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Putin beendet Europas Selbsttäuschung in der Außenpolitik

Kommentar Von Christian Grimm
16.02.2022

Amerikaner und Europäer riefen nach dem Ende der Sowjetunion eine neue regel- und wertebasierte Weltordnung aus. Diese ist gescheitert und Deutschland darauf nicht vorbereitet.

Sie ist wieder da. Oder besser gesagt, sie war nie weg. Die Europäer hatten sich das nur eingebildet nach dem Untergang der Sowjetunion vor drei Jahrzehnten. Der russische Präsident Wladimir Putin hat in den letzten Wochen diese Illusion zerstört. Er betreibt Großmachtpolitik mit ihren klassischen Zutaten – Kriegsdrohungen, das Definieren von Einflusszonen, die Kontrolle von Rohstofflieferungen und abhängige Pufferstaaten.

Es ist das ganze hässliche Arsenal der Außenpolitik, das der Westen nach der Niederlage des Kommunismus einmotten wollte. An seine Stelle sollten Regeln, Handel und Verträge treten. Kurz: Die Stärke des Rechts, statt das Recht des Stärkeren. Gerade für die Europäer klang das verheißungsvoll, die als mittlere Mächte für das große Spiel des Weltgeschicks nicht mehr genügend Gewicht aufbrachten. Besonders verheißungsvoll klang es für die Deutschen. Die Barbarei des Nationalsozialismus hat die Härte in der Außenpolitik und den Einsatz des Militärs diskreditiert. Und für eine Exportnation mit führender Industrie ist nichts besser als die Erschließung neuer Märkte durch Handelsabkommen.

Die USA definierten weiter ihre Einflusszonen

Die neue Weltordnung hatte natürlich einen blinden Fleck. Sie gedieh unter dem Schutz der Vereinigten Staaten von Amerika und ihres Militärs. Die USA nahmen weiterhin selbstverständlich für sich in Anspruch, Einflusszonen zu definieren. Letztlich war das Westeuropa seit 1945. Diese Einflusszone wurde ab Mitte der 90er Jahre auf Osteuropa ausgedehnt. Für die Länder bedeutete das einen Gewinn – die Einbindung in die wirtschaftliche Sphäre des Westens hat – nach rauen Anfangsjahren – den Wohlstand deutlich wachsen lassen. Die Kosten für die Verteidigung gingen entgegengesetzt dazu deutlich zurück.

Die brennenden Zwillingstürme des World Trade Centers in New York markieren das Ende der wertegeleiteten Außenpolitik des Westens.
Foto: Marty Lederhandler/AP/dpa


Nach dem Terroranschlag vom 11. September 2001 verabschiedeten sich die USA von der Außenpolitik ohne Hässlichkeiten. Präsident George W. Bush ließ Afghanistan und den Irak angreifen und besetzen. Für die Invasion Iraks wurde als Kriegsgrund die Existenz von Massenvernichtungswaffen herbeigelogen. Die USA haben den Nahen und Mittleren Osten in Brand geschossen.

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Für Russland und in China war spätestens dann klar, dass das westliche Projekt der regel- und wertegebundenen Außenpolitik an Doppelzüngigkeit nicht zu überbieten ist. Der Westen redet zwar viel von Handel, Wandel und Verträgen, aber im Zweifel betreibt seine Führungsmacht knallharte Großmachtpolitik. Russland und China sind mittlerweile ökonomisch und militärisch wieder stark genug, um im großen Spiel – dem Great Game – kraftvoll mitzumischen. Sie legen Gebiete fest, die sie kotrollieren wollen und in denen der Westen nichts zu sagen haben soll. Prominenteste Beispiele sind gerade die Ukraine und der Inselstaat Taiwan.

Deutschland ist mental auf Realpolitik schlecht vorbereitet

Das kollidiert natürlich mit der westlichen Idee der Bündnisfreiheit aller Staaten – seien sie noch so klein. Dahinter steckt die Überzeugung, das ökonomisch und kulturell attraktivere Angebot zu haben als Peking und Moskau. Für die Länder in der Einflusszone ist es existenziell bedrohlich, wenn sie in der Einflusszone liegen. Denn dann wird über sie gesprochen statt mit ihnen. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj muss das gerade leidvoll erfahren.

Die Europäer und die Deutschen bekommen zu spüren, dass sie ohne die gewaltige Macht der USA im Rücken Russland nur wenig entgegenzusetzen haben. Problematisch daran ist, dass sich die USA eigentlich von der alten Welt Europas zurückziehen und sich stärker dem neuen Konkurrenten China zuwenden wollen. Für Deutschland heißt es, die Hässlichkeiten der Außenpolitik neu lernen zu müssen. Denn ohne diese Fertigkeit wird es der Europäischen Union an Schlagkraft in der neuen, alten Weltordnung mangeln. Ob die Bundesregierung darauf vorbereitet ist? Im Koalitionsvertrag der Ampelparteien ist viel von Werten die Rede. Das klingt gut, ist aber zu wenig.

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Die Diskussion ist geschlossen.

20.02.2022

@ HELMUT EIMILLER

"Lernfähigkeit zeigen und auf die überraschend als „böse“ Entlarvten kräftig einknüppeln."

So ist es. Das "Entlarven der Bösen" dauert bei einigen Zeitgenossen oft etwas länger. Weil es schon 2015 für viele nicht einfach war. Da die USA per se - wie John Wayne im Hollywood-Schinken - immer die friedliebenden Guten sind fielen sie als Watschenmann aus. Der Einfachheit halber prügelte man kräftig auf Merkel und die armen Flüchtlinge ein. Wer da nicht mithetzte fand sich in der Schublade der etwas doofen, gefährlichen Gutmenschen bzw. gar der Deutschlandhasser, Kommunisten, Linksextremisten und dgl. Gelichter mehr wieder.
Die Erkenntnis, dass die US-Politik des "Regime change", der lügenbasierte Irak-Krieg, das Vorgehen in Libyen faktisch ein Riesen-Förderprogramm für die Mordbuben des IS und dessen Schlepperbanden war, hat sich bis in unsere Tage immer noch nicht überall durchgesetzt.

2022 gestaltet sich das "Entlarven der Bösen" noch schwieriger, ja scheint sogar ein relativ gutes Gedächtnis und ein etwas fortgeschrittenes Lebensalter vorauszusetzen. Die USA geben wieder mal samt NATO die Guten. Nachdem sie mit einigen Milliarden Dollar und einem weiteren "Regime change" in der Ukraine genügend Stunk gemacht, quasi das "Schlachtfeld" vorbereitet hatten, stellen sie sich nun heldenmütig dem "bösen Aggressor" Russland samt seinem Präsidenten Putin, selbst sicher kein Unschuldslamm, entgegen. Der hat einfach keine Lust zu akzeptieren, dass sein Land entgegen gegebener Zusagen von bis an die Zähne bewaffneten NATO-Staaten mit Militärbasen der USA umzingelt und sein Russland ein weiteres Mal vom Westen verarscht wird. Und findet dabei die Unterstützung seiner Landsleute. Hat er doch von dem allzu gutgläubigen Gorbatschow und dessen versoffenem Nachfolger Jelzin einen total heruntergewirtschafteten, korrupten Laden übernommen und eine halbwegs funktionierende staatliche Ordnung im größten Land der Erde und Vielvölkerstaat wieder hergestellt sowie islamistische Einflüsse bislang erfolgreich ferngehalten. Trotzdem bleibt sein Land auch für US-Präsident Biden nur eine Regionalmacht.

Vor diesem wenig strittigen historischen Hintergrund ist für die westlichen Medien fast unisono klar, wer auch im derzeitigen ganz großen Kino den "Guten Part" spielt und wer den bitterbösen.

Wer dabei nicht mitheult und hetzt findet sich auch 2022 in der Schublade der gefährlichen Gutmenschen und wird zusätzlich noch ganz harmlos zum Putin-Versteher. Sozialist, Kommunist, Linksextremist und dgl. Bezeichnungen sind nicht neu, das war 2015 als es gegen die Flüchtlinge und Merkel ging auch nicht anders.

Die nach eigener Einschätzung "Vernünftigen" zeichnen sich in dieser Schmierenkomödie durch lautestes Kriegsgeschrei und eine hasserfüllte martialische Sprache aus.

Nur ein gravierender Unterschied scheint mir entscheidend zu sein:

Die deutschen Interessen wären 2022 bei den auf Ausgleich und Beachtung auch russischer Anliegen bedachten "Gutmenschen" besser aufgehoben als bei den aus miefiger Gruft wieder auferstandenen kalten bis heißen Kriegern. Diese Erkenntnis könnte uns allen bereits schneller als erwartet nicht erspart blieben.

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20.02.2022

".. der Schublade der etwas doofen, gefährlichen Gutmenschen bzw. gar der Deutschlandhasser, Kommunisten, Linksextremisten und dgl. Gelichter mehr wieder."

Noch nie habe ich von Ihnen eine so gute Selbsteinschätzung gelesen. Man könnte noch "Geschichtsvergessen" ergänzen.

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20.02.2022

Herr Kr., Sie gaben mir das Stichwort, worauf ich gestern am späten Abend (zugegeben, nach etwas Rotweingenuss) den Versuch startete, auf die Widersprüchlichkeit oder „hohe Flexibilität“ mancher Akteure (vgl. auch letzte Extra 3-Sendung: „Markus ,Fähndl in the Wind‘ Söder“) aufmerksam zu machen.
Meine Meinung zu Ihrer Erweiterung des Themas ist, dass man die Realität mit einer groben Kategorisierung wie hier das (die) Gute(n) und dort das (die) Böse(n ) nicht erklären kann. Und unter einem „Gutmenschen“ wird heute eher ein naiver Mensch verstanden; insofern dürfte meine Einschätzung hierzu klar sein.
Bei dieser Gelegenheit, die Aussage von der Regionalmacht Russland kenne ich von Obama. – vgl. https://www.spiegel.de/politik/ausland/ukraine-krise-obama-verspottet-russland-als-regionalmacht-a-960715.html

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19.02.2022

@Georg Kr., 19.02.22, 13:15 Uhr: „mantraartigem Runterleiern“
Also Herr Georg Kr., wenn wir auf eine total andere Realität als erwartet treffen, dann sollten wir alle doch eine gewisse Lernfähigkeit zeigen und auf die überraschend als „böse“ Entlarvten kräftig einknüppeln. Ich nenne Ihnen mal Akteure, denen das besonders gut gelungen ist:
Die Interessenvertretung Athleten Deutschland warf dem IOC unter anderem vor, zu "Menschenrechtsverletzungen" in China zu schweigen. So habe der Gastgeber die Winterspiele "als Plattform für seine Propagandazwecke nutzen" können (ZDFtext Seite 206).
Und Sie wissen ja, diese schlimme Vorgehen der Russen 2014 mit der Annexion der Krim. Na ja, ganz so schlimm kann’s dann doch nicht gewesen sein, denn danach wurde ja mit dem Bau von Nord Stream 2 begonnen. Es sollen in diesem Zusammenhang sogar Bürgschaftserklärungen von der Bundesregierung abgegeben worden sein; Genaueres ist allerdings nicht bekannt geworden. Als gesichert gilt allerdings, dass Frau von der Leyen damals Mitglied dieser Bundesregierung war. Jetzt, nachdem ihr wohl jemand in Brüssel gesagt hat, dass am anderen Ende der Leitung Gazprom sitzt, will sie weg von diesem Unternehmen. – vgl. https://www.n-tv.de/politik/Von-der-Leyen-will-weg-von-Gazprom-article23140039.html

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19.02.2022

SPIEGEL online von heute:

"Am Ende einigte man sich in den »2+4«-Verhandlungen auf einen Kompromiss: Deutschland blieb Nato-Mitglied, aber zumindest für eine gewisse Zeit sollten keine westlichen Soldaten in der ehemaligen DDR präsent sein.

Dass man Russland nach dessen Entgegenkommen kein weiteres Vorrücken des Bündnisses zumuten könne, war unter den westlichen Eliten damals breiter Konsens – unabhängig davon, ob eine solche Garantie klar ausgesprochen oder schriftlich fixiert wurde. Das belegt nun ein Vermerk aus dem britischen Nationalarchiv, das der amerikanische Politikwissenschaftler Joshua Shifrinson entdeckte. Es handelt von einem Treffen der politischen Direktoren der Außenministerien der USA, Großbritanniens, Frankreichs und Deutschlands in Bonn am 6. März 1991.

Das Dokument belegt, dass Briten, Amerikaner, Deutsche und Franzosen darin übereinstimmten, dass eine Nato-Mitgliedschaft der Osteuropäer »inakzeptabel« sei. Der deutsche Vertreter Jürgen Chrobog erklärte dabei: »Wir haben in den 2 plus 4 Verhandlungen deutlich gemacht, dass wir die Nato nicht über die Elbe hinaus ausdehnen. Wir können daher Polen und den anderen keine Nato-Mitgliedschaft anbieten.«"

https://www.spiegel.de/politik/deutschland/putin-russland-ukraine-selenskyj-krieg-nato-corona-proteste-freedom-day-a-ca8c90b9-c613-49b4-8916-2dc603339394

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19.02.2022

Ich stelle fest, die "Angriffswoche" ist vorüber.
Nun braucht es neue Meldungen um das Schreckensszenario aufrecht zu erhalten.
Hysterie an allen Orten und von (fast) allen Seiten - statt der für die Sicherheit Europas so notwendigen Diplomatie.
Die Ukraine und damit Europa darf nicht zum Spielball der Macht werden - eine Einreihung in die Kette Korea-Vietnam-Irak-Syrien muß verhindert werden.

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18.02.2022

Die neuerliche unverschämte russische Provokation, von BILD und der US-Administration gesetzte Angriffstermine zum wiederholten Mal nicht einzuhalten hat eine Ursache, den uns das Springer-Schmierenblatt heute endlich nennt: "Putin sucht Vorwand für einen Angriff".

Mensch Wladimir, da du in dieser Hinsicht noch wenig Erfahrung hast - ruf doch einfach George W. Bush an, Stichwort "Irak", der hat bestimmt einen guten Tip . . .

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18.02.2022

Da haben Sie völlig Recht, Georg KR.,
in genau diesen personellen Zusammenhang muss man Putin stellen: Er passt gut zu George W. Bush!
Wenn ich Krieg haben will, suche ich mir einen Grund. Dann lass ich halt meine tschetschenischen Truppen los, die ich in der Ostukraine als Separatisten eingesetzt habe (sic!).

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18.02.2022

Na also, den Amis nacheifern, kann doch nicht so verkehrt sein, oder hab' ich da was falsch verstanden?
Was den einen die tschetschenischen Truppen besorgen erledigen den andern die Blackwater-Söldner . . .

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18.02.2022

Keine Ahnung warum Sie davon ausgehen, dass ich die USA verteidigen müsste. Das ist hier überhaupt nicht das Thema, sondern dass der totalitäre Herrscher Putin mitten in Europa einen Krieg beginnen wird.
Heute hat er die Kommunikationsnetze in der Ostukraine stundenlang lahm gelegt. Dasselbe hat er 2014 vor dem Einmarsch seiner irregulären Truppen getan.
Aber die russischen Trolle im Internet werden sicher auch hier einen sinnlosen US-Vergleich konstruieren können.

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18.02.2022

Ach übrigens:
Не каждый, кто говорит по-русски, хочет быть подданным Путина.
(Nicht jeder, der Russisch spricht, will Putins Untertan sein./Übersetzung durch die Moderation/bitte schreiben sie nur in deutscher Sprache/NUB 7.3)

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18.02.2022

Sie machen es sich zu einfach. Auch Russland sind Sicherheitsinteressen zuzugestehen und Sicherheitsabstände.

Wenn die Ukraine nicht in der Lage ist, ein vernünftiges Verhältnis zum Nachbar Russland zu finden, sondern mit Macht sich einem gegen Russland gerichteten Militärbündnis anzuschliessen versucht, sollte sie sich über Konsequenzen nicht wundern.

Auch in der Ukraine haben die USA wie so häufig gezündelt. Alles schon zigmal erklärt und es langweilt mit der Zeit. Russland ist nicht der Alleinschuldige an der längst absehbaren Entwicklung. Russland fühlt sich vom Westen über den Tisch gezogen. Ein Kränkung, die gefährliche Folgen haben wird.

Die schrillen Töne aus den USA sind nicht gerade dazu angetan eine kriegerische Auseinandersetzung zu vermeiden - sie provozieren das genaue Gegenteil.

Leidtragende werden auch die Staaten sein, die nach dem Abzug der russischen Streitkräfte nach dem Ende der Sowjetunion sofort den Anschluss an die NATO suchten.

Ich fürchte, nach dieser Auseinandersetzung werden die europ. Karten neu gemischt. Unter vielen Verlierern, zu denen auch wir Deutsche gehören werden.

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18.02.2022

Ach so, die Ukraine darf keine freie Entscheidung über ihre Bündnisse treffen, weil sie Rücksicht auf einen Diktator nehmen muss? Echt jetzt?
Es gibt einen Grund, warum sämtliche demokratischen Länder Osteuropas (und andere Ex-SSRs) in die NATO wollen: Sie haben Angst und Willen nicht zurück ins Reich!
Bei den Interessen, die Sie hier regelmäßig vertreten, dürfen Sie übrigens sicher nicht „wir Deutsche“ schreiben ;-) Darüber kann auch das Avatarbildchen nicht hinwegtäuschen.

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18.02.2022

Michael W., die Nato wurde gegründet, um in Europa den Frieden zu sichern. Alle Mitglieder der Nato haben natürlich auch das Recht, neue Mitglieder abzulehnen, wenn das ihre Sicherheit und die Sicherheit Europas gefährdet. Eine Osterweiterung der Nato darf auch nicht zu Lasten der Sicherheitsinteressen Russlands gehen. Was würden wohl die Amerikaner tun, wenn Russland an ihren Grenzen Truppen stationieren würde? So schwer ist das eigentlich nicht zu verstehen, oder?

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19.02.2022

Wenn Sie schon meinen, ständig jedem und jeder, der auf die etwas in der Vergangenheit liegenden Ursachen, Versäumnisse und Fehler hinzuweisen, die zur derzeitigen Kriegsgefahr führten, unterstellen zu müssen, er betreibe das Geschäft Putins und Russlands - erlaube ich mir schon die Frage, wessen Interessen eigentlich Sie vertreten.

Sind sie Ukrainer oder Deutscher? Die Interessen Deutschlands in diesem Machtspiel zweier Großmächte vertreten Sie und einige Ihrer Brüder und Schwestern im Geiste jedenfalls nicht. Im deutschen Interesse ist eine Deeskalation und ein mäßigendes Einwirken auf die Streithähne, ist jeder Versuch das Äußerste zu verhindern.

Sie betreiben das Gegenteil davon. Wer so dämlich vom finanziellen und wirtschaftlichen Ruin Russlands schwadroniert, seinen Hass auf dieses Land und seinen Präsidenten mit jedem Beitrag wie eine Monstranz vor sich herträgt, betreibt Kriegshetze.

Sie schaden damit Deutschland und den Deutschen sehr massiv. In wenigen politischen Auseinandersetzungen ist gut u böse, schwarz und weiß eindeutig und klar erkennbar, meistens gibt es viele Grautöne. Das nicht zu sehen oder sehen zu wollen ist ziemlich dumm und naiv.

Auch die NATO samt den USA als angeblich defensives Militärbündnis täten gut daran, statt das Nichtmitglied Ukraine mit Waffen vollzustopfen, deeskalierend zu wirken. Das Gegenteil erleben wir gerade. Sehenden Auges treiben sie die Ukraine in die Katastrophe. Die Rüstungsindusriellen reiben sich die Hände.

Wer hier total einseitig parteiisch und teilweise übel hetzend argumentiert sind Sie und wie gesagt einige Ihrer Brüder und Schwestern im Geiste.

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19.02.2022

Wer in Europa hybride Kriege beginnt, Grenzen militärisch verschiebt, missliebige Personen mitten in Deutschland durch Giftanschläge beseitigen lässt und Nachbarländer durch verdeckte Truppeneinsätze destabilisiert, kann nicht durch deeskalierende Gespräche eingefangen werden. Die Appeasementpolitik hat weder bei dem Münchener Abkommen funktioniert noch irgendwann später. Hier hilft nur eine klare Front mit harten Maßnahmen.
Im Interesse Russlands wäre ein Einsatz der Rohstofferlöse zur Entwicklung einer wertschöpfenden Industrie, nicht für überbordende Militärausgaben oder Gießkannenverteilung an die Wähler. Das ist aber nicht Putins Interesse.
Es gibt deshalb einen deutlichen Unterschied zwischen Hass auf Russland und Hass auf einen totalitären Herrscher.
Sie unterstützen hier nicht die Interessen der Menschen in Russland, sondern seines machtbesessenen Diktators. Exakt wie Gerhard Schröder!

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19.02.2022

Dass man mit mantraartigem Runterleiern angebl. putinscher Missetaten und schlauen Ratschlägen bezüglich russischer Innenpolitik alles andere erreicht als eine Beruhigung der Lage ist Ihnen hoffentlich klar.

Abgesehen davon, dass ähnliches sicher abzulehnendes Vorgehen, in vielen Fällen auch den USA, China, den Saudis, den Türken und vielen anderen Staatsführungen angekreidet werden kann (wobei den überwiegenden Teil Ihrer Vorwürfe Putin betreffend, keine stichhaltigen Beweise vorliegen) schaden Sie mit Ihrem Gehetze den deutschen Interessen massiv. Schröder hat genau das Gegenteil im Sinn obwohl er im Gegensatz zu Scholz, Baerbock, Lindner usw. als Altkanzler nicht mehr seinem Amtseid verpflichtet ist.

Verhältnisse, die zu ändern nicht in unserer Macht steht, müssen wir ja nicht bejubeln. Wir sollten sie zur Kenntnis nehmen und kritisieren - jedoch niemals so töricht sein, uns aus Kadavergehorsam und Vasallentreue den USA gegenüber ins eigene Bein zu schießen . . .

Die täglich mehrmals vor einem Krieg warnende (wen eigentlich?) deutsche Außenministerin sonnt sich derweil im Glanz ihres US-Kollegen, kommt sich dabei so wichtig vor, dass es schon reichlich peinlich wirkt und verkündet die Bereitschaft Deutschlands zu großen wirtschaftlichen Opfern.

Darüber, wer die letztlich zu erbringen hat, erübrigt sich in Deutschland ohnehin jede Diskussion.

Allen Zeitgenossen, vorzüglich denen mit ihrer Geisteshaltung wünsche ich dabei viel Vergnügen.

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20.02.2022

Die Taten einer Diktators, der seine innenpolitischen Gegner inhaftieren oder mit Gift töten lässt, als „angebl. putinscher Missetaten“ darzustellen zeigt wes‘ Geistes Kind Sie sind. Anschließend dann noch der Ablenkungsversuch mit den USA, Saudi Arabien, Türkei usw. und die Forderung nach „Beweisen“ (vielleicht waren es ja doch nur grüne Männchen?) lässt sehr deutlich erkennen, welchem Herrn Sie dienen.

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17.02.2022

Tatsache ist doch, das die USA mit der Nato die Kriegstreiber seit Jahrzehnten sind und überall nur verbrannte Erde hinterlassen haben. Russland will nur verhindern, das sie mit Natostützpunkten eingekreist werden und das zu Recht. Das wurde ihnen auch mal zugesichert, aber die USA hält sich nicht an Verträge wenn es um ihren Vorteil geht.

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18.02.2022

Soso, was Russland auf dem eigenen Territorium anstellt (einschließlich massiver Militäraufmärsche), geht niemanden was an. Was Russlands Nachbarländer auf eigenem Territorium veranstalten, muss aber von Russland genehmigt werden... ah ja, verstehe!

Putin ist unser Feind! Wird sind schon lange in einem neuen kalten Krieg. Lieber nehme ich die US-amerikanische Hegemonie hin als russische Militärtruppen.

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20.02.2022

Russland als Opfer? Das war jetzt Satire oder?

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17.02.2022

Der Analyse ist zuzustimmen. Insbesondere in dem Punkt, daß sich die 3 Großmaächte in ihrer Großmachtpolitik, wenn, dann höchstens in Nuancen unterscheiden - und das seit Jahrzehnten.

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17.02.2022

Entweder lügen uns die Amerikaner an oder die Russen oder beide. Ich weiß es nicht. Mich erstaunt allerdings, dass es Mitmenschen gibt, die es immer noch genau zu wissen glauben und unbeirrt ihre fest verankerten Feindbilder pflegen, seien es die "Transatlantiker" oder die bösen Russen. Es wird höchste Zeit, dass sich die EU und auch Deutschland von ihren mentalen und tatsächlichen Abhängigkeiten befreien. Kanzler Scholz sollte sich demnächst mal intensiver mit dem französischen Präsidenten Macron zusammensetzen und über die Zukunft Europas nachdenken.

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17.02.2022

Die Essenz aus dem Kommentar lautet doch eher, dass Europa weniger auf wertbasiertes Vertrauen darauf setzen soll, dass sich alle Länder dieser Welt an das Völkerrecht halten, sondern vielmehr auf eigene Stärke - auch militärische.
Die USA sind weit weg und was diese Supermacht treibt, berührt uns nur am Rande. Viel näher ist die totalitäre Rohstoffmacht Russland, die ihre Nachbarländer militärisch bedroht. Dem muss man entschieden entgegentreten - auch militärisch! Sonst sind wir demnächst nicht mehr mitten im Westen, sondern Grenzstaat zur neuen Mega-Sowjetunion.

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17.02.2022

Helmut Schmidt in seinem 2004 erschienenen Buch "Die Mächte der Zukunft":

»Es gibt für die Mehrheit der kontinentaleuropäischen Nationen in absehbarer Zukunft weder einen strategischen noch einen moralischen Grund, sich einem denkbar gewordenen amerikanischen Imperialismus willig unterzuordnen . . . Wir dürfen nicht zu willfährigen Ja-Sagern degenerieren. Auch wenn die USA in den nächsten Jahrzehnten weitaus handlungsfähiger sein werden als die Europäische Union, auch wenn die Hegemonie Amerikas für längere Zukunft Bestand haben wird, müssen die europäischen Nationen gleichwohl ihre Würde bewahren. Die Würde beruht auf dem Festhalten an unserer Verantwortung vor dem eigenen Gewissen.«

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17.02.2022

Richtige Analyse. "Die Stärke des Rechts, statt das Recht des Stärkeren" sollte nach dem Ende des Kalten Krieges die Aussenpolitik bestimmen insb in Europa war das bisher oberstes Gebot. Nur die USA haben weiterhin in Einflusszonen- Mittel der klassischen Aussenpolitik gehandelt. Mit dem Erstarken Chinas und der Wiederkehr Russlands auf dem aussenpolitischen Parkett kamen zwei weitere Player klassischer Realpolitik- Machtpolitik ins Spiel. Auch für Europa und insb DEU heisst das sich Wiederfinden in dem neuen Szenario. Da wird für werteorientierte Aussenpolitk kaum mehr Platz sein.

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17.02.2022

Endlich ein Kommentar, der nicht populistisch in das chic gewordene Putin- und Russland-Bashing einstimmt, sondern auch ein Schlaglicht auf das verhängnisvolle Agieren der Weltmacht in der Abstiegszone, die USA, wirft.

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17.02.2022

@Georg Kr.: „Weltmacht in der Abstiegszone, die USA“
Kann man so sehen, allerdings bei einem nüchternen Vergleich der Zahlen ist die Abstiegsgefahr für die EU größer. – vgl. https://www.bpb.de/kurz-knapp/zahlen-und-fakten/europa/135823/eu-usa-china-bruttoinlandsprodukt-bip/
Die USA hatten 2017 am weltweiten Bruttoinlandsprodukt (BIP) von 80,1 Billionen US-Dollar (in konstanten Preisen, Basisjahr 2010) einen Anteil von 21,8 Prozent; die EU (28 Staaten) von 23,5 Prozent.
„Bezogen auf die absoluten Werte hat sich das BIP der EU zwischen 1970 und 2017 knapp verdreifacht und das BIP der USA etwa verdreieinhalbfacht.“ Im weltweiten Vergleich haben die USA 3,4 % Anteil verloren; der Verlust der EU liegt hier sogar bei 11,7 %.
Im Ergebnis: Bei Beibehaltung dieser Entwicklung wird die EU sehr viel früher unten sein als die USA.

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17.02.2022

@ HELMUT EIMILLER

Im Ergebnis: Bei Beibehaltung dieser Entwicklung wird die EU sehr viel früher unten sein als die USA.

Das wird so sein. Wobei in Ihren Zahlen auch noch das BIP von GB enthalten sein dürfte.

Bin kein Wirtschaftswissenschaftler, habe jedoch Zweifel, ob das BIP in einer globalisierten Wirtschaft wirklich ein echtes Ranking zulässt. Darüber hinaus ist die EU alles andere als homogen und kein Bundesstaat wie die USA. Sie leidet unheilbar an der völlig verkorksten Euro-Einführung.

Sollte die EZB an einer spürbaren Abkehr von der 0-Zins-Politik und einem Stop der Anleihe-Aufkäufe nicht mehr vorbeikommen, könnte das der endgültige Todesstoß für die schwindsüchtige EU sein.

Ich möchte zwar kein neues Fass aufmachen - nur soviel: Sehen Sie sich doch mal die Inflationsraten der neutralen Schweiz mit ihrem Franken an. Man könnte vor Neid erblassen.

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