Newsticker
Explosion in Munitionsdepot auf der Krim: Russland spricht von "Sabotageakt"
  1. Startseite
  2. Politik
  3. Kommentar: Der Kiffer-Traum droht zum Albtraum zu werden

Der Kiffer-Traum droht zum Albtraum zu werden

Kommentar Von Bernhard Junginger
20.05.2022

Der Weg zur Cannabis-Legalisierung ist von Fallstricken übersät. Was die Ampel beim Gras-Gesetz beachten muss.

Haschpfeife und Joint haben - Verbot hin oder her - ihren festen Platz in der Jugend-, Studenten- und Gegenkultur. Der Ruf, die berauschenden Erzeugnisse aus dem Harz der weiblichen Hanfpflanze zu legalisieren, gehört seit Generationen zu den Klassikern linker und alternativer Politik. Jetzt, die Ampel-Regierung macht's möglich, geht der alte Kiffer-Traum bald in Erfüllung. Cannabis steht kurz vor der Freigabe, Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) und der liberale Justizminister Marco Buschmann arbeiten am entsprechenden Gesetz. Doch die Herausforderungen dabei sind gewaltig, das Thema hat viele widersprüchliche Seiten. Regeln, die das nicht berücksichtigen, können riesigen gesellschaftlichen Schaden anrichten.

Je nach Sichtweise sind Haschisch und Marihuana harmlose, mild entspannende Substanzen oder Teufelszeug, das zu Abhängigkeit, Gehirnschäden oder schweren psychischen Störungen führt. Der Stand der Forschung lässt sich sehr vereinfacht so zusammenfassen: Cannabis kann beides sein, je nachdem, wer es konsumiert und in welcher Dosis. Für Erwachsene, die sich gelegentlich einen Joint rollen, sind Risiken und Nebenwirkungen offenbar vergleichsweise gering. Bei jungen Menschen sieht es anders aus. Erst mit Mitte 20 ist das Gehirn fertig entwickelt, einige Studien weisen darauf hin, dass der Konsum bis dahin zu massiven Schädigungen führen kann. Junge Kiffer leiden häufiger unter Depressionen, Antriebslosigkeit, Lernschwäche oder schulischen Problemen. Sie brauchen Schutz und Hilfe, strafrechtliche Verfolgung aber ist hier völlig fehl am Platz.

Cannabis-Ziel: "Kontrollierte Abgabe an Erwachsene"

So zielt die Vereinbarung des Koalitionsvertrags, "die kontrollierte Abgabe von Cannabis an Erwachsene zu Genusszwecken in lizenzierten Geschäften“ einzuführen, in die richtige Richtung. Zumindest theoretisch. In der Praxis stellen sich viele Fragen: Welche "Geschäfte" sollen das denn sein und wer soll die Lizenzen für sie bekommen? Die heutigen Dealer und die kriminellen Organisationen, die hinter ihnen stehen, kommen da sicher nicht infrage. Legale Gras-Boutiquen müssten streng kontrolliert werden, es wäre fatal, würden sie an Mafia und kriminelle Clans fallen.

Was aber ist mit den Leuten, die heute mit Cannabis handeln? Wohl kaum werden sie morgen Karrieren als Maurer oder Buchhändler einschlagen. Sondern weiter Drogen verkaufen, billige, verunreinigte, gestreckte Ware. Oder andere Substanzen, die gefährlicher sind als Hanf. Zielgruppe dann vor allem: Minderjährige, die in den offiziellen Abgabestellen nichts bekommen. Ziemlich sicher werden Polizei und Justiz längst nicht in dem Maß entlastet, wie das Legalisierungsbefürworter vorrechnen. Der Staat muss eher noch härter gegen illegale Dealer vorgehen, die ihn ja Steuereinnahmen kosten. Wie bei Alkohol oder Tabak wird der Fiskus nämlich auch beim Hanfgenuss mitkassieren.

Der Weg zur Cannabis-Legalisierung ist von Fallstricken übersät.
Foto: Karl-josef Hildenbrand, dpa

Der gern gezogene Vergleich mit gesellschaftlich weitgehend tolerierten Suchtmitteln wie Alkohol und Nikotin taugt weder als Argument für noch gegen eine Legalisierung von Cannabis. Ein Gläschen Prosecco kann, muss aber nicht der erste Schritt zu Alkoholismus und Leberzirrhose sein. Wer sich mal ein Pausen-Zigarettchen gönnt, wird nicht gleich Kettenraucher mit Lungenkarzinom.

Lesen Sie dazu auch

Doch bevor Cannabis zum "normalen" Genussmittel wird, muss vieles geklärt werden: Wie sieht es nach dem Konsum mit dem Autofahren aus? Welche Grenzwerte gelten? Welcher Joint entspricht einem Achtel Weißwein und welcher einer Pulle Schnaps? Reichen die erwarteten Einnahmen aus der Cannabis-Steuer überhaupt für den nötigen Ausbau von Suchtprävention, Jugendschutz und Verfolgung des illegalen Drogenhandels? Die Bundesregierung muss überzeugende Antworten liefern. So viel für eine Entkriminalisierung des Cannabis-Konsums auch sprechen mag, so wenig darf sie zu dessen Verharmlosung führen.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

20.05.2022

Das gewichtigste Argument für die Legalisierung ist, dass Millionen von Nutzern dieser durchaus nützlichen Pflanze nicht länger kriminalisiert und verfolgt werden...das fällt bei dem Artikel unter den Tisch. Es wird der Eindruck erweckt, dass es schon alles ok lief unter der Prohibition...das ist mit nichten der Fall und deshalb muss diese schleunigst beendet werden. Durchdacht kann/muss die Sache natürlich trotzdem sein.

Permalink
20.05.2022

"Zielgruppe dann vor allem: Minderjährige, die in den offiziellen Abgabestellen nichts bekommen."
Man denke nur an die kriminellen Banden die bierverkaufend an den Schulen stehen! Das kaufkräftige Klientel in der Grundschule anzapfen ist sicher auch eine gute Idee!

Schaut euch doch einfach mal die Handhabung in den USA, Kanada etc. an! Viele der oben genannten Punkte sind nämlich gar nicht so "undefiniert" wie die Mafia- und Clanunterstützer der Prohibitionslobby gern vorspielen...

Permalink
20.05.2022

Der Kommentar ist ziemlich an der Realität vorbei und behandelt Cannabis ziemlich einseitig. Hier wird schnell deutlich, dass dies ein Plädoyer für das Verbot ist.
Also als erstes sollte man folgendes anmerken:
Cannabis ist in einigen Ländern bereits legal und in sehr vielen Ländern wird der Konsum und Besitz toelriert. In Europa gibt es um Deutschland herum fast nur Länder, die einen anderen Umgang mit Cannabis pflegen.
DIe Niederlande hat ihre Duldungspolitik, welche aber nicht sehr erfolgreich ist, da durch diese Duldungspolitik die organisierte Kriminalität subventioniert wurde (ebenso wie sie auch in der Prohibition subventioniert wird).
Coffeeshops dürfen zwar legal Cannabis verkaufen, aber müssen es illegal einkaufen, doch hier wird nun versucht gegenzusteuern und es gibt ausgesuchte Städte die nun komplett reguliert werden und wo vom Vertrieb bis zum Verkauf alles staatlich kontrolliert wird.
Belgien hat seit Jahren eine Duldungspolitik wonach 3 Gr. Cannabis legal ist und man zu hause eine Pflanze besitzen darf. Die Franzosen gehen mit Cannabis auch ziemlich nachsichtig um, die Spanier haben Cannabis Social Clubs wo erwachsene Bürger Cannabis erwerben und konsumieren dürfen.
Portugal hat alle Drogen entkriminalisiert und das direkte Nachbarland die Schweiz hat nun jüngst mit dem legalen Verkauf in einigen Städten begonnen (z.b. Basel).
Im Prinzip haben sehr viele Länder einen anderen (inoffiziellen) Umgang mit Cannabis, doch in Deutschland soll dann der normale Umgang plötzlich ein problem werden? Das kann doch keiner mehr ernst nehmen.
Dann gibt es die Dealer die wohl weiterhin mit Cannabis und harten Drogen handeln werden, daran besteht keinen Zweifel. Aber der Cannabiskonsument muss nicht mehr zum Dealer, denn wer wird nicht saubere kontrollierte Ware vorziehen? Der Dealer kann da nicht mithalten, insbesondere wenn es um Verunreinigungen, Pestizide, etc. geht.
Oder gibt es hier Menschen, die sich den illegal aus dubiosen Quellen gebrannten Schnaps für 2 Euro im Park kaufen?

Gerne wird hier dann die Kinder und Jugendlichen angeführt, klar wird der Dealer wahrscheinlich versuchen Cannabis an diese Zielgruppe zu veräußern, aber da muss der Staat mit drastischen Strafen entgegen wirken. In einigen Bundesstaaten wo Cannabis ab 21 legal ist, wird die Abgabe von Cannabis an Minderjährige mit mindestens 3 Jahren Haft bestraft.
Sollte dann auch hier in Erwägung gezogen werden. In anderen Bereichen wie z.b. das Sexualstrafrecht geht es ja auch, dort wird Kindesmißbrauch sehr hart bestraft. Dies sollte bei Drogenmßbrauch auch so sein, dazu gehören aber dann alle Drogen wie Alkohol und Tabak,etc.

Wer ab un an einen Joint raucht, einen Keks ißt oder mit dem Verdampfer Cannabis inhaliert wird ebenso wenig gesundheitlich beeinträchtigt werden wie der moderate Weintrinker.
Ebenso wie beim Alkohol gibt es beim Cannabis auch sehr viele Abstufungen, und nicht wenige würde auch die Bierversion von Cannabis konsumieren wollen. Nicht jeder will sich komplett zudröhnen, so wie nicht jeder nur Schnaps trinken möchte.
Es gibt tausende von Sorten und Gattungen der Hanfpflanze, mit viel THC /wenig CBD, mit gleichviel THC /CBD oder wenig THC/ CBD. Es gibt Indica und Sativa Pflanzen, Hybride, etc. die alle anders wirken.
Es ist ein Märchen zu behaupten, jeder Konsument möchte sich nur zudröhnen. Beim Alkohol will sich ja auch nicht jeder direkt zudröhnen, sondern ziehen einen maßvollen Konsum vor. Das ist bei Cannabis sehr oft auch so, doch dies verschweigt dieser Kommentar!

Permalink