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Krieg im Nahen Osten eskaliert erneut

Nahost

Neue Angriffe gefährden Verhandlungen zwischen USA und Iran

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    Menschen fotografieren sich neben dem Wrack einer iranischen Rakete, die in der Nähe der Stadt im Westjordanland eingeschlagen ist.
    Menschen fotografieren sich neben dem Wrack einer iranischen Rakete, die in der Nähe der Stadt im Westjordanland eingeschlagen ist. Foto: Mahmoud Illean, dpa

    Seit Sonntagabend herrscht in Israel einmal wieder der Ausnahmezustand: Schulen und Kindergärten wurden geschlossen, Konzerte und Sportveranstaltungen abgesagt. Und in der Nacht schrillten erneut in weiten Teilen des Landes die Sirenen: Über 20 Raketen feuerte Teheran zwischen Sonntagabend und Montagmittag auf Israel ab. Die Einwohner in vielen israelischen Orten waren aufgerufen, sich in Schutzräume zu begeben. Israels Armee, die IDF, reagierte ihrerseits mit einer Reihe von Luftschlägen auf Ziele des Regimes, eigenen Angaben zufolge unter anderem auf eine petrochemische Anlage sowie nicht weiter spezifizierte „strategische Verteidigungssysteme“.

    Erst am Montagnachmittag beruhigte sich die Lage. Israel werde die Angriffe auf Wunsch von US-Präsident Donald Trump einstellen, sagte ein israelischer Regierungsvertreter dem Nachrichtenportal ynet. Zuvor hatte schon Irans Militärführung ihre Angriffe gegen Israel für beendet erklärt. Die Islamische Republik habe zur Unterstützung des Libanons Israel eine „schmerzhafte Antwort“ erteilt, hieß es in einer vom staatlichen Rundfunk verbreiteten Erklärung der Militärführung. „Vor diesem Hintergrund wird die Einstellung der Operationen der Streitkräfte bekanntgegeben.“

    Trump feuert wüste Drohungen in Richtung Israel

    Tatsächlich dürfte es wüste Drohungen aus Washington gegeben haben. Kurz vor der Eröffnungsfeier der Fußball-Weltmeisterschaft in den USA, Mexiko und Kanada will sich Trump die Show nicht durch ein Wiederaufflammen des Kriegs im Nahen Osten vermasseln lassen. Entsprechend gereizt reagierte er auf den israelischen Regierungschef Benjamin Netanyahu. „Israel und Iran müssen sofort aufhören zu ‚schießen‘“, forderte Trump auf seinem privaten PR-Kanal Truth Social.

    Anlass für den Angriff des Iran dürfte die Vergeltung für Israels Bombardierung der libanesischen Hauptstadt Beirut gewesen sein. Zwar hatte US-Präsident   Trump vergangenen Mittwoch einen Waffenstillstand zwischen Israel und dem Libanon verkündet. Dennoch feuerte die vom Iran unterstützte Hisbollah nur einen Tag später eine Panzerabwehrrakete über die Grenze nach Israel ab und tötete damit einen israelischen Soldaten. In Reaktion darauf bombardierte die israelische Luftwaffe Ziele der Gruppe in ihrer Hochburg Dahieh, einem südlichen Vorort Beiruts.

    Iran versucht, die Hisbollah zu schützen

    In der Vergangenheit hatte das Regime in Teheran die schiitisch-islamistische Hisbollah zur Abschreckung gegenüber Israel eingesetzt: Das vormals enorme Raketenarsenal der Gruppe sollte Israel von Angriffen auf den Iran oder sein Atomprogramm abhalten. Nun scheint sich diese Logik umgekehrt zu haben: Das iranische Regime versucht mit eigenen Angriffen, Israel von Schlägen auf seine Verbündeten im Libanon abzuschrecken.

    Ob die Lage weiter eskaliere, schrieb Danny Citrinowicz, Iran-Experte am Institut für Nationale Sicherheitsstudien (INSS) in Tel Aviv, auf der Plattform X, hänge „maßgeblich von einem Faktor ab: Trumps Fähigkeit und Bereitschaft, Israel nach der iranischen Reaktion zum Einlenken zu zwingen.“ Der scheint wild entschlossen. „Ich gebe hier den Ton an”, zitierte die Financial Times den US-Präsidenten aus einem Telefoninterview. „Nicht er.”  

    In einem weiteren Gespräch mit dem Politikportal Axios ließ Trump durchblicken, wie tief die Meinungsverschiedenheiten mit Netanyahu sind. Die iranischen Treffer hätten niemanden verletzt, meinte Trump. „Wenn Bibi zurückschlägt, geht es einfach so weiter wie in den letzten 47 Jahren oder den letzten 3000 Jahren”. Er sei einem Abkommen mit Iran „sehr nahe” und wolle nicht, dass es jetzt platze.

    Wie steht es um einen Deal zwischen Washington und Teheran?

    Tatsächlich dürfte wieder einmal das Gegenteil von dem richtig sein, was der Präsident behauptet. Die neuen Kämpfe erschweren die Suche nach einem Ende des Kriegs, der in den USA wenig Unterstützung findet. So wenig, dass einige Republikaner vergangene Woche gemeinsam mit den Demokraten im Repräsentantenhaus für eine Resolution stimmten, die Trump symbolisch an die Leine legt.

    Die Knackpunkte der Verhandlungen mit Iran bleiben dieselben wie vor dem Angriff am 28. Februar. Nur mit dem Unterschied, dass nun die Straße von Hormus blockiert ist. Das hat gravierende Folgen für die Energieversorgung sowie die Lieferung von Düngemitteln und anderen strategischen Gütern.

    Sollte ein Abkommen „in der Sache” scheitern, erwägt Trump einen Kommandoeinsatz gegen Iran. Das könne zweierlei bedeuten, sagte er der FT. Entweder gehe man hinein und erledige „den Rest”, den man militärisch noch nicht erledigt habe. Oder man halte die Blockade aufrecht, die nach seiner Lesart wirksamer sei als jeder Angriff zuvor.

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