten keine weiteren Waffen mehr in die Ukraine geliefert werden, denn diese sorgen dort nur für eine Verlängerung von Zerstörung und Tod und am Ende womöglich für einen großen Krieg zwischen Nato und Russland mit fürchterlichen Folgen. Anders sieht es aber mit der schnellen und massiven Aufrüstung der Bundeswehr aus: Dann sind Waffen, die im besten Fall nie zum Einsatz kommen, weil sie helfen, einen weiteren Krieg in Europa zu verhindern.

Permalink
06.03.2022

Die Ukrainer brauchen Waffen um sich verteidigen zu können. Russland bringt jede Menge Waffen in die Ukraine.
Zu glauben, dass keine Waffen Frieden bringen ist nur naiv.

Waffenlieferungen an die Ukraine sind legitim. Die Ukraine wird angegriffen. Es hat jeder das Recht auf Selbstverteidigung. Für Tod und Zerstörung ist nur der Aggressor verantwortlich!
Es ist zudem arrogant und überheblich, hier im Freiheit und Frieden, zu säuseln, dass man den Opfern eines Despoten die Möglichkeit auf Selbstverteidigung nehmen soll, weil es ja Tote geben könnte.

Mit dieser Logik und Naivität würden wir nicht in einer Demokratie und Freiheit leben.

Das Geld in die Bundeswehr ist gut angelegt. Putin muss wissen, dass die NATO-Grenze eine rote Linie ist.
Oder will hier jemand unter Putin leben?

Permalink
07.03.2022

Wenn ich "immer weniger Waffen" schreibe, dann gilt das natürlich für alle, den Osten genau so wie für den Westen.
Wenn keiner Waffen hat wird es schwierig Krieg zu führen.
Und es wäre mal hilfreich, in der Vergangenheit zu suchen, wer wann für Abrüstung war und wer das torpediert hat.
Vielleicht gibt es dann das eine oder andere AHA-Erlebnis.

Permalink
06.03.2022

"Der erbitterte Widerstand auch der Zivilisten"
In Mariupol?! Noch weniger Ahnung können Sie kaum haben.

Permalink
05.03.2022

wann geben unsere politischen Versager den armen Leuten endlich moderne Waffen mit denen sie sich richtig wehren Können ? leichte aber durchschlag Kräftige Panzerbrechende Waffen mit denen ein man ein schweres Gerät zerstören kann ! eine Bundeswehr die nur zuschaun Muss kann damit sow's nichts anfangen und in 24 stunden ist aus den usa jeder Nachschub da !! war doch vor 50 Jahren auch möglich !!wann wird endlich das vermögen von Verräter Schröder eingezogen ?? seine EX Frau hat ja schon ausgesprochen was der liebe Gerhard ist

Permalink
05.03.2022

Wenn aus Mariupol die Zivilbevölkerung abgezogen ist, wird die Stadt zur offenen Stadt - da ist dann nichts mehr zu schützen. Die Stadt wird ausradiert im Extrem bis zur bedingungslosen Kapitulation der verbleibenden Verteidiger. Das ist leider im Krieg einfach so . Auch in Vietnam oder im Irak haben die Amerikaner gegnerische Truppenteile, die sich nicht ergeben wollten eingekesselt, verfolgt und soweit möglich vernichtet.

Permalink
07.03.2022

Offene Stadt? Schon mal nachgeschaut was das eigentlich heisst?
Paris und Rom wurden im 2. WK zur offenen Stadt erklärt.

Mariupol wird nie ganz zivilistenfrei sein. Ist auch in der Kürze der Zeit auch gar nicht annähernd möglich.

Wieso werden hier wieder die Amerikaner genannt? Soll hier wieder Putins Vorgehen entschuldigt werden?
Die Amerikaner haben das so gemacht. Aber auch Deutsche, Franzosen, Spanier, Briten, Chinesen, Japaner und auch Russen. Jeder. Das ist normales militärisches Vorgehen. Feindliche Kräfte auszuschalten. Was nicht unbedingt vernichten heisst.

Permalink
05.03.2022

Wenn man die Möglichkeit hat sich zu informieren sind solche Kommentare weder zu ertragen noch reflektieren sie die Wahrheit.

Permalink
06.03.2022

Was hat Ihnen an diesem Kommentar nicht gefallen?

Permalink
06.03.2022

Das alte Lied, es werden keine Fakten diskutiert sondern emotionale Geschichten erzählt.

Permalink
05.03.2022

Putin braucht auch eine Pause für seine Soldaten und die Versorgung mit Nachschub Verpflegung, Munition Betriebsstoff ist auf die Strecke hin auch nicht einfach

Permalink