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Foto: Nicolas Armer, dpa
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Bischof Bohdan Dzyurakh von der ukrainischen griechisch-katholischen Kirche: Er war bis Februar 2021 Weihbischof in Kiew.

Krieg in der Ukraine
09.03.2022

Bischöfe verurteilen Angriffskrieg auf die Ukraine mit klaren Worten

Von Daniel Wirsching

Bei der Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz berichtet ein ukrainischer Bischof über die erschütternde Lage und kritisiert den Moskauer Patriarchen Kyrill I.

Die deutschen katholischen Bischöfe verurteilen den völkerrechtswidrigen Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine „ohne Wenn und Aber“ und stehen an der Seite der ukrainischen Nation, „die das Recht der Selbstverteidigung besitzt“. Das sagte der Augsburger Bischof Bertram Meier als Vorsitzender der Kommission Weltkirche der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) am Mittwoch im oberfränkischen Wallfahrtsort Vierzehnheiligen. Dort treffen sich die Bischöfe in diesen Tagen zu ihrer Frühjahrs-Vollversammlung.

Meier betonte bei einem Pressegespräch, dass nichts, was die Führung in Moskau zur Begründung des Angriffs vorgebracht habe, zu überzeugen vermöge. Es stelle sich die Aufgabe, das sogenannte europäische Projekt zu verteidigen. „Wir wollen auch weiterhin in freiheitlichen Demokratien leben“, sagte er. Wichtig sei nun unter anderem, dass Russen aus allen Schichten der Bevölkerung ihren Widerspruch gegen den Krieg zum Ausdruck brächten.

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Foto: Nicolas Armer, dpa
Foto: Nicolas Armer, dpa

Der Augsburger Bischof Bertram Meier am Mittwoch bei einem Pressegespräch zum Krieg in der Ukraine.

Zur Frage nach Waffenlieferungen an die Ukraine bereite die Bischofskonferenz eine Erklärung vor, die an diesem Donnerstag vorgestellt werde, sagte DBK-Sprecher Matthias Kopp.

Ehemaliger Bischof von Kiew: „Akt des Staatsterrorismus“ vor den Augen der Welt

Neben Bertram Meier saß Bischof Bohdan Dzyurakh von der ukrainischen griechisch-katholischen Kirche auf dem Podium. Dieser war bis Februar 2021 Weihbischof in Kiew. Dann ernannte ihn Papst Franziskus zum Apostolischen Exarchen der in Deutschland und Skandinavien wohnenden katholischen Ukrainer des byzantinischen Ritus. Sitz der Exarchie – eine Diözese einer Ostkirche – ist München.

Auf Deutsch sprach Dzyurakh von in Schutt und Asche gelegten Dörfern und Stadtvierteln sowie den getöteten Zivilisten in der Ukraine: „So etwas darf doch nicht passieren im Europa des 21. Jahrhunderts!“ Vor den Augen der Welt geschehe „ein Akt des Staatsterrorismus“. Den südafrikanischen Menschenrechtsaktivisten Desmond Tutu zitierend, sagte Bohdan Dzyurakh, dass es in dieser Situation „keine Neutralität“ gebe – wer neutral sei, entscheide sich für die Seite der Unterdrücker.

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Bischof Dzyurakh spricht von einer gnadenlosen Propagandamaschine in Russland

In seinen eigenen Worten bat er ausdrücklich Journalistinnen und Journalisten, „Zeugen der Wahrheit zu werden und das Gewissen der Öffentlichkeit und der Verantwortlichen wachzurütteln“. In russischen Medien, sowohl in Russland als auch im Ausland, sei „seit Jahren eine gnadenlose und rücksichtslose Propagandamaschine am Werk, im Vergleich zu der selbst Goebbels wie ein Anfänger wirkt“. Damit sei der gegenwärtige Krieg vorbereitet worden und davon werde er täglich begleitet.

Auf die Frage unserer Redaktion, ob der Moskauer Patriarch Kyrill I. ein Kriegstreiber sei, antwortete Bischof Bohdan Dzyurakh, dass er sich über dessen Positionen wundere. „Man kann nicht Gutes erreichen durch Gewalt oder Krieg.“ Kyrill I. ist auch Vorsteher der russisch-orthodoxen Kirche.

In einer Predigt hatte er vor kurzem unter anderem gesagt, dass seit acht Jahren versucht werde, „das Bestehende im Donbass zu zerstören“. Seit 2014 wird der Donbass in der Ostukraine von russischen Separatisten kontrolliert – Russlands Präsident Wladimir Putin nannte als Kriegsgrund den Schutz der Menschen dort vor einem „Genozid“ durch die Kiewer Regierung. Laut Kyrill I. müssten Gläubige in der Ukraine auch vor „Schwulen-Paraden“ geschützt werden.

Augsburgs Bischof Meier hebt positive Stimmen russisch-orthodoxer Geistlicher hervor

Bischof Bohdan Dzyurakh sagte dazu: Niemand habe in der Ukraine darum gebeten, dass die Ukraine vor bestimmten gesellschaftlichen Bewegungen gerettet werden solle. Der Augsburger Bischof Bertram Meier erklärte zunächst, ohne Kyrill I. beim Namen zu nennen: „Es wäre verheerend, wenn am Ende nationale Zugehörigkeiten und politische Loyalitäten ein größeres Gewicht erlangten als die Botschaft, die dem Christentum geschenkt und aufgetragen ist.“ Zudem hob er die „vielen Stimmen russisch-orthodoxer Geistlicher“ hervor, „die sich nicht für die Propaganda der russischen Regierung einspannen lassen“. Sie alle ließen sich vom Evangelium Jesu leiten, das ein Evangelium des Friedens sei.

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Foto: Mikhail Metzel, Kremlin Pool/Planet Pix via ZUMA Press Wire/dpa (Archivfoto)
Foto: Mikhail Metzel, Kremlin Pool/Planet Pix via ZUMA Press Wire/dpa (Archivfoto)

Der russisch-orthodoxe Patriarch Kyrill I. - ein Kriegstreiber?

Auf Nachfrage erwähnte er den „deutlichen Appell“ seines Münchner Mitbruders Reinhard Kardinal Marx. Der hatte Ende Februar „inständig“ an Kyrill I. appelliert, auf Putin Einfluss zu nehmen, damit der Krieg beendet werde. Meier sprach von einer „Symbiose eines Teils der Orthodoxie, der sehr eng an Putin gekettet und mit ihm verbunden ist“. Dazu, dass der Papst bislang weder Putin noch Kyrill I. namentlich nannte, sagte er, dies sei mit Blick auf das diplomatische Wirken des Heiligen Stuhls „eher hilfreich“. Franziskus wolle auch hier Brückenbauer sein. Wer die Äußerungen und Appelle des Papstes lese, wisse, wo dieser stehe.

So hilft das katholische Bistum Augsburg Kriegsflüchtlingen

Meier hat – wie andere Bischöfe – bereits mehrfach zum Gebet für die Ukraine aufgerufen. Auch seinen Appell vom Aschermittwoch wiederholte er kürzlich erst: „Öffnen wir Flüchtlingen unsere Herzen, Hände und Türen!“ An diesem Mittwoch appellierte dann ebenfalls der Diözesanrat der Katholiken im Bistum Augsburg an alle Gläubigen in den mehr als 200 Pfarreiengemeinschaften, mit Wohnraum, Spenden oder persönlicher Zuwendung zu helfen.

Der Generalvikar des Bistums Augsburg, Wolfgang Hacker, schrieb zuvor an Pfarreien, dass gerade Christen jetzt „Gastfreundschaft und tätige Nächstenliebe an den Leidenden und Traumatisierten, die zu uns kommen“, leisten müssten. Er bat darum, zu prüfen, ob Pfarrheime oder leer stehende Pfarrwohngebäude „rasch und unkompliziert“ den Kommunen zur Aufnahme von Flüchtenden angeboten werden könnten.

Pfarrgemeinden der ukrainischen griechisch-katholischen Kirche sind zu Anlaufstellen für Kriegsflüchtlinge geworden

Die ukrainische griechisch-katholische Kirche, die in der Ukraine etwa fünf Millionen Mitglieder hat, ist eine der größten Ostkirchen in Gemeinschaft mit Rom. Zu Sowjet-Zeiten war sie verboten und zwischen 1946 und 1989 Untergrundkirche. Danach baute sie, vor allem in der Westukraine, ihre Strukturen wieder auf.

Kathedrale der Apostolischen Exarchie ist die Kirche Maria Schutz und St. Andreas in München-Untergiesing. Die Exarchie gilt als Anlaufpunkt für rund 70.000 katholische Ukrainerinnen und Ukrainer des byzantinischen Ritus in Deutschland.

Bischof Bohdan Dzyurakh berichtete am Mittwoch davon, dass seine Pfarrgemeinden Anlaufstellen für Kriegsflüchtlinge seien. Vom ersten Tag an seien die Gemeinden zu Zentren geworden, in denen Hilfsgüter gesammelt würden. Allein aus der Münchner Kathedralpfarrei werden, so Dzyurakh, seit dem 28. Februar täglich etwa sieben Minibusse und sechs Lastwagen mit Tonnen von Hilfsgütern in die Ukraine geschickt.

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