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Moskau
17.03.2022

Der letzte Kaufrausch: Westliche Firmen ziehen sich aus Russland zurück

Menschen stehen Schlange in einem Moskauer Supermarkt, um an einem Geldautomaten in einem Supermarkt US-Dollar abzuheben.
Foto: Vlad Karkov, Images Via Zuma Press Wire/dpa

Westliche Firmen ziehen sich aus Russland zurück, die Läden in den Einkaufszentren machen dicht. Die Menschen stehen stundenlang Schlange, für Kaffee, Kleider, Kosmetik.

Walentina Afanasjewa schließt die Augen. Für einen kurzen Augenblick ruft sie sich plötzlich die Vergangenheit in Erinnerung. „Der Geschmack des Herings, der war ganz unglaublich. Der leckerste Hering meines Lebens.“ Sie macht die Augen wieder auf, ein kalter Schauer laufe ihr über den Rücken, sagt sie. Es ist eine Vergangenheit, die Walentina Afanasjewa längst überwunden zu haben schien. Sieben Stunden habe sie zusammen mit ihrer Mutter für den Fisch angestanden, als Heranwachsende in den 1990er Jahren. Der Hering, kurz vor Neujahr, ein traditionelles Gericht der russischen Feiertagsküche. „Sieben Stunden! Nach so was schmeckt wahrscheinlich selbst der trockenste Hering wie der leckerste Kaviar.“ Sie versucht zu lachen, schaut aber schnell zu Boden. Sie ist jetzt Mitte 40 und steht wieder in einer Schlange, den Korb in ihrer Hand voller Kleider, die Kasse weit weg. Alle paar Minuten macht sie einen Schritt nach vorn.

Immer mehr westliche Firmen ziehen sich aus Russland zurück

Nach dem russischen Angriff auf die Ukraine ziehen sich immer mehr westliche Firmen aus Russland zurück. Manche haben ihre Arbeit für vorerst einige Monate unterbrochen und zahlen ihren Mitarbeitern einen geringen Ersatzlohn, andere haben ihre Angestellten abgezogen und bieten ihnen im Ausland eine Stelle an. Autobauer wie BMW oder VW liefern nicht mehr nach Russland und wollen auch nicht mehr im Land produzieren. Der Konzern Awtowas hat die Fertigung seiner Ladas unterbrochen, weil Bosch keine Mikroelektronik mehr liefert, und hat angekündigt, seine Mitarbeiter im April wegen der „Ersatzteil-Krise“ 20 Tage in die „Betriebsferien“ zu schicken. Nestlé liefert nur noch Grundnahrungsmittel, Danone setzt alle Investitionen im Land aus, Coca-Cola stellt den Betrieb ein. Ikea, McDonald's, H&M, Starbucks, Adidas. Ihre Läden, die sonst die Shoppingmalls quer durch Russland füllten, sind nun dunkel, an den Schaufenstern hängen Zettel: „Aus technischen Gründen geschlossen.“

Viele Geschäfte mit ausländischen Luxusartikeln haben den Ansturm der Kunden bereits hinter sich. So wie diese geschlossene Gucci-Filiale in Moskau.
Foto: Alexander Sayganov, Sopa Images Via Zuma Press Wire/dpa

Manche Moskauer machen sich auf Erkundungstour durch die Stadt: In welchem Einkaufszentrum ist noch welcher Laden geöffnet? Auch Walentina Afanasjewa, die nur in dieser Geschichte so heißt, wie jeder andere hier nicht seinen wahren Namen trägt, weil er sich nicht exponieren will, ist seit Tagen unterwegs. Im Zentrum sei der Laden, in den sie wollte, bereits zu, im Süden habe er zu wenig Auswahl, nun nehme sie eben die Schlange im Westen der Stadt auf sich. Der Sohn habe am Tag zuvor fünf Stunden angestanden, sie hoffe auf schnelles Vorankommen.

Durch die Shoppingmall „Okeania“, nicht weit vom Moskauer Siegespark entfernt, eilen die Menschen mit vollen Tüten aus Schuhgeschäften, sie stehen am Nespresso-Stand an und auch im Uniqlo, wie die Bankangestellte Afanasjewa. Die japanische Freizeitbekleidungskette verkauft seit 2011 in Russland. Am 20. März machen die letzten Uniqlo-Geschäfte hier zu. „Ich mag diese Marke, es ist für mich auch ein Zeichen, dass wir ein ganz normales Leben führen können. Wie die Europäer, wie die Amerikaner, wie die Asiaten. Wie alle auf der Welt“, sagt Walentina Afanasjewa. „Aber dieses normale Leben ist einfach hin. Mit einem Schlag. Ausgeführt von unserem Präsidenten.“ Sie spricht leise, flüsternd fast. Öffentliche Kritik am Kreml ist gefährlich im Land. Doch in der Warteschlange werden aus Fremden spätestens nach 20 Minuten Anstehens Schicksalsgenossen. Sie unterhalten sich über ihre Sorgen, erzählen von den Kindern, den Katzen, von ihren Ängsten um die Zukunft.

"Warum bestraft uns der Westen?", fragt eine Frau

„Nennen Sie die Dinge doch beim Namen: Russland führt Krieg gegen die Ukraine. Deshalb stehen wir doch alle hier“, sagt Alexander Iwanow hinter Walentina Afanasjewa. Offiziell müsste er „militärische Spezialoperation“ sagen. „Warum bestraft uns der Westen dafür?“, fragt seine Frau Irina. Sie haben Hosen in ihren Plastikkörben, T-Shirts für die Söhne, Unterwäsche. Walentina Afanasjewa sagt: „Die Jungen von heute können mit den Schwierigkeiten, die auf uns alle bald zukommen, doch gar nicht umgehen. Für sie ist der Rückzug alles Westlichen ein Drama, sie sind damit aufgewachsen, dass ihnen alles offen steht, dass sie reisen können, sich weiterentwickeln. Jetzt kann mein Sohn sein Praktikum in einem internationalen Konzern nicht machen. Ob er in den Kampf eingezogen wird? Gott bewahre!“

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Seit russische Panzer die Grenze zur Ukraine überquert haben, hat der Rubel fast die Hälfte seines Wertes gegenüber dem Dollar eingebüßt. Die hohen Devisenreserven, mit denen die russische Notenbank den Rubel hätte stützen können, hat der Westen eingefroren. Die Inflation steigt rasant, Ökonomen rechnen bis spätestens April mit der Zahlungsunfähigkeit Russlands. Vorhandene Dollarreserven können die Russen nur noch in Rubel ausgezahlt bekommen. Manche Läden wechseln gar nicht mehr die Preisschilder aus. „Die Preise an der Kasse können andere sein als am Regal“, steht da schlicht.

Das letzte Schnäppchen bei IKEA. Moskauer stehen Schlange bei dem schwedischen Möbelgiganten. Das Bild ist schon ein paar Tage alt, inzwischen haben die Filialen in der Hauptstadt bereits geschlossen.
Foto: Vlad Karkov, SOPA Images via ZUMA Press Wire/dpa

„Wo ist denn der Anfang der Schlange?“, fragt ein junger Mann im überfüllten Uniqlo-Geschäft des „Okeania“, vollbepackt mit Pullovern, Jacken, Hosen. Der Wachmann am Eingang wundert sich über den Zulauf, seit Tagen gehe es schon so. „Anfang? Suchen Sie nach dem Ende, mein Lieber. Es ist alles zu Ende hier“, sagt Alexander Iwanow. Resigniert ist er nicht. „Warum denn auch? Wir haben die 90er überstanden, wir haben 2014 gepackt, die neue Krise ist schlimmer, aber auch die schaffen wir. Müssen wir ja“, sagt er. Die beiden Frauen nicken. „Wir haben keine Wahl, haben mit dieser seltsamen ,Spezialoperation' nichts zu tun, Putin hat uns vor vollendete Tatsachen gestellt, und jetzt wendet sich jeder von uns ab, das tut weh“, sagt Walentina Afanasjewa.

„Machen Sie sich keine Sorgen, nach ein paar Wochen kommen alle Firmen wieder zurück, sie wollen doch Geld verdienen“, meint Irina Iwanowa. „Geld? Mit uns? Wie sollen wir denn noch was kaufen, wenn uns dieses Geld ausgegangen ist?“ Walentina Afanasjewa ist skeptisch und niedergeschlagen. „Vor allem wir Älteren ertragen alles, was sonst? Auf die Straße gehen? Und dann im Knast landen?“ Sie wolle ein ruhiges Dasein, ein entspanntes. „Mein ganzes Leben stehe ich unter Dauerstress. Schlangestehen, wenig Geld, wenig Freiheit.“

Nach mehr als einer Stunde kommt sie an der Kasse an. Legt die schwarzen Socken dahin und die grauen Unterhemden. „Viel Glück!“, ruft ihr Alexander Iwanow zu, der bereits bezahlt hat. Sie schaut versunken.

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